Eduard Berends Einleitungen

Einleitung zur dritten Abteilung

Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956, S. V-XXIII, S. 413-414, S. 414-416.

In neueren Gesamtausgaben der Werke unserer Dichter geht man immer mehr dazu über, auch die Briefe einzubeziehen, sei es daß diese als besondere Abteilung den Werken angegliedert, oder daß sie bei chronologischer Anordnung periodenweise in die Werke eingefügt werden. Bei kaum einem Dichter erscheint diese Aufnahme so berechtigt, ja notwendig, wie bei Jean Paul. Schriftstellerei und Briefstellerei gingen bei ihm zeitlebens Hand in Hand, und es war kein bloßer Witz, wenn er des öfteren behauptete, Bücher seien nur dickere Briefe ans Publikum, Briefe nur dünnere Bücher für die Welt [1] . Es springt in die Augen, daß alle seine Briefe, mit ganz seltenen Ausnahmen, z. B. der an die Mutter, ja selbst die kürzesten und flüchtigsten Billette mit bewußter Kunst, mit literarischem Anspruch, mit „Anstrengung“, wie er selber es auszudrücken pflegte, abgefaßt sind. Er fürchtete immer, sich zu verderben, wenn er sich beim Schreiben gehen ließe [2] . Namentlich in seiner Frühzeit hat er zuweilen auf Briefe, z. B. auf manche an den Pfarrer Vogel, soviel Mühe und Sorgfalt verwandt wie später kaum noch auf ein Werk [3] . Wie er in seinen Werken gelegentlich bestimmte Personen apostrophiert, so scheinen seine Briefe sich oft mehr an die Allgemeinheit als an den einzelnen Empfänger zu richten. Es ist denn auch vieles aus ihnen in mehr oder weniger veränderter Fassung in seine Werke übergegangen, worauf er selber wiederholt in Scherz und Ernst hingewiesen hat [4] . Da er mit beispielloser Zielbewußtheit sein ganzes persönliches Tun und Lassen seinem Schriftstellerberufe dienstbar machte, waren auch Privatbriefe für ihn nur Vorübungen und Konzepte für seine offenen Schreiben ans Publikum. So gewiß dem so ist, so verkehrt und ungerecht wäre es, seinen Briefen deshalb Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit abzusprechen. Diesem merkwürdigen Menschen war eben Kunst zur zweiten Natur, Dichten zum Leben, Bewußtheit zum Instinkt geworden; es ist der Schlüssel zu seinem Wesen, zu begreifen, daß diese Gegensätze für ihn keine waren. Überhaupt spielte sich ja sein Leben in einem selbst für die damalige schreibselige Zeit ungewöhnlichen Grade auf dem Papier und besonders auf dem Briefpapier ab. Hat er doch an Freunde, von denen ihn nur eine Wand oder eine Gassenbreite trennte, nicht nur zahllose Billette, sondern nicht selten lange Briefe geschrieben, ja seiner Frau zuweilen, ohne abwesend zu sein, schriftlich zum Geburtstag gratuliert. Zu seinen Lieblingsideen gehörte eine Gesellschaft, die, um einen Tisch sitzend, statt Gesprächen Briefe wechselt [5] . Seine Briefe lassen denn auch sein Leben in einer Vollständigkeit wiedererstehen, wie es in unserer fernsprechenden Zeit niemals möglich wäre.

In meinen 1927 in den Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften erschienenen „Prolegomena zur historisch-kritischen Ge- samtausgabe von Jean Pauls Werken“ habe ich mich auf die Behandlung der Werke und des Nachlasses beschränkt, da für die Briefe damals noch eine gesonderte Ausgabe vorgesehen und schon begonnen war. Nachdem nunmehr durch Beschluß der Deutschen Akademie der Wissenschaften die Aufnahme der Briefe als dritte Abteilung der Gesamtausgabe beskimmt ist, soll hier zunächst eine allgemeine Übersicht über die zu behandelnde Briefmasse gegeben und sodann dargelegt werden, nach welchen Grundsätzen deren Bearbeitung erfolgt.

Jean Pauls Briefwechsel

A. Handschriften

Der im Jahre 1888 aus dem Besitz der Nachkommen Jean Pauls in den der Preußischen Staatsbibliothek übergegangene gewaltige Nachlaß enthielt auch eine sehr umfangreiche Abteilung „Korrespon- denz“, die später in die allgemeine Autographensammlung der Bibliothek aufgeteilt wurde, wodurch der Überblick sehr erschwert war. Sie bestand naturgemäß zum größeren Teil aus Briefen an Jean Paul, rund 1800 Stück von etwa 325 Korrespondenten [6] . Von Jean Paul waren vorhanden Briefe an seine Frau, seine Töchter und seinen Schwiegervater, an die Freunde Adam Lorenz von Oerthel, Christian Otto, Friedrich von Oertel und Friedrich Heinrich Jacobi, einige an Amöne und Karoline Herold, Friedrich und Auguste Schlichtegroll, Franz Wilhelm Jung u. a. m., sowie verschiedene unvollendete oder aus irgendeinem Grunde nicht abgesandte. Die Briefe an Heinrich Voß lagen in Abschriften von Karoline Richters Hand vor. Früher schon waren mit dem Varnhagenschen Nachlaß die Briefe an Paul Emil Thieriot und einige andere in die Staatsbibliothek gelangt. Durch spätere Ankäufe wurde dieser Bestand noch erheblich vermehrt; außer vielen einzelnen Stücken wurden große Partien der Briefe an Renate Wirth, an Hans von Ahlefeldt und an das Herdersche Ehepaar erworben. Ein noch in den Händen der Nachkommen verbliebener Rest des Nachlasses, dessen Kern etwa 900 Billette an Otto bildeten, wurde 1912 durch meine Vermittlung angekauft.

Der nächst wichtige Fundort ist das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, das 1885 durch Schenkung in den Besitz der Briefe Jean Pauls an seine Mutter und einzelner wichtiger Briefe an seine Frau, an Otto, Jacobi u. a. m. gelangte. Dazu wurden später noch ein Teil des Briefwechsels mit dem Herderschen Ehepaar und der Billettwechsel mit Karoline Mayer aus der Verlobungszeit erworben. Auch einige Briefe an Goethe sind vorhanden.

Durch systematische Nachforschungen in öffentlichen Bibliotheken, bei den Nachkommen der Korrespondenten und bei Autographensammlern konnte eine große Zahl weiterer Originalbriefe ermittelt werden, wovon hier nur die größeren Gruppen angeführt werden mögen. Jean Pauls Briefe an Böttiger befinden sich in der Landesbibliothek in Dresden, die an Gleim im Gleimhaus in Halberstadt, die an Knebel im Kestnermuseum in Hannover, die an Amöne Herold in der Kunst- und Altertümersammlung der Feste Koburg, die an Gottlieb Richter jetzt im Fichtelgebirgs-Museum in Wunsiedel, die an Max Richter (größtenteils) und an den Verleger Zimmer in der Frankfurter Stadtbibliothek, die an Heinrich Voß zum Teil in der Landesbibliothek Eutin, zum Teil in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, die beiden ersten Jahrgänge der Briefe an Emanuel (1794—95) und der Briefwechsel mit dem Herzog August Emil von Gotha in der Gothaer Bibliothek, die Briefe an die Familie Paulus in der Heidelberger Universitätsbibliothek, die an Cotta in der Cotta’schen Handschriftensammlung (jetzt als Leihgabe im Schiller-Nationalmuseum in Marbach), die an Vieweg im Braunschweiger Archiv des Verlages. Der Briefwechsel mit dem Pfarrer Vogel ist ins Britische Museum geraten, die Briefe an Wilhelmine von Kropff in die Library of Williams College, Williamstown, Mass. Der sehr umfangreiche Nachlaß Emanuel Osmunds, den ich bei seiner Enkelin Klothilde Goldschmidt ausfindig machte, und der sich jetzt im Besitz von Frau Dr. Apelt in Zittau befindet, enthält an die 1000 Briefe und Billette Jean Pauls, die mir in der liberalsten Weise zur Verfügung gestellt wurden. Viele einzelne Briefe sind zerstreut in öffentlichen und privaten Sammlungen.

So ansehnlich der erhaltene Bestand an Originalbriefen ist, so sind doch auch schmerzliche Verluste zu beklagen. Aus der Jugendzeit entbehrt man besonders die Briefe an Johann Bernhard Hermann und an Friedrich Wernlein. Von den Briefen an Otto fehlen die meisten vor 1790 geschriebenen; die an dessen Schwester sind einem Brand zum Opfer gefallen, die an Matzdorff in der Franzosenzeit verlorengegangen. Ein ungünstiges Geschick hat über den Liebesbriefen gewaltet: die an Charlotte von Kalb und an Karoline von Feuchtersleben sind nachweislich vernichtet worden; von denen an Emilie von Berlepsch, an Josephine von Sydow und an Henriette von Schlabrendorff sind nur einzelne zutage gekommen.

Auch die Briefe an Jean Paul weisen trotz ihrer großen Zahl empfindliche Lücken auf. Er hat zwar im allgemeinen empfangene Briefe aufbewahrt, ist aber nicht immer sorgfältig mit ihnen umgegangen. Nach seiner Verheiratung hat er einmal mit Karolinens Hilfe die angeschwollene Masse gesichtet und „die Unkrauts-Hälfte“ verheizt (an Otto, 21. Nov. 1801); daher ist namentlich für die Frühzeit der Bestand sehr gelichtet. Von den Briefen der Mutter, der Brüder, von Oerthel, Amöne Herold, Friederike Otto sind nur ganz geringe Reste vorhanden, von Karoline Herold, Ottos Brüdern, Dr. Ellrodt und manchen andern Korrespondenten keine Zeile. Von Charlotte von Kalbs Briefen fehlt ein wichtiger Teil, den sie dem Dichter „durch Wortbruch abplauderte“ (J. P. an Otto, 12. März 1801) und nicht zurückgab. Die Briefe der Feuchtersleben hat ihr Jean Paul nach der Entlobung bis auf einen kleinen Teil zurückgegeben (leider ohne die seinigen dafür zu verlangen); die von Friedrich von Oertel wurden dessen Bruder Ludwig, die von Heinrich Voß den Eltern, die von Jacobi dem Herausgeber von dessen Briefwechsel (Roth) überlassen und anscheinend nicht zurückgegeben; sie sind — bis auf einzelne von Heinrich Voß — zugrunde gegangen. Von Ottos Briefen fehlen alle nach 1800 geschriebenen; in den früheren hat seine Frau Amöne wichtige Stücke durch gekürzte und abgeänderte ersetzt. Emanuels und Thieriots Briefe sind mit wenigen Ausnahmen nur in unvollständigen Kopien erhalten. Auch viele der von Ernst Förster veröffentlichten Briefe von bekannten Persönlichkeiten, Fürstlichkeiten usw. waren beim Übergang des Nachlasses an die Preußische Staatsbibliothek nicht mehr vorhanden, also wohl verschenkt oder verkauft worden; manche davon konnten an verstreuten Orten ausgemittelt werden, z. B. die von Gleim in der Sammlung Kippenberg. Einen größeren Posten hat das Frankfurter Goethemuseum erworben.

B. Kopien und Konzepte

Einen sehr wertvollen, wenn auch keineswegs vollwertigen Ersatz der nicht erhaltenen Originalbriefe Jean Pauls bilden die in seinem Nachlaß vorhandenen Briefkopien bzw. -konzepte. Sie finden sich, von vereinzelten Stücken abgesehen, in einer Folge von 17 Quartheften, die von Beginn der Universitätszeit (Mai 1781) bis zum Lebensende reicht. Die Aufschriften der Hefte lauten abwechselnd „Korrespondenzbuch“ — „Kopierbuch“ — „Briefkopierbuch“ — „Briefe“ mit Hinzufügung der Jahreszahlen. Die genaue Beschreibung dieser Briefbücher — so mögen sie im folgenden bezeichnet werden — wird im Apparat erfolgen; hier soll nur ihre Einrichtung und Eigenart im allgemeinen geschildert werden.

Sie sind zum allergrößten Teil von Jean Paul selber geschrieben. In den 9 ersten, bis 1804 reichenden Heften erscheint nur ganz vereinzelt einmal eine fremde Hand, vielleicht die seines Bruders Samuel (z. B. in Nr. 207 des vorliegenden Bandes). Erst in der Bayreuther Zeit und namentlich seit Beginn seines Augenleidens ließ Jean Paul seine Briefe zuweilen von seiner Frau oder seinen Töchtern kopieren. Wir haben es — was frühere Benutzer nicht immer erkannt haben — überwiegend mit Kopien zu tun; Konzepte — als solche an den Korrekturen zu erkennen — kommen nur in der Frühzeit und dann wieder in den letzten Jahren häufiger, sonst nur vereinzelt vor. Jean Paul pflegte sich zwar für seine Briefe vorher kurze Notizen in Stichworten zu machen (man findet solche verstreut in allen seinen Arbeitsheften), schrieb sie dann aber fast immer alla prima. Nur besonders wichtige hat er manchmal vorher konzipiert; in solchen Fällen folgt zuweilen im Briefbuch auf das Konzept noch eine Kopie, oder diese ist aus jenem durch nachträgliche Verbesserungen und Zusätze hergestellt.

Vergleicht man nun die Kopien mit den erhaltenen Originalbriefen, so ergibt sich zunächst, daß bei weitem nicht alle Briefe in den Briefbüchern zu finden sind. Es fehlen viele inhaltlich oder formell unbedeutende Briefe, z. B. alle an die Mutter, und natürlich fast alle kurzen Billette. Es gab Zeiten, wo Jean Paul nur besonders wichtige oder auch gar keine Briefe kopierte, z. B. auf Reisen, wenn er das Briefbuch nicht zur Hand hatte. Immerhin enthalten die 17 Hefte im ganzen über 2500 Kopien, und weit über die Hälfte davon sind solche, deren Originale verlorengegangen sind.

Weiter ergibt der Vergleich der Kopien mit den Originalen, daß jene, wenn sie von Jean Paul selber geschrieben sind, nur selten den vollständigen Text geben. Er pflegte nur das aus seinen Briefen zu kopieren, was er einmal literarisch verwerten zu können glaubte, also die allgemeinen Reflexionen, Bilder, Witze, Einfälle u. dgl. Wie bei Schmocks Zeitungsartikeln wurde alles Gewöhnliche gestrichen und nur das „Brillante“ stehen gelassen. Erst in den späteren Jahren tritt daneben auch das Bestreben zutage, den sachlichen Inhalt zu notieren, z. B. bei Briefen an Verleger und Händler das Geschäftliche. Zuweilen sind sogar nur Adressat und Datum angegeben [7] . In der Regel bestehen die Kopien nur aus mehr oder weniger unzusammen- hängenden Sätzen oder Satzteilen. Die Auslassungen sind oft, aber keineswegs immer durch Punkte oder Striche angedeutet. Nachträgliche An-, Unter- und Ausstreichungen zeugen davon, daß Jean Paul die Hefte dauernd für seine dichterischen Arbeiten benutzte.

Die Kopien geben aber nicht nur einen verkürzten, sondern nicht selten auch einen vom Original abweichenden Text. Es erklärt sich das wohl daraus, daß zuweilen die Kopie erst nach Absendung des Originals aus dem Gedächtnis niedergeschrieben oder daß der Brief mehrfach abgefaßt und der Kopie eine nicht abgegangene Fassung zugrunde gelegt wurde. Manchmal mag auch die bloße Freude an Abwechslung mitgespielt haben [8] .

Die Überschriften der einzelnen Kopien geben gewöhnlich den Namen, zuweilen auch Titel und Wohnort des Empfängers und das Datum (das Jahr meist nur bei Beginn eines neuen) an, sind aber oft unvollständig oder fehlen ganz; es ist dann anzunehmen, aber keineswegs ausgemacht, daß Empfänger und Datum die gleichen sind wie bei der vorhergehenden Kopie. Wie der Text, so weicht auch das Datum der Kopie nicht selten von dem des Originals ab, was sich vielleicht auch aus mehrfacher Abfassung eines Briefes erklärt. Wenn ein Brief in Zeitabständen geschrieben wurde, gibt die Kopie bald das Anfangs-, bald das Schlußdatum an, auch wohl den Absendungstag.

Die Reihenfolge der Kopien in den Briefbüchern ist im allgemeinen chronologisch, doch kommen kleine Umstellungen vor. Zuweilen ließ sich Jean Paul unkopierte Briefe später zurückgeben und trug die Kopien nach [9] , leider dann oft ohne Angabe des Datums, das sich in diesen Fällen nicht, wie sonst, aus der Stellung im Briefbuch ergibt.

Vereinzelt fanden sich Kopien oder Konzepte von Briefen auch außerhalb der Briefbücher im Nachlaß. Dem früheren Verwalter des Nachlasses, Ernst Förster, müssen noch mehr solche vorgelegen haben, besonders Konzepte zu Briefen an Charlotte von Kalb, die in Berlin nicht mehr aufzufinden waren.

C. Drucke

Jean Paul selber hat, wenn wir von dem absehen, was er unver- merkt aus seinen Briefen in seine Werke übernahm, nur seinen Brief- wechsel mit dem Herzog Emil August von Gotha über die Widmung der „Vorschule der Ästhetik“ in seinem „Freiheits-Büchlein“ (1805) veröffentlicht. Nach seinem Tode dachten seine Angehörigen an eine einheitliche Ausgabe des gesamten Briefwechsels als Seitenstück zur Biographie. Aber äußere und innere Schwierigkeiten führten zu einer völligen Zersplitterung dieses Planes. Die Briefe an Jacobi wurden dem letzten (60.) Bande der Reimerschen Gesamtausgabe (1828) ein- verleibt [10] , die Briefe an Oerthel, an Pfarrer Vogel, die beiden ersten Jahrgänge der Briefe an Emanuel (die schon 1828 im Cottaischen Morgenblatt erschienen waren) und eine kleine Auswahl von Briefen „an Verschiedene“ dem „Literarischen Nachlaß“ (1837—38), viele einzelne Briefe von und an Jean Paul dem 3.—8. Bändchen der Biographie „Wahrheit aus Jeans Pauls Leben“ (1828—33). Der Briefwechsel mit Christian Otto kam 1828—33 gesondert in vier Bänden heraus, deren letzter auch die schon 1829 im Morgenblatt abgedruckten Briefe an Amöne Herold enthielt. Zur Jahrhundertfeier (1863) gab dann Ernst Förster in den drei ersten Bänden der „Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter“ den Briefwechsel mit den Freunden Emanuel, Friedrich von Oertel und Thieriot, mit den Freundinnen Charlotte von Kalb, Emilie von Berlepsch, Josephine von Sydow, Caroline von Feuchtersleben und Caroline Mayer und mit einzelnen Bekannten heraus. Von anderer Seite waren inzwischen veröffentlicht die Briefe an den Verleger Joseph Max (in der Neuen Breslauer Zeitung 1825), an Gleim (von Körte im Literarischen Conversationsblatt 1826), an den Dichter Ernst Wagner (von Mosengeil 1826), an den Schweizer Mumenthaler (im Taschenbuch Alpenrosen auf 1827), an Ahlefeldt (von dessen Bruder im Gesellschafter 1832, als Buch 1835), an Böttiger und den Buchhändler Kunz (von diesem in seinen „Erinnerungen“ 1839 und im Telegraph 1840), an Emilie von Berlepsch (im Salon 1841), an Luise Förster (von dieser 1846), an die Familie Paulus (von Reichlin-Meldegg 1853), an Renate Wirth (von Täglichsbeck 1858), der Briefwechsel mit Jacobi (von Roth 1827 und von Zoeppritz 1869), mit Heinrich Voß (von Abraham Voß 1833) und mit dem Herderschen Ehepaar (von Düntzer und Ferdinand Gottfried von Herder 1856). Alle diese Ausgaben sind mehr oder weniger unvollständig und unzuverlässig. Mehr den heutigen Anforderungen entsprechen die Nerrlichschen Veröffent- lichungen der Briefe von Jean Paul an seine Frau und Christian Otto (1902), an seinen Sohn Max (in der Leipziger Zeitung 1888), der Briefe an Jean Paul von Charlotte von Kalb (1882), von Helmina von Chézy und Caroline Herder (in der Vossischen Zeitung 1883 und 1884), von Julie von Krüdener und Caroline von Feuchtersleben (in den Akademischen Blättern 1884); doch hat auch Nerrlich meist auf Vollständigkeit verzichtet. Von neueren Publikationen seien noch erwähnt: Jean Pauls Briefe an Wilhelmine von Kropff (von Carter in englischer Übersetzung 1884/85), an den Verleger J. G. Zimmer (von H. W. B. Zimmer 1888), an Heinrich Voß (von F. J. Schneider 1901 und von Petzet 1903), der Briefwechsel mit Karl Philipp Moritz und dessen Bruder (von Eybisch 1909), Billette an seinen Bruder Gottlieb (von Albert Schmidt im Hofer Anzeiger 1919), Briefe von Ernst Wagner an Jean Paul (von Corin 1923), Auszüge aus Jean Pauls Briefen an Cotta (von M. Fehling und H. Schiller 1925 und 1927), Briefe an die Familie von Welden (von E. Vincent im Euphorion 1928), Briefe an Jean Paul von Gleim (von mir im Jahrbuch der Sammlung Kippenberg 1931) und von Johann Bernhard Hermann (von Kurt Schreinert 1933). Außer diesen größeren Gruppen sind noch manche einzelne Briefe von und an Jean Paul an zerstreuten Stellen gedruckt; Genaueres darüber findet man in meiner 1925 erschienenen Jean-Paul-Bibliographie.

Der vorstehende Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen dürfte genügen, um die Berechtigung, ja Notwendigkeit einer wissenschaftlich zuverlässigen Gesamtausgabe von Jean Pauls Briefen darzutun. Wer sich bisher wissenschaftlich mit dem Dichter befassen wollte, mußte sich das Briefmaterial mühsam von den verschiedensten Seiten zusammensuchen und hatte dann doch nirgends festen Boden unter den Füßen; denn die älteren Drucke weisen mit ganz wenigen Ausnahmen nicht nur zahlreiche absichtliche oder unabsichtliche Änderungen und Auslassungen auf, sondern, was noch schlimmer ist, oft willkürliche und irreführende Zusätze der Herausgeber. Ein beträchtlicher und keineswegs unwichtiger Teil der Briefe war bisher ganz un- gedruckt.

Grundsätze der Herausgabe

Als Teil der historisch-kritischen Gesamtausgabe von Jean Pauls Werken hat sich die Briefausgabe auf seine eignen Briefe zu be- schränken. Auch die Rücksicht auf den Umfang der Ausgabe verbot es, die weit über 2000, großenteils sehr langatmigen Briefe an Jean Paul aufzunehmen. Vielleicht können diese später einmal in einer eignen Abteilung gesammelt werden, wie es für die große Weimarer Schillerausgabe geplant ist. Hier sollen nur die Stellen daraus, auf die sich Jean Paul direkt bezieht oder die sonst zum Verständnis seiner Worte dienen, insbesondere auch solche, aus denen sich Rückschlüsse auf fehlende Stellen seiner Briefkopien ziehen lassen, in den Anmerkungen wörtlich oder inhaltlich mitgeteilt werden. Außerdem wird am Schluß jedes Bandes ein chronologisches Verzeichnis aller in den betreffenden Zeit- raum fallenden Gegenbriefe gegeben, mit Angabe der Fundorte der Handschriften oder Drucke, der Adressen, auch der nicht seltenen Randbemerkungen Jean Pauls (für seine Freunde bestimmt, denen er erhaltene Briefe gern mitteilte) und, wo es nötig erscheint, mit kurzer Angabe des Inhalts, soweit sich dieser nicht schon aus den in den Anmerkungen zu Jean Pauls Briefen angeführten Stellen ergibt.

Jean Pauls eigne Briefe werden im allgemeinen vollständig und un- gekürzt gebracht, auch wenn sie unvollendet geblieben und nicht ab- gesendet worden sind. Nur von den zahlreichen, von Jean Paul meist nicht datierten Billetten, wie sie namentlich die treuen Freunde Otto und Emanuel zu vielen Hunderten aufbewahrt haben, können unbedeutende, die sich auf keine Weise datieren und gar nicht erkennen lassen, worauf sie sich beziehen, unbedenklich ausgeschieden werden. Aufgenommen werden, dem Gebrauch der Briefbücher gemäß, auch Stammbuchblätter und Dedikationen, sowie Beurteilungen fremder Manuskripte, soweit sie sich der Briefform nähern. Daß auch das eine oder andere Stück hier untergebracht wird, das streng genommen nicht als Brief zu bezeichnen ist, aber doch besser in diese Abteilung als unter die Werke paßt, wie z. B. im vorliegenden Bande das Avertissement (Nr. 280) und die Birkenpredigt (Nr. 378), bedarf kaum der Rechtfertigung. — Adressen werden, wenn sie in irgendeiner Hinsicht bemerkenswert sind, am Schluß des Briefes, sonst im Apparat abgedruckt. Zusätze anderer zu Jean Pauls Briefen werden, soweit sie von Interesse sind, in Petitsatz wiedergegeben (s. Nr. 213 und 378 dieses Bandes).

Die Jean Paulschen Kopien und Konzepte werden natürlich nur abgedruckt, wenn und insoweit die Originalbriefe weder handschriftlich noch gedruckt erhalten sind, dann aber ebenfalls vollzählig und ungekürzt. Sie bestehen zwar oft nur aus unzusammenhängenden Bruchstücken, deren Sinn manchmal kaum erraten werden kann; aber was Jean Paul selber der Aufbewahrung für gelegentliche schriftstellerische Verwendung für wert hielt, soll doch nicht unterdrückt werden. Man bewahrt ja in Museen auch Bruchstücke von Statuen auf; und was heute noch unverständlich bleibt, kann morgen durch neue Funde geklärt werden. Wo sich also im Text dieser Kopien — wie zuweilen auch in Originalbriefen — mehrere Punkte oder Striche finden, zeigen sie nicht etwa Auslassungen von seiten des Herausgebers an, sondern sind der Vorlage entnommen [11] . — Auch Konzepte, die Jean Paul für andere aufgesetzt hat, z. B. für seine Mutter, werden aufgenommen (s. Nr. 146, 178—180 dieses Bandes).

Bei der Behandlung des Textes ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob ihm der Originalbrief, eine Kopie (bzw. ein Konzept) oder ein Druck (bzw. eine Abschrift von fremder Hand) zugrunde liegt. Um diese drei Gruppen auch für den Leser deutlich auseinanderzuhalten, werden alle Kopien und Konzepte am Kopfende links als solche bezeichnet, alle Briefe, die auf Drucken beruhen, mit einem Stern vor der Überschrift versehen. Ist nur ein Teil eines Briefes der Kopie entnommen, so wird dies entweder am Kopfende angegeben, oder wenn es sich nur um einzelne Sätze oder Wörter handelt, werden diese in eckige Klammern gesetzt. Beruht nur ein Teil eines Briefes auf gedruckter Vorlage, so wird der Stern vor der Überschrift eingeklammert. Die genaueren Angaben findet man in solchen Fällen im Apparat.

A. Handschriften

Wo es irgend möglich ist, werden die Originalhandschriften zugrunde gelegt, die einzige ganz zuverlässige Unterlage. Sie werden möglichst genau wiedergegeben, jedoch ohne kleinliche Pedanterie. Man sollte sich dabei immer vor Augen halten, daß der Druck eine Handschrift nie- mals völlig getreu wiedergeben kann. In folgenden Punkten weicht unsere Ausgabe stillschweigend von der Vorlage ab:

1. m̅ und n̄ werden zu mm und nn aufgelöst. Belanglose Abkürzungen wie u., -l. (-lich), wl (weil), Brf (Brief) u. dgl., auch halb abgekürzte Namen wie Eman., Karol., Herd., Fixl., Hesper. werden ergänzt, es sei denn, daß die Ergänzung zweifelhaft erscheint, wie bei Berlin. (Berliner oder Berlinischer) oder gehors. (gehorsamer oder gehorsamster). Feststehende Abbreviaturen dagegen werden beibehalten, auch wenn sie heute so nicht mehr gebräuchlich sind, wie H. (Herr), Fr. (Frau), D. (Doktor), h. (heilig), A. T. (Altes Testament); p. oder pp. wird durch etc. wiedergegeben, & durch et, die verschiedenen Zeichen für Geldmünzen durch rtl. (Reichsthaler), gr. (Groschen), fl. (Gulden), kr. (Kreuzer).

2. Der namentlich bei der Majuskel (Ä, Ö, Ü) oft aus Flüchtigkeit fehlende Umlaut wird ergänzt.

3. Interpunktionszeichen werden ergänzt, wenn mit Bestimmtheit anzunehmen ist, daß sie nur aus Flüchtigkeit weggeblieben sind, z. B. Punkte am Satzschluß oder bei Abkürzungen, Anführungsstriche am Ende eines Zitats, Trennungszeichen am Zeilenende, aber nicht, wo sie bei Jean Paul in der Regel fehlen, wie z. B. der Punkt nach Ordinalzahlen, das Komma vor „sondern“, „d. h.“, der Bindestrich in Zusammensetzungen (z. B. Bundes Staat), der Apostroph bei Elisionen.

4. Neben der gewöhnlichen deutschen und lateinischen Schrift verwendet Jean Paul, namentlich in der Frühzeit, noch die sog. Devotionsschrift (eine Art Fraktur), hauptsächlich für die höfliche Anrede (Ew. Hochwohlgeboren, Dieselben, Sie, Ihnen usw.), für Titel, Überschriften, Anschriften, zuweilen auch sonst zur Hervorhebung einzelner Wörter. Da es sich hier nicht um eine individuelle Eigenheit, sondern um eine Zeitsitte handelt (man findet sie z. B. auch in Schillers Briefen), und die Schrift auch nicht immer deutlich von der gewöhnlichen zu unterscheiden ist, wird sie durch die einfache Fraktur wieder- gegeben und nur da, wo sie zur Hervorhebung einzelner Wörter dient, durch Sperrdruck.

5. Beim Datum, das bei Jean Paul häufig zwei Zeilen einnimmt, bei der Unterschrift und bei Adressen wird die Zeilenabteilung nicht immer gewahrt.

Alle sonstigen vom Herausgeber vorgenommenen Änderungen, z. B. die Verbesserung offenbarer Schreibfehler (Dittographien, Verwechselung von Sie und sie), die Ergänzung versehentlich ausgelassener Buchstaben, Silben oder Wörter u. dgl., werden entweder durch eckige Klammern gekennzeichnet oder im Apparat als Lesarten verzeichnet.

Im übrigen werden Orthographie, Interpunktion, Schriftart (deutsch oder lateinisch) genau gewahrt. Erwähnt sei noch, daß in Jean Pauls im allgemeinen nicht undeutlicher Schrift die Abtrennung zusammengesetzter Wörter manchmal schwer zu erkennen ist, da er auch innerhalb einfacher Wörter häufig absetzt. Auch die Absätze (Alineas) sind nicht immer deutlich markiert, deutsche und lateinische, Groß- und Kleinbuchstaben nicht immer sicher zu unterscheiden. In der vertraulichen Anrede (du, dein usw.) nehme ich überall die Minuskel an, die Jean Paul auch in Briefen bevorzugt.

Wie in seinen Werkmanuskripten schreibt Jean Paul auch in Briefen zuweilen einzelne Wörter über die Zeile, nicht als Ergänzung, sondern als Alternative oder Erläuterung der darunterstehenden. Ich setze solche Wörter in gebrochnen Klammern 〈…〉 hinter das Wort, über dem sie stehen.

Die fast nie, selbst in hochoffiziellen Schreiben an Fürstlichkeiten nicht fehlenden, oft sehr zahlreichen Korrekturen sind für Jean Paul zu charakteristisch, als daß sie unbeachtet gelassen werden dürften. Zeigen sie doch nicht nur, welche stilistische Sorgfalt er selbst auf flüchtige Briefe und Billette verwandte, sondern auch, wie er durch nachträgliche „Feile“ manchmal den ursprünglich einfacheren und klareren Aus- druck verkünstelte und verdunkelte. Es sollen aber nur die wichtigeren Korrekturen, solche, die wirkliche stilistische oder sachliche Änderungen bedeuten, oder die besonderes sprachliches Interesse bieten, insofern sich etwa ein grammatisches oder orthographisches Schwanken darin bekundet, in den Lesarten verzeichnet werden. Verbesserungen bloßer Verschreibungen, belanglose Nachtragungen u. dgl. werden nicht angegeben. Auch etwaige spätere Änderungen von fremder Hand bleiben unberücksichtigt.

B. Kopien

Erheblich mehr Schwierigkeiten bieten für den Herausgeber wie für den Leser die Jean Paulschen Kopien. Es klingt wie Ironie, wenn er II Jean Paul Briefe I. einmal sagt, er habe sein Briefkopierbuch so eingerichtet, daß man es sogleich in die Druckerei schicken könne [12] . Er dachte dabei wohl an die Auslassung alles Persönlichen und Gewöhnlichen, die Beschränkung auf die „Brillanten“. Aber solche herausgepflückten Rosinen ohne den Teig, das Salz allein ohne die Brühe sind nicht nach jedermanns Geschmack. Ernst Förster hat bei seinen Veröffentlichungen aus den Briefbüchern durch oft recht kühne und willkürliche Ergänzungen der Lücken, ohne sie als solche zu kennzeichnen, einen halbwegs zusammenhängenden Text herzustellen versucht, ein Verfahren, das ebenso bedenklich ist wie das Restaurieren antiker Statuen. Wie sehr er dabei zuweilen vorbeigegriffen hat, zeigen Fälle, in denen sich nachträglich der Originalbrief gefunden hat [13] . Der heutige Herausgeber muß sich darauf beschränken, höchstens einzelne Wörter, die sich aus dem Zusammenhang oder aus andern Quellen, z. B. dem beantworteten oder antwortenden Brief, mit Sicherheit ergänzen lassen, in eckigen Klammern einzusetzen. Im übrigen ist es Sache der Anmerkungen, alles anzuführen, was zum Verständnis oder zur Ergänzung der Bruchstücke dienen kann. Manche Stellen trotzen natürlich allen Bemühungen; da bleibt es der Phantasie des Lesers überlassen, die disjecta membra zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Zu der Lückenhaftigkeit der Kopien kommt nun als weitere Er- schwerung noch die meist sehr flüchtige, stark abkürzende Schrift, bei Konzepten auch noch zahlreiche Korrekturen. Was bei leichtfertiger Wiedergabe dieser Schrift herauskommen kann, davon ließen sich viele abschreckende Beispiele anführen [14] . Ich darf behaupten, keine Zeit und Mühe gescheut zu haben; auf Unfehlbarkeit kann aber auch mein Text keinen Anspruch erheben.

Ein Rohabdruck ist hier noch weniger möglich als bei den Originalbriefen. Alle Abkürzungen (mit Ausnahme der auch sonst im Druck üblichen) müssen aufgelöst werden, wobei die eckigen Klammern auf zweifelhafte Fälle beschränkt bleiben können [15] . Auch die oft sehr spärliche Interpunktion muß vorsichtig ergänzt werden, natürlich unter Berücksichtigung von Jean Pauls sonstigem Gebrauch. Fußnoten der Originalbriefe pflegt Jean Paul in den Kopien als Parenthesen in den Text zu setzen [16] , wo sie zuweilen den Zusammenhang stören; da ist es richtiger, sie wieder zu Fußnoten zu machen. Absätze finden sich in den Kopien nur selten; wo man als sicher annehmen kann, daß der Original- brief einen Absatz hatte, darf ihn auch die Kopie erhalten. Im übrigen gelten für die Behandlung des Textes, der Korrekturen usw. die oben für die Originalbriefe aufgestellten Richtlinien.

Wenn der Originalbrief — in Handschrift oder Druck — erhalten ist, kommt die Kopie zwar nicht zum Abdruck; sie kann aber doch zuweilen gute Dienste leisten zur Bestimmung des Empfängers oder des Datums, zur Ergänzung von Lücken, zur Entzifferung schwer leserlicher Stellen, zur richtigen Zusammensetzung getrennter Teile usw. Besonders bei nur in alten Drucken überlieferten Briefen können mit Hilfe der Kopie Orthographie und Interpunktion, nicht selten auch der Text berichtigt werden. Da jedoch die Kopie, wie oben erwähnt wurde, zuweilen eine andere Fassung wiedergibt als das Original, so ist bei Abweichungen der Kopie vom Druck jener nur dann der Vorzug zu geben, wenn als sicher anzunehmen ist, daß es sich im Druck um eine absichtliche oder fahrlässige Änderung handelt. Bei mehreren voneinander abweichenden Drucken kann unter Umständen die Kopie den Ausschlag geben.

Abweichungen der Kopie vom Original werden in dem Ausmaß, wie es oben für die Korrekturen angegeben ist, als Lesarten verzeichnet, nicht aber die vielen Auslassungen und Verkürzungen [17] .

C. Drucke [18]

Die älteren Drucke, die in Ermangelung der Handschriften vielfach als Vorlage dienen müssen, bieten in der Regel einen sehr unzuverlässigen Text. Orthographie und Interpunktion sind fast nie gewahrt; man hat auch mit absichtlichen Änderungen, Auslassungen, Verlesungen, Druckfehlern usw. zu rechnen. Unsere Ausgabe stellt zunächst einmal Jean Pauls Rechtschreibung her, die sich im allgemeinen mit hinlänglicher Sicherheit bestimmen läßt. Sie hat zwar im Laufe seines Lebens manche Abänderungen erfahren; diese lassen sich aber zumeist nach Zeit und Umfang abgrenzen, so daß man mit ihrer Hilfe sogar Handschriften ziemlich genau datieren kann [19] . Weniger regelfest ist Jean Pauls Zeichensetzung; doch versuche ich auch hier, sowie in der Verwendung lateinischer Schrift (z. B. im Datum, bei Eigennamen) u. dgl., unter Berücksichtigung von Jean Pauls normalem Gebrauch, das Original herzustellen, jedoch mit gebührender Vorsicht und Zurückhaltung. Solche äußerlichen Abänderungen der Vorlage werden im allgemeinen stillschweigend vorgenommen, während alle textlichen Emendationen entweder in eckige Klammern gesetzt oder in den Lesarten verzeichnet werden. Wenn mehrere von einander unabhängige Drucke des gleichen Briefes vorliegen, wird im allgemeinen der voll- ständigste oder am zuverlässigsten erscheinende zugrunde gelegt, und die Abweichungen der übrigen werden als Lesarten angegeben. An Zuverlässigkeit bleibt diese Gruppe hinter den Originalbriefen natürlich erheblich zurück; der Stern vor der Überschrift ist also als Warnungszeichen anzusehen.

Bei den nach den Originalhandschriften wiedergegebenen Briefen werden frühere Drucke, wenn sie auf den Handschriften, nicht auf anderen Drucken beruhen, im Apparat notiert, ihre Abweichungen von der Handschrift aber nur ganz ausnahmsweise in den Lesarten verzeichnet.

Soviel über die Textbehandlung in den drei verschiedenen Gruppen. Die Anordnung der Briefe ist streng chronologisch, daher zuweilen von der Folge der Briefbücher etwas abweichend. Briefe, die in Zeitab- ständen geschrieben sind, werden im allgemeinen nach dem Schlußdatum eingereiht, undatierte, wenn sie sich nicht genauer bestimmen lassen, an den Jahresgrenzen oder am Schluß des letzten Bandes untergebracht. Die Daten der Kopien, die häufig unzuverlässig sind, werden ein für allemal in eckige Klammern gesetzt. Wo es dem Verständnis förderlich ist, füge ich dem Datum den Wochentag bei, wie es Jean Paul zuweilen selber tut. In den Überschriften lehne ich mich an den Gebrauch der Briefbücher an, d. h. ich setze zu dem Namen des Adressaten noch dessen Stand und Wohnort; nur bei häufigerem Vorkommen bleiben diese näheren Angaben fort.

Über die Einrichtung des Apparats wird am Eingang desselben das Nötige mitgeteilt. Die Personalien der einzelnen Korrespondenten werden jeweils bei dem ersten Brief an den Betreffenden angegeben, den man mit Hilfe des Registers am Schluß des Bandes finden kann. Am Ende des Apparats gebe ich ein chronologisches Verzeichnis fehlender Briefe, d. h. solcher, von denen weder Original noch Kopie noch ein Druck vorhanden ist, die aber entweder im Briefbuch ohne Text, höchstens mit einer kurzen Inhaltsangabe verzeichnet sind oder sich aus anderen Quellen, z. B. aus den Antwortbriefen, aus Katalogen usw. erschließen lassen, und hierauf, wie schon erwähnt, ein Verzeichnis der Briefe an Jean Paul.

Nach diesen für die ganze Abteilung geltenden Vorbemerkungen ist noch einiges über den vorliegenden ersten Band zu sagen, der im ganzen der ersten Ausgabe von 1922 entspricht, im einzelnen aber vielfach ergänzt und verbessert werden konnte. Es sind zwar nur wenige Briefe neu hinzugekommen (Nr. 205 und 406, an J. P. Nr. 28a), aber eine ganze Anzahl von solchen, die früher nur in unvollständigen Kopien vorlagen, konnte nach den inzwischen aufgefundenen Originalhandschriften abgedruckt werden [20] . Fortgeblieben sind einige Stücke der alten Ausgabe, die sich inzwischen als bloße Stilübungen herausgestellt haben [21] . Die Briefe an Pfarrer Vogel, die mir früher nur in Abschriften vorlagen, konnte ich nun an den Originalen im Britischen Museum überprüfen. Um die Auffindung von Zitaten nach der alten Ausgabe zu erleichtern, sind die früheren Seitenzahlen in Klammern an den Rand gesetzt. Durch die Zeilenbezifferung wird die Benutzung des Apparats wesentlich erleichtert.

Der Band reicht vom Ende der Schulzeit (Herbst 1780) bis fast zum Ende der Schwarzenbacher Lehrerzeit, umfaßt also die halbjährige Muluszeit, die Leipziger Universitätszeit (Mai 1781 bis Oktober 1784, unterbrochen von zweimaligem Aufenthalt in Hof, Ostern 1782 und Juni bis August 1783), die zwei Hungerjahre in Hof (November 1784 bis Dezember 1786) und die Hauslehrerzeit in Töpen (Januar 1787 bis April 1789) und Schwarzenbach (ab März 1790) mit häufigen Besuchen in Hof [22] und kleinen Reisen nach Bayreuth und Neustadt a. d. Aisch. Es ist die Periode des schwersten Ringens mit äußerer Not wie auch mit den Dämonen im eigenen Innern, in der aber der Dichter durch alle Stürme hindurch mit unerschütterlicher Zähigkeit und Zuversicht sein Lebensziel, seine Berufung verfolgt. Der Briefwechsel ist in diesen Jahren begreiflicherweise noch fast ganz auf den engen Kreis seiner nächsten Angehörigen, Freunde, Freundinnen und Landsleute eingeschränkt; Versuche, darüber hinaus Verbindungen anzuknüpfen, sind nur vorübergehend von Erfolg. In den Originalhandschriften sind uns aus dieser Periode Briefe an die Mutter, an den Pfarrer Vogel, an die Freunde Oerthel und Otto, an die Freundinnen Renate Wirth, Amöne Herold und Helene Köhler erhalten, dazu einzelne an Verleger und Dichter (Herder, Wieland, Meißner). Sie werden ergänzt durch zahlreiche Kopien, die in den ersten Jahren meist noch einen ziemlich vollständigen Text bieten. Von den Briefen an Jean Paul haben sich aus diesen Jahren hauptsächlich solche von Pfarrer Vogel, von den Freunden Hermann, Otto und Wernlein, einzelne auch von Freundinnen und von auswärtigen Korrespondenten erhalten.

Die Personalien der Korrespondenten und der sonst in den Briefen erwähnten Personen waren in dieser Frühzeit oft schwer zu ermitteln. Schneiders grundlegendes Werk über Jean Pauls Jugend (1905), Fikenschers Gelehrtes Fürstentum Baireut (1801—05), die von Weiß- mann musterhaft herausgegebene Matrikel des Hofer Gymnasiums (1914), Schreinerts vorzügliche Ausgabe von Hermanns Briefen leisteten wertvolle Dienste, mußten aber durch Nachforschungen in den Kirchenbüchern von Hof, Bayreuth, Schwarzenbach, Wunsiedel, Töpen, Joditz, Hirschberg, Rehau, Sparneck, Naila u. a. m. oder bei noch lebenden Nachkommen ergänzt werden. So ist es gelungen, über fast alle Personen, mit denen Jean Paul damals in Berührung kam, Aufschluß zu geben. Über seine eigene Familie orientiert die Stammtafel am Schluß des Bandes. Die früheren Tafelbeilagen konnten um ein Bild des alten Cloeter vermehrt werden. Zur Ermittlung der in den Briefen erwähnten Druckschriften dienten außer den bekannten bibliographischen Nachschlagewerken vor allem auch Jean Pauls Exzerptenhefte. In den Anmerkungen konnte gegenüber der alten Ausgabe vieles ergänzt und berichtigt werden, wobei mir wieder namentlich Herr Professor Kurt Schreinert in Göttingen dankenswerte Hilfs- dienste geleistet hat. Jean Pauls Werke werden nunmehr nach der ersten und zweiten Abteilung der historisch-kritischen Ausgabe statt nach den Einzelausgaben zitiert.

Eduard Berend

Die Briefbücher

Vgl. Einleitung S. IX. Für den vorliegenden Band kommen die ersten drei Briefbücher in Betracht.

1. Aufschrift: Korrespondenzbuch./1781./1782./1783./1784. 59 Blatt 4° [23] . Enthält Briefe vom Mai 1781 bis Mai 1785, nämlich Nr. 6—9, 12—14, 16, 17, 19—22, 24, 30, 32—34, 36, 38, 39, 41—44, 46, 45, 47—65, 67—69, 71—74, 76—82, 84—88, 95, 97, 98, 100, 106, 104, 105 unserer Zählung. Die letzten stehen auf den Innenseiten des hinteren und vorderen Umschlags. Die Briefe von 1781 und 1782 sind mit (meist) römischen Ziffern durchnumeriert (I—XV), 1783 und 1784 sind arabisch numeriert, jeder Jahrgang für sich (Nr. 1—30 und 1—18); mit Nr. 1 von 1785 hört die Numerierung auf. — Zwischen Nr. XIV und XV (Nr. 24 und 30 unserer Zählung) stehen unter der Überschrift Allerlei ¾ Seiten mit unzusammenhängenden witzigen Einfällen. Zwischen Nr. 3 und 4 von 1783 (Nr. 34 und 36 unseres Bandes) stehen folgende meist in den nächsten Briefen verwendete Einfälle: Weihrauch kizelt die Nase und schadet den Augen [vgl. 65,34f.]. Apollo die Herde etc. Der Selenhirt strikt Bücher [ 66 , 9—12 ]. Junge Leute mer Serum als Kruor [ 61 , 23 f.]. Das Selbstsehen war dem Narzissus schädlich. Diamant schwarzer Samt [ 66 , 7 f.]. 1 Engel; aus Menschen Engeln [ 62 , 7 f.]. Ophiten. Die letzten 6 ⅓ Seiten sind, von rückwärts beginnend, mit kleinen Satiren gefüllt.

2. Aufschrift: Briefe von / 1785 bis 1793. 76 Blatt 4°. Enthält Briefe von Juni 1785 bis Juni 1793, nämlich nach unserer Zählung Nr. 107—109, 113, 114, 116, 115, 117—119, 123, 125—132, 134, 133, 135, 136, 138—140, 142, 141, 144, 145, 147—149, 151, 152, 150, 154, 153, 157, 158, 156, 160—173, 175, 174, 176, 177, 181—183, 187—191, 194, 193, 195, 197—204, 206—210, 212, 213, 211, 214, 215, 218, 216, 217, 220—224, 226—229, 231—234, 236, 235, 237—240, 242, 241, 243—247, 249, 248, 250—264, 266, 265, 268—277, 279, 278, 281—283, 287, 284, 285, 288—309, 311, 310, 312—319, 321, 323, 324, 320, 325, 322, 326, 327, 330, 329, 328, 331—338, 340, 339, 341—352, 354—366, 368, 367, 370, 369, 373, 371, 372, 374—377, 381—384, 386, 385, 388, 387, 389—392, 394, 393, 395, 398, 399, 396, 401, 403—405, 409, 410, 414, 415, 418, 419, 417, 416, 428, 429.

3. Aufschrift: Briefe/von/1793 bis 1795. 43 Blatt 4°. Enthält Briefe von Juli 1793 bis Ende 1795, von unserm Bande Nr. 437, 436, 434, 433, 435, 443, 441.

Zur Orthographie

Über die sehr eigenwillige, jedoch keineswegs regellose Rechtschreibung des jungen Richter, wie er sie besonders in seinen Jugendschriften konsequent durchgeführt hat, ist II. Abt., I, 351—357, II, 451—455, III, 371 bis 375 das Genauere angegeben. In seinen Briefen hat er zuweilen aus Rücksicht auf die Empfänger allzu auffallende Eigenheiten etwas eingeschränkt, z. B. in den Briefen an die Mutter und an den Pfarrer Vogel (vgl. die Ent- schuldigung 26,27—31) und in den Konzepten für die Mutter (Nr. 146, 178—180, 186); und in den meist flüchtig geschriebenen Kopien und Konzepten der Briefbücher läßt sich oft nicht sicher unterscheiden, was orthographischer Gebrauch, was nur Abkürzung ist, z. B. bei der Vereinfachung der Doppelvokale, von ie zu i [24] , von dt zu d. Im folgenden sollen nur die Eigenheiten angeführt werden, bei denen während der Periode dieses Bandes ein Wandel eintritt.

  • 1) Die Auslassung des h als Dehnungszeichen und nach t, deren Berechtigung Richter 26,5—20 verteidigt, beginnt erst mit dem Verlassen des Gymnasiums (November 1780) — die ältesten Exzerptenhefte und „Übungen im Denken“ haben sie noch nicht [25] — und hört bereits im April 1784 wieder auf; zum letztenmal findet sie sich in Nr. 70 vom 2. April 1784; vgl. auch 140,8f. [26] . Sie ist jedoch in den Briefen nicht so streng durchgeführt wie anderwärts. Besonders in Fremdwörtern und Eigennamen schwankt der Gebrauch: neben Teologie findet sich Theologie, neben Katoliken Katholiken, neben Oertel Oerthel usw. Ständig ausgenommen sind die Personalpronomen ihn(en), ihm, ihr. (Ires 109 , 28 ist jedenfalls Schreibversehen.) Die Partikeln wahrlich und wohl schreibt Jean Paul auch später noch ohne h. (Ausnahmen: Wohlwollen 145 , 1 , Wohlgebohren 210 , 3 , 380 , 18 .) Schwankend bleibt der Gebrauch bei Stra(h)l, stra(h)len ( 150 , 38 , 244 , 34 , 276 , 18 u. ö.), Diebsta(h)l 152 , 34 , 153 , 2.8 , 207 , 26 ), wiederho(h)len ( 357 , 8 , 386 , 5 ), stö(h)ren, zerstö(h)ren ( 197 , 10 , 237 , 24 , 254 , 12 , 284 , 27 , 363 , 19 , 371 , 12 ), Wilkü(h)r ( 169 , 8 , 194 , 8 , 345 , 6 ), Blüt(h)en ( 203 , 9 , 392 , 32 ), Sabbat(h) ( 193 , 28.31 , 251 , 13 , 306 , 24 ), Monat(h) ( 174 , 32 , 407 , 7 ) und einigen andern.
  • 2) Die Vereinfachung der Doppelvokale beginnt gleichfalls erst mit dem Abgang vom Gymnasium (daher wurde 1 , 16 Seelen beibehalten). Bei a hört sie schon Ende 1784 auf, zuerst in Nr. 87 vom 11. Dez. 1784 (Staar, Staat 139 , 12 .25 ; kurz vorher noch Hare 138 , 16 ) [27] . Bei e hält sie sich ein Jahr länger; noch 182,23 (6. Dez. 1785) Sele, 185 , 2 (26. Dez. 1785) bescheren (später stets Scheere, scheeren, bescheeren 356 , 11 ), aber Seele 186 , 19.22.28 usw. [28] Für o geben die Briefe zu wenig Beobachtungsmaterial, um die Grenze zeitlich genau zu bestimmen; doch vgl. Bot 77 , 31 , Los 107 , 31 gegen Schoos 253 , 19 u. ö.
  • 3) Auch für die Vereinfachung von auslautendem dt zu d ist das Beobachtungsmaterial spärlich. Sie beginnt anscheinend erst in Leipzig (vgl. Stad 6 , 23 , 7 , 12 ) und dauert bis 1785. Die ersten dt im Auslaut begegnen am 11. Sept. 1785: beredt 172 , 35 , Schwerdt 174 , 23 . Die Schreibung tod, die auch später noch neben todt vorkommt, ist kaum als Vereinfachung anzusehen, da Richter hier früher auch inlautend einfaches d schreibt: tödet 43,4, toden 75 , 15 , 89 , 23 , 120 , 6 . (Daher wurde 1 , 18 todenleise angenommen).
  • 4) Für tz zwischen Vokalen steht anfangs zz, seit Mitte 1782 einfaches z. Das letzte zz findet sich am 27. Mai 1782: iezzigen 43,20, das erste z am 21. August 1782: ieziges 48 , 5 . Nur in Fremdwörtern kommt auch später noch zz vor: Skizzen 52 , 34 , 53 , 6 u. ö. (aber Skizen 103 , 30 , 132 , 4 , 196 , 13 ). Zum tz ist Jean Paul erst 1804 übergegangen.
  • 5) Für ck zwischen Vokalen steht bis Ende 1789 kk. Das letzte kk begegnet am 26. Sept. 1789: Abschikkung 274 , 14 , das erste ck am 18. Nov. 1789: Decke 278 , 10 . Später schreibt Jean Paul sogar Ackusativ: 380 , 35 , 381 , 24 .
  • 6) Die Ableitungssilbe -iren schreibt Jean Paul seit Ende 1789 nach Wielands Vorgang (s. I. Abt., XI, 294,26—31) mit ie. Nr. 292 vom 18. Nov. 1789 hat noch -iren (disputiren, datiren, hospitiren, devalvirt), Nr. 303 vom 15. Febr. 1790 realisiert 281 , 23 . (Die Lesung antizipiren 279 , 32 ist unsicher.) Vorher kommt -ieren nur in ganz eingedeutschten Fremdwörtern vor: spazieren 69 , 5 , 173 , 10 u. ö. (aber Spazzirgänge 4 , 9 ), regieren 57 , 24 , 203 , 12 , kopieren 212 , 3 .
  • 7) Für j schreibt Richter bis Mitte 1791 i. (I und J unterscheidet er nicht.) Im Juni 1791 erscheinen neben iezt 340 , 34 , iene 342 , 28 schon ja 337 , 27 , 342 , 9 , Bejahung 338 , 28 , dann im November jenes, ja 343 , 12.14 . Doch kommt j vereinzelt schon früher vor, namentlich in Fremdwörtern und Zusammensetzungen: Schaltjar 59 , 12 (verb. aus Schaltiar), juristisch 216 , 16 , majorenne 253 , 19 , Holzjuden 279 , 7 (verb. aus Holziuden; aber iüdisch 294 , 6 f., 329 , 9 ), Modejournal 286 , 22 , Bauerjunge 291 , 22 f., Objekten 304 , 8 (aber Obiekten 264 , 6 ), Subjekt 305 , 17 , Sujet, subjektiv 320 , 33 f., Neujahr 317 , 22 , 322 , 35 , Vierteljährige 326 , 28 .
  • 8) Seit Ende 1791 erscheint im Auslaut ß, das vorher nur in daß vorkommt (vereinzelt in indeß 151 , 35 ). Zuerst taucht es in Nr. 382 vom 12. Dez. 1791 auf: muß 343 , 33 , 344 , 6 . (Danach habe ich auch 349 , 32 muß angenommen, wo Jean Paul die für die lateinische Endung -us gebräuchliche Abkürzung verwendet.) Es wird aber nicht konsequent durchgeführt; neben muß, weiß, schoß, floß, genoß, saß, Riß, indeß, sogar bließ und wieß (356,23.27) stehen blos, gros, Schoos, mus, Entschlus, gewis, Anlas, Has u. a. m.; und Mitte 1793 verschwindet es wieder — zum letztenmal erscheint es in Nr. 431 vom 27. Juni 1791 (muß 387 , 8 ) —, um dann erst 1804 wieder in sein Recht eingesetzt zu werden [29]

  • [1] Vgl. I. Abt., V, 471, 24f., XI, 386,10; an Emanuel, 9. Febr. 1795.
  • [2] Vgl. 327,23f. dieses Bandes.
  • [3] An Chr. Otto, 28. Nov. 1797.
  • [4] Vgl. z. B. 143,18—20 dieses Bandes; I. Abt., VII, 338,7—10.
  • [5] An Friedrich von Oertel, 9. Jan. 1796. Bei Madame de Staël in Coppet wurde dieses Spiel wirklich getrieben unter dem Namen „La petite poste“.
  • [6] Bei einigen anonymen Briefen, die unter Varia eingeordnet waren, konnte ich die Absender ermitteln.
  • [7] Vgl. die Notiz in Jean Pauls sog. Vita-Buch: „Mein Korrespondenzbuch macht, daß ich jedes Datum eines Briefes einschreibe und folglich bei Buchhändlern und sonst den großen Ruf eines scharfen Geschäftsmannes einhandle.“
  • [8] Vgl. II. Abt., V, 95,11: „Man muß seine Briefe kopieren, um nicht sich ähnliche Wendungen geläufig zu machen.“
  • [9] Vgl. 136,36ff. und 146,26ff. dieses Bandes.
  • [10] Auch als Einzelausgabe erschienen; in der 2. und 3. Auflage der Reimerschen Gesamtausgabe wesentlich vermehrt.
  • [11] Nur für die auf Drucken beruhenden Texte gilt dies nicht immer.
  • [12] I. Abt., XVII, 140,29—31.
  • [13] So ergänzt Förster 201,16, wo die Kopie nur „Meine dritten Bitte ist p.“ hat: „Meine dritte Bitte ist die des Katechismus.“ (Wahrheit IV, 61.) 265,10f. ergänzt er sinnlos: „ihr Redakteur und der Jude Mendel.“ (Wahrheit IV, 221.)
  • [14] So macht Ernst Förster aus Mosers Zettelkästchen (285,32) Mosis Zettelkasten, aus der gefütterten Thüre (349,10) gefütterte Thiere (Wahrheit IV, 244 u. 285), aus Tieckischer Sorglosigkeit eine tückische (III. Abt., VIII, 65,13). Statt „vom Grund des Grundes zum Grund des Grundes des Grundes gewiesen“ (305,31f.) liest Josef Müller: „von Gott durch Gott zu Gott des Gottes gewiß“ (Euphorion VII, 304).
  • [15] Bei unwesentlichen Zweifeln, z. B. zwischen selbst und selber, andre und andere, habe ich und hab’ ich, spare ich die Klammer. Für subtile Stiluntersuchungen geben die Kopien sowieso keine geeignete Unterlage.
  • [16] Vgl. 234,22 und 378,28f.
  • [17] Häufig wiederkehrende, von mir nicht verzeichnete Abweichungen sind z. B. die Verwandlung von Zahlwörtern in Ziffern, von Fußnoten in Parenthesen, die Umstellung parataktischer Glieder, die Zusammenziehung von Kompositen (Wandnachbar für Wand-Nachbar) u. dgl.
  • [18] Den Drucken gleichzustellen sind alte Abschriften von fremder Hand.
  • [19] Näheres darüber findet man jeweils zu Beginn des Apparats.
  • [20] Nr. 72, 74, 148, 389, 408, 409, 412, 415, 423, 424, 427, 435, 438, 441.
  • [21] Nr. 30—32, 195, 196 der alten Ausgabe. Die Dedikation der sechs Aufsätze an Chr. Otto (Nr. 354 der alten Ausgabe) ist fortgelassen, da sie schon im 3. Band der II. Abteilung (S. 295f.) abgedruckt ist.
  • [22] Es ist daher in diesen Jahren nicht immer sicher zu unterscheiden, ob ein Brief von Schwarzenbach oder Hof zu datieren ist.
  • [23] Alle Briefbücher sind von späterer Hand blattweise mit Bleistift paginiert, aber vielfach ungenau. Ich zähle überall die Umschlagblätter mit.
  • [24] Bloße Abkürzungen sind z. B. die Schreibungen izt, izzig; die Reinschriften haben stets iezt, iezzig, wo i für j steht.
  • [25] Ich habe daher in Nr. 1, wo die Handschrift fehlt, das h belassen.
  • [26] Ein vereinzelter Rückfall ist Reinisch ( 158 , 16 ).
  • [27] Vereinzelt schon vorher Saal(e) 3 , 15 (aber Sal 93 , 6 ) und in Briefen an die Mutter Staat 46 , 29 , Maas 48 , 13 . Schwankend bleiben Wa(a)re ( 148 , 21 , 233 , 13 , 262 , 16 , 282 , 8 ), Scha(a)le ( 221 , 3 , 224 , 2 , 247 , 6 , 298 , 4 , 326 , 34 , 376 , 2 ), Scha(a)f ( 218 , 23 , 229 , 27 †); stets Wage.
  • [28] Vereinzelt schon vorher leer 47 , 35 , 131 , 10 , 143 , 24 , Heer 106 , 13 , Kaffee 47 , 6 (aber Kaffe 86 , 1 ). Schwankend bleibt se(e)lig): 197 , 13 hat H selig, K seelig; sel. 264 , 13 , armselig neben armseelig 381 , 4 f., redseelig 239 , 22 , Schreibseligkeit 393 , 36 , Seeligkeit 228 , 2 .
  • [29] 347 , 12 hat H weiß,

Vorwort Band II

Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958, S. V-VIII.

Der zweite Band von Jean Pauls Briefen umfaßt eine im Vergleich mit dem ersten nur kurze, aber äußerst wichtige Zeitspanne, die vier letzten Jahre seines Aufenthalts in der engeren Heimat, in denen sich der arme, unbekannte Kandidat und Hauslehrer Richter zum höchsten Erstaunen der Hofer Spießbürger unversehens in den weitberühmten Dichter Jean Paul verwandelt. In rascher Folge entstehen und erscheinen Werke, die ihm die Gunst zahlreicher Leser und mehr noch Leserinnen gewinnen: Hesperus, Fixlein, Biographische Belustigungen, Siebenkäs, Jubelsenior, Kampanerthal; und schon reift der „Kardinalroman“ Titan heran. Wiederholte Aufenthalte in Bayreuth und der triumphale erste Besuch in Weimar verschaffen ihm neue Freunde und Korrespondenten. Sein Briefwechsel breitet sich allmählich über ganz Deutschland aus.

Sehr intensiv bleibt trotz der örtlichen Nachbarschaft die Korre- spondenz mit dem treuen Otto, der sich in diesen Jahren ebenfalls zum Schriftsteller entwickelt. Neben längeren Briefen mit wechselseitigen ausführlichen Beurteilungen der Manuskripte gehen fast täglich Billette von Haus zu Haus. Otto, der sich jetzt erst der vollen Bedeutung des Freundes bewußt wird, hat auch die erhaltenen Billette sorglich aufbewahrt und sie, da Jean Paul den Vorsatz, sie zu datieren (s. Nr. 231), nicht lange einhielt, in diesen Jahren (im Gegensatz zu der späteren Bayreuther Zeit) fast immer mit dem Präsentat, zuweilen auch mit erklärenden Anmerkungen versehen, wobei ihm freilich gelegentlich Versehen untergelaufen sind. Als neue Freunde und rege Korrespondenten treten zu den früheren Emanuel, Schäfer und Ellrodt in Bayreuth, Ahlefeldt in Berlin und Friedrich von Oertel in Leipzig, die beiden letzten bald als Duzfreunde, als Korrespondentinnen Charlotte von Kalb, Wilhelmine von Kropff, Julie von Krüdener, Emilie von Berlepsch, Henriette von Schuckmann, Sophie von Brüningk — bezeichnenderweise lauter adlige Damen.

Jean Pauls Briefkopierbücher bieten in diesen Jahren meist einen stark verkürzten Text, oft nur unzusammenhängende Phrasen; auch sind die Kopien zuweilen später nachgetragen und dann oft undatiert. Sie können also die Originale nur unzulänglich ersetzen. Besonders bedauerlich ist das bei den Briefen an Matzdorff, den Hauptverleger dieser Zeit, und an Charlotte von Kalb. Die letzteren stellen den Herausgeber noch eigens vor ein heikles Problem. Die Originalhandschriften hat Charlotte, nach Ernst Försters nicht anzuzweifelnder Angabe in der Vorrede zum zweiten Bande der „Denkwürdigkeiten“, kurz vor ihrem Tode verbrennen lassen. Förster fügt hinzu: „Die Fragmente, die ich aus Jean Pauls Briefbüchern mitteile, zeigen uns die Größe des Verlustes.“ Was er nun aber abgedruckt hat, ist nur zum Teil den Briefbüchern entnommen; es muß ihm, hauptsächlich für die Jahre 1796 und 1797, noch eine andere, nicht mehr aufzufindende Quelle vorgelegen haben, die nicht nur einen vielfach abweichenden Wortlaut, sondern auch ganze in den Briefbüchern fehlende Briefe oder Briefteile darbot. Diese ergänzenden Partien erweisen sich nun aber bei näherer Nachprüfung als höchst unzuverlässig; sie stehen nachweislich oft an falscher Stelle, die gleichen Sätze kehren zuweilen in etwas veränderter Fassung wieder usw. Vermutlich handelte es sich um Fragmente von Konzepten, vielleicht um bloße vorläufige Notizen, wie man sie oft in Jean Pauls Arbeitsheften verstreut findet, die Förster nach seinem auch sonst geübten Verfahren stark bearbeitet und ergänzt hat. Es steckt aber doch so viel echtes und wertvolles Briefgut darin, daß es schade wäre, alles zu unterdrücken oder in den Lesartenapparat zu vergraben. Es wurden daher in der vorliegenden Ausgabe zwar die erhaltenen Briefkopien zugrunde gelegt und die Försterschen Varianten dazu nur als Lesarten verzeichnet, die Ergänzungen der Försterschen Drucke aber, soweit sie nicht allzu verdächtig erschienen, in eckigen Klammern in den Text eingefügt, und zwar, wenn sie nachweislich an falscher Stelle stehen, dort, wohin sie vermutlich ge- hören. [1] Ich bin mir der Bedenklichkeit einer solchen Verquickung von Kopie und Konzept, von Handschrift und Druck bewußt; eine reinliche Lösung war aber im vorliegenden Falle kaum möglich, und die eckigen Klammern sowie die Sternchen vor den Überschriften sind ja Warnungszeichen genug, diesen Briefen mit aller gebotenen Vorsicht zu begegnen. —

Wie im vorigen Bande sind auch in diesem gegenüber der früheren Ausgabe von 1922 nur wenige Briefe ganz neu hinzugekommen (Nr. 7, 411, 541, 695), viele aber zum erstenmal nach den Handschriften wiedergegeben. [2] Dies hat sich besonders bei den Briefen an Amöne Herold, von denen ein großer Teil in der Kunst- und Altertümersammlung der Feste Koburg sich gefunden hat, als ergiebig erwiesen. Der schon früher gehegte Verdacht, daß sich diese Briefe bei der von der Adressatin selber besorgten Veröffentlichung im 4. Bande des Briefwechsels mit Christian Otto (1833) viele Veränderungen gefallen lassen mußten, hat sich über Erwarten bestätigt. Amöne hat nicht nur, was ja begreiflich ist, manche allzu intime Stellen weggelassen, sondern auch vieles aus eigner Erfindung abgeändert oder zugefügt und dabei ihr eignes Licht nicht unter den Scheffel gestellt. So hat sie z. B. den langen sie betreffenden Brief Jean Pauls an Otto vom 13. Februar 1791 (Nr. 3) in einen an sich selber verwandelt. Bei den Briefen an sie, die in Ermangelung der Handschriften auch jetzt noch nach dem alten Druck wiedergegeben werden mußten, ist daher, soweit sie nicht durch Jean Pauls Kopien gesichert werden, höchste Vorsicht geboten.

Das Verzeichnis der Briefe an Jean Paul konnte ebenfalls um mehrere neu aufgetauchte Stücke vermehrt werden (Nr. 86, 137, 143a, 173a, 186a, 234). Von den Tafelbeilagen sind neu hinzugekommen das vom Goethe- u. Schiller-Archiv in Weimar freundlichst gestattete Faksimile des Briefs an Goethe (Nr. 5) und die Bildnisse von Schiller und Julie von Krüdener. Anstelle des früheren Porträts der Charlotte von Kalb ist ein im Marbacher Schiller- Nationalmuseum befindliches wiedergegeben. Die eingeklammerten Zahlen am Rande des Textes verweisen auf die Seitenzahlen der alten Ausgabe. In den Anmerkungen wird man vielfach Berichtigungen und Ergänzungen der früheren finden. Für wertvolle Auskünfte habe ich wieder hauptsächlich Herrn Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen und Herrn Dr. Hans Werner Seiffert in Berlin zu danken, ferner Herrn Heinrich Jahn in Hof, sowie Frau C. Altmann für freundliche Hilfe bei den Korrekturen.

Eduard Berend

Die Briefbücher

Für den vorliegenden Band kommen das dritte, vierte und fünfte Briefbuch in Betracht.

3. Vgl. Bd. I, S. 414. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 1, 5, 9—12, 14—16, 19, 21, 22, 26, 29—34, 36—38, 48, 54, 55, 59, 52, 47, 73, 60, 64, 75, 76, 79, 81, 80, 87, 90, 98, 102, 104, 105, 107, 112, 116—120, 126, 123, 124, 127, 129, 139, 138, 140, 137, 142, 74, 149, 146, 103, 151, 152, 154, 155, 159, 167, 168, 171—173, 179, 188, 186, 191, 192, 194—196, 211, 212.

4. Aufschrift: Briefe von/ 1796. 39 Bl. 4°. Hier sind viele Kopien aus früheren Jahren nachgetragen, oft ohne Überschrift. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 220, 227, 228, 231, 232, 239, 237, 238, 242, 248, 256, 244, 252, 257, 213, 224, 3, 8, 67, 86, 96, 77, 62, 23, 69, 68, 82, 261, 108, 110, 115, 128, 136, 157, 165, 170, 176, 189, 190, 223, 46, 277, 278, 276, 280, 290, 291, 293, 294, 297, 298, 304, 303, 308, 316, 314, 312, 317—320, 323, 324, 327, 338, 351, 344—347, 352, 355—360, 363, 365—367, 369, 370, 372, 375, 379—381, 384, 385, 388, 389, 392, 394, 393, 396—398, 401, 406—408, 419, 421, 437, 428, 426, 431, 432, 438—440, 443, 444, 441, 448, 452, 453, 268, 430, 450, 455, 456, 459, 464, 425, 442, 469, 470, 472, 473, 476—478, 482—484, 488, 491, 492; außerdem aus dem vorigen Bande nachgetragen 377 und 439 (nach 224) und 447 (nach 389). Nach 77 folgt aus einem nicht erhaltenen Billett der Ausdruck Der Diner-Fras. Nach 223 steht die zu Nr. 43 angeführte Notiz.

5. Aufschrift: Kopierbuch/auf/ 1797. 33 Blatt 4°. Hier sind Briefe an Otto und die Schwestern Herold im Oktober nachträglich kopiert. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 504—506, 508, 510, 509, 515, 517, 518, 520, 516, 526—528, 531—533, 538, 539, 543, 540, 553, 554, 559, 519, 563, 566—568, 573, 576, 577, 579, 578, 590, 596, 597, 602, 605, 606, 611, 613, 622, 628, 629, 634, 633, 636, 626, 627, 642—644, 647—649, 653, 654, 660, 661, 663, 662, 666, 670—674, 676, 677, 679, 678, 680, 682—684, 692—694, 696, 700, 697, 698, 705—708, 711, 507, 522, 529, 534, 555, 561, 575, 602, 615, 624, 625, 637, 639, 651, 664, 679 (versehentlich zum zweitenmal), 701, 716, 629 (zum zweitenmal), 658, 699, 717, 702, 718, 723—728, 742, 735, 733. Vor 507 steht die Überschrift: Varia ex O. (Otto)

Zur Orthographie

In den Zeitraum dieses Bandes fällt nur eine entschiedene Änderung, der Übergang von wol zu wohl, der anfangs nur in Zusammensetzungen erscheint (Wohlwollen 139 , 10 , 188 , 25 , wohlwollend 192 , 6 , Wohlgeborner 172 , 25 .33 neben wolwollend 57 , 33 , Wolthaten 155 , 35), von Mai 1796 an vereinzelt auch beim Simplex ( 195,16 , wo K noch wol schreibt, 200 , 20 ), von Juli 1796 an regelmäßig (226,22 , 233,35 usw.; das letzte wol 220 , 11). Beim Dehnungs-h zeigt sich auch sonst einiges Schwanken: stralen 30,30 , Stral 68 , 16 f., 98,31 u. ö., aber Strahl 96 , 26 , 145 , 18 (wo K Strahl hat); Maler 76 , 18 f., 358 , 27 , malen 54 , 28 f., 55,3, 86,25 u. ö., sogar gemalen (molitum) 138,24, aber Mahler, mahlen 72 , 17 ; Holspiegel 83 , 6 , aber Hohlspiegel 76 , 11 ; Wiederholung 187 , 8 , wiederholen 55 , 20 , 74 , 17 , 139 , 2 u. ö., aber Wiederhohlung 132 , 17 ; gebäre 103 , 20 verb. aus gebähre, angeborne 52 , 25 f., aber Gebährhaus 62 , 24 , gebohrne 198 , 12 ; stören 62 , 21 , 121 , 2 , 156 , 14 u. ö., zerstören 42 , 22 , 142 , 36 u. ö., aber stöhren 25 , 31 , 95 , 32 , Stöhrung 24 , 6 , 48 , 6 u. ö., zerstöhren 89 , 15 f., Zerstöhrung 105 , 2 ; unwilkürlich 263 , 23 , aber wilkührlich 72 , 35 , unwilkührlich 267 , 3 . th erscheint noch vereinzelt in Blüthen 349 , 8 (sonst stets Blüten) und Monath 177 , 25 f.; 13,21 hat K Monath, 362 , 28 ist Monat zweimal aus Monath verbessert. Ganz vereinzelte Rückfälle in frühere Schreibweisen sind Spizze 99 , 17 , pakkest 273 , 6 f., Rokke 327 , 7 , iüdisch 333 , 33.


  • [1] Leider fehlen gerade aus diesen Jahren auch viele Briefe Charlottens an Jean Paul, mit deren Hilfe sich die Försterschen Ergänzungen am besten hätten nachprüfen lassen.
  • [2] Nr. 3, 35, 47, 51, 74, 80a, 81, 119, 152, 213, 217, 224, 238, 252 (zum Teil), 259, 268, 277, 347, 358, 363, 390, 430, 562, 702, 723, 734.

Vorwort Band III

Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959, S. V-VI.

Dieser dritte Briefband reicht von der Übersiedlung Jean Pauls von Hof nach Leipzig Anfang November 1797 bis zu der von Weimar nach Berlin Anfang Oktober 1800, umfaßt also den einjährigen Aufenthalt in Leipzig und den zweijährigen in Weimar, beide häufig unterbrochen von längeren und kürzeren Reisen nach Hof, Dresden, Halle, Halberstadt, Jena, Gotha, Hildburghausen, Erfurt, Eisenach, Rudolstadt, Ilmenau, Berlin. Es ist äußerlich und innerlich die bewegteste Zeit in Jean Pauls Leben, die den Jüngling rasch zum Manne reift. Der Kreis seiner Bekannten schwillt in diesen drei Jahren gewaltig an. Jeder neue Ort gewinnt ihm neue Freunde und Freundinnen aller Stände und Berufe und damit auch meist neue Korrespondenzen, neben manchen vorübergehenden doch auch festdauernde wie mit Paul Thieriot und Friedrich Heinrich Jacobi. Die Beziehungen zum andern Geschlecht, zu verheirateten und unver- heirateten Frauen häufen sich beängstigend, erhitzen und erkühlen sich rasch und führen mehrmals bis dicht an die Eheschwelle; doch entzieht er sich noch jedesmal der festen Bindung. Fast unbegreiflich, daß er daneben noch zu unablässiger dichterischer Produktion Zeit und Sammlung findet. Von größeren Werken entstehen die Palingenesien, Jean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf, die beiden ersten Bände des Titan und der erste Anhang dazu, daneben noch kleinere wie Charlotte Corday, Clavis Fichtiana, das Heimliche Klaglied der Männer, die Wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht u. a. m.

Trotz schmerzlicher Verluste, besonders von Liebesbriefen von und an Jean Paul, ist der Bestand an erhaltenen Originalbriefen aus dieser Zeit beträchtlich. Er konnte gegenüber der Ausgabe von 1924 erheblich vermehrt werden; namentlich können viele bisher nur in unvollständigen Kopien vorgelegene Briefe jetzt nach den Original- handschriften wiedergegeben werden [1] . Auch das Verzeichnis der Briefe an Jean Paul hat Zuwachs erhalten [2] . Von den Tafeln sind die Bildnisse von Elisa Feind, Gleim, Jacobi und Josephine von Sydow und die Faksimiles nach S. 32 und 304 neu.

Für die Überlassung von handschriftlichen oder graphischen Vorlagen habe ich besonders der Deutschen Bibliothek in Berlin, dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden, dem Gleimhaus in Halberstadt, der Stadtbibliothek Stralsund, der Autographenhandlung J. A. Stargardt, den Graphischen Sammlungen in München und den Kunstsammlungen der Veste Coburg zu danken. Wertvolle Hinweise und Auskünfte danke ich Herrn Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen, Herrn Dr. HansWerner Seiffert und Herrn Professor Dr. Hans Knudsen in Berlin, Herrn Dr. Johannes Reiher in Dresden sowie der Bezirks- und Stadtbibliothek Gera.

Marbach a. N., im Januar 1959. Eduard Berend

Die Briefbücher

Für den vorliegenden Band kommen das fünfte bis achte Briefbuch in Betracht.

5. Vgl. Bd. II, S. 391. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 2, 1, 3—10, 12—14, 11, 16, 18, 19, 21—24, 27, 30—37.

6. Aufschrift: Korrespondenzbuch./1798. 26 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 38—41, 43—52, 58, 66, 59, 62, 57, 55, 60, 61, 63—65, 70—73, 75, 77—79, 89, 87, 84, 85, 83, 86, 88, 90—108, 110, 111, 113—115, 117, 120, 121, 119, 118, 125, 124, 127, 126, 128, 129, 131—135, 138—142, 144, 147, 146, 149—158, 164, 160—163, 166—181.

7. Aufschrift: Korrespondenzbuch./1799. 30 Bl. 4°; Jean Paul hat dafür Blätter benutzt, auf denen z. T. schon kaufmännische Notizen von fremder Hand standen. Enthält folgende Nummern dieses Bandes (von kursiv gedruckten nur die Überschriften): 189, 191, 190, 192, 194—196, 199, 203, 200—202, 204—207, 209, 210, 212, 213, 215—217, 220—222, 226, 227, 229, 237, 238, 241, 240, 243, 249, 250, 252, Fehlende 24 u. 25, 253, 254, 256, Fehl. 26, 259, (auf der hier beginnenden Seite steht oben: Sternisch zu schreiben) 260, 261, 257, 262, Fehl. 27, 263, Fehl. 28 u. 29, 264, 266, 268, 267, 143 a (Sammelkopie, darin Nr. 10 noch einmal), 271, 272, (auf der hier beginnenden Seite steht oben: Wie sieht es hinter dem Vorhang aus?) 273, 274, 278, 275—277, Fehl. 33, 279—282, 288—295, Fehl. 37 u. 38, 296, 297, Fehl. 40, 298—302, 306, (hier folgt die gestr. Überschrift An Mnioch) 304, 307, 309, 308, 310, 311, 314, 315, 317, 316, 318, 319, 321, 320, 322, 323, 325, 326, 329, 327, 330—332, 324, 336, 334, 335, 337, 338, 340, 339, 341, 342, 344—346, 343, 347, 351, 348—350, 352, 356, 358, 357, 359—362, 368, 363 , 365, 369, 373, 371, 372, 377.

8. Aufschrift: Korrespondenzbuch./1800./1801. 48 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 378—382, 386, Fehl. 49 u. 50, 385, 387—395, 398, 396, 399, 400, Fehl. 52—54, 401, 404—409, 412, 411, 413, 414, 416, 417, 415, 418, 420 (der Anfang versehentl. nach Nr. 412), 421, 423, 425, Fehl. 56, 428, 429, Fehl. 57, 430, Fehl. 58, 433, 434, 436, 437, 438, 440—442, 443, 444—446, 447, 448, 450, Fehl. 59, 451, 453—463, 465, 466, 468, 470, 471, 473, 475, 477, 480, 482, 483, 485—488, 490—492, Fehl. 63, 494, 495, 497, 498, 443, 447, 453, 437, 501, 500, 504, 506, 505, 503, 507, 508, 511—513, 517, 515, 516, 519—522, 524, 523, 526, Fehl. 63, 527—529.

25 Jean Paul Briefe. III.

Zur Orthographie

In den Zeitraum dieses Bandes fällt keine grundsätzliche Änderung. Beim Dehnungs-h zeigen sich dieselben Schwankungen wie im vorigen Bande: strahlend 257 , 18 (verb. aus stralend), Strahl(en) 117 , 23 , 207 , 9 (wo K Stralen hat), 315,24.26.30 (hier aus Stralen), aber Stralen 83 , 17 , 144 , 19 ; Höhle, hohl 141 , 13 , 238 , 26 , 266 , 5.20.27 , 343 , 31 , höhlen 72 , 25 , 275 , 13 , sogar hohlen (afferre) 266,28 , aber Höle 115 , 27 , 176 , 12 ( K Höhle), hergeholt 130 , 7 ( K hergehohlt), geholet 137 , 3 (aus gehohlet), holte 253 , 23 (aus hohlte), holen 293 , 19 ; Gastmahl 25 , 9 , Abendmahl 236 , 16 , Grabmahl 230 , 9 , aber Malzeit 224 , 21 , Maalen 193 , 27 , zumal 231 , 27 (aus zumahl); wahrlich 176 , 26 , sonst stets warlich; zerstöhren 86 , 27 , aber zerstören 14 , 17 , 16 , 6 , 32 , 33 ; Wilkühr 235 , 4 , 243 , 14 , wilkührlich 250 , 33 , aber wilkürlich 370 , 7 ; Monath 170 , 26 , 277 , 8 , 351 , 18 , aber Monat 9 , 34 , 200 , 27 , 251 , 24 u. ö.; Gluth 75 , 23 , 93 , 15 , 102 , 19 , 377 , 33 , aber Glut 340 , 31 , 377 , 1 (wo K th hat); wohl kommt nur einmal noch ohne h vor: Hochwolgeboren 32 , 25 . Schwankend ist auch der Gebrauch von Doppelvokalen: Quaal 47 , 32 , 251 , 6 , 354 , 30 neben Qualen 13 , 27 , quäälen 232 , 10 (aus gequälten), 238 , 23 (aus quäl’), 251 , 4 , 319 , 14 neben quälen 52 , 7 , 60 , 11 , 205 , 10 , 223 , 6 , 278 , 5 ; Seegen 366 , 16 ( K Segen), aber Segen 228 , 29 . Die ungewöhnlichen Schreibungen pflükke 231,13 , schikken 305,21 , Sekendorf 306,2 , drüken 306,20 erklären sich wohl aus der Jean Paul ungewohnten lateinischen Schrift; s. auch die Lesarten von Nr. 318.


  • [7] Vgl. die Notiz in Jean Pauls sog. Vita-Buch: „Mein Korrespondenzbuch macht, daß ich jedes Datum eines Briefes einschreibe und folglich bei Buchhändlern und sonst den großen Ruf eines scharfen Geschäftsmannes einhandle.“
  • [8] Vgl. II. Abt., V, 95,11: „Man muß seine Briefe kopieren, um nicht sich ähnliche Wendungen geläufig zu machen.“
  • [9] Vgl. 136,36ff. und 146,26ff. dieses Bandes.
  • [1] Ganz neu sind Nr. 31a, 242a, 297a, 348a, 451a, 453a, 458a, 472a, 479a, b, erstmalig nach den Originalen abgedruckt Nr. 123, 137, 169, 250, 262, 275, 308, 318, 330, 362, 385, 406, 421, 424, 425, 428, 442, 475.
  • [2] Nr. 24a, 152a, 202a, 209, 333, 388a.

Vorwort Band IV

Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960, S. V-VI.

Dieser vierte Briefband reicht von der Übersiedlung Jean Pauls von Weimar nach Berlin Anfang Oktober 1800 bis zu seiner Niederlassung in Bayreuth im August 1804, umfaßt also das Wintersemester 1800/01 in Berlin, den zweijährigen Aufenthalt in Meiningen und den einjährigen in Koburg, zwischendurch kleine Reisen nach Weimar, Bad Liebenstein, Kassel, Hildburghausen, Bamberg und Erlangen. Es sind die glücklichsten Jahre im Leben des Dichters, die Bräutigamszeit und die ersten Ehe- und Vaterjahre, die Entstehungszeit seiner besten Werke, des dritten und vierten Bandes des Titan und des Anhangs zum zweiten (mit Giannozzos Luftreise), der drei ersten Bändchen der Flegeljahre und der Vorschule der Ästhetik. Auch politisch war es ja eine Friedenszeit.

Jean Pauls Korrespondenz ist in dieser Periode nicht ganz mehr so lebhaft wie in der Weimarer Zeit; zum Teil wurde sie ihm von seiner jungen Frau abgenommen. Der Briefwechsel mit Friedrich von Oertel, Matzdorff, Karoline von Feuchtersleben, Josephine von Sydow u. a. schläft allmählich ein. Dafür kommen aber zu den alten Korrespondenten Jacobi, Herder und Frau, Gleim, Knebel, Böttiger, Ahlefeldt, Schlichtegrolls, Charlotte von Kalb, Emilie von Berlepsch, Julie von Krüdener und den Urfreunden Otto und Emanuel manche neue hinzu, wie die Verleger Cotta und Perthes, Herzog Georg von Meiningen, die Familie Heim, Ernst Wagner, Kanne, Wangenheim, Karoline von Berg, die Erbprinzen von Gotha und Mecklenburg-Strelitz. In der Berliner Zeit blüht der fast tägliche Billettwechsel mit der Braut.

II Berend, Bd. IV

Gegenüber der Ausgabe von 1926 bringt der Band nur wenige ganz neue Stücke [1] , doch wurden die Handschriften, soweit sie mir noch oder wieder zugänglich waren, erneut verglichen, die Anmerkungen vielfach ergänzt oder berichtigt. Von den Tafelbeilagen sind die Bildnisse des Herzogs Georg von Meiningen und Ernst Wagners neu hinzugekommen; die Aufnahmen des Wohnhauses in Koburg und der Arbeitsstätte auf dem Adamiberg wurden erneuert. Das Schroedersche Porträt des Dichters ist weggelassen, da es schon in dem Ergänzungsbande von 1956 wiedergegeben wurde.

Für die Überlassung von Handschriften oder Bildvorlagen habe ich wieder hauptsächlich der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin und dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar zu danken, sodann der Sächsischen Landesbibliothek, dem Gleimhaus in Halberstadt, den Kunstsammlungen der Veste Coburg, den Meininger Museen, dem Fürstlich Thurn und Taxisschen Zentralarchiv in Regensburg und der Autographenhandlung J. A. Stargardt in Marburg, für wertvolle Hinweise und Auskünfte außer den im vorigen Bande Genannten noch Herrn Erich Berger in New York, Herrn cand. phil. Claude Pichois in Paris und Herrn cand. phil. Horst Heldmann in Nürnberg, für Hilfe bei den Korrekturen Herrn cand. phil. Werner Volke in Marbach.

Marbach a. N., im Oktober 1959. Eduard Berend

Die Briefbücher

Für den vorliegenden Band kommen das achte und neunte Briefbuch in Betracht. Bei kursiv gedruckten Nummern gibt das Briefbuch nur die Überschrift ohne Text.

8. Vgl. Bd. III, S. 385. Enthält folgende Nummern dieses Bandes (vor der ersten am Rande doppelt unterstrichen: Berlin): 3, 5, 4, 6, 8, 10, 13, (unten auf der Seite steht: Le voile, le rideau, l’image du tems future est déchirée mais moi? vielleicht auf die Verlobung bezüglich) 11, 12, 14, 16, 18—20, 26, 27, 25, 30, 30a, 37, 42, 35, 40, 41, 44, 45, 48, 66, 72, 75, 73, 77, 76, 81, 80, 83, 84, 88, 90, 97, 98, 96, 99, 101, 104, 105, 107, 108, 106, Fehl. 10, 111, 112, 115—118, 120, 128 (K 1), 123, 127, 125, 128 (K 2), 124, 130—132, 134, 136, 137, 139, (hier die Überschrift Meiningen) 148 bis 162, 166, 164, 165, 163, 167—170, 172, 171, 174—176, 179, 184, 182, 183, 186—189, 191—195, 197, 198, 196, 199, 201, 200, 202, Fehl. 18, 203, 206, 208, 207, 205, 204, 209, 211—217, 219, 218.

9. Aufschrift: Briefbuch. /1802./1803/1804. 92 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 223—225, 222, 226, 227, 229, 228, 230, 232—236, 239—242, 238, 243—245, 247—253, 256, 259—262, 264, 265, 268—271, 267, 272—277, 279, 280, 282—285, 287—291, 295, 296, 298, 297, 299—302, 304, 303, Fehl. 24, 310, Fehl. 25, 308, 305, 307, 306, 309, 311, Fehl. 26, 312, 313, 315, 314, 316—321, 322, 324, 323, 325—327, 329, 328, 330—333, 336, 335, 334, 337—341, 346—356, Fehl. 31 u. 32, 358—360, 357, 361—364, 366, 365, 367, 368, 371, 369, Fehl. 34, 370, 373, 374, 372, 375 bis 383, 384, 385—387, 392, 393, 394—403, 405, 406, 411—416, 418—425, Fehl. 37, 426, 427—429, Fehl. 40, 431, 430, 432, 433, 436, 435, 439, 440, 441, 442—447, Fehl. 41, 448—450, 452, 451, 453—457, 459—461, 463 bis 466, 469—472, 474, 477, 473, 475, 476, 479, 478, 481—487, 490, 489, 488, 491—496.

Zur Orthographie

Bis zum März 1804 bleibt im wesentlichen alles wie im vorigen Band. Es zeigen sich auch noch dieselben kleinen Unsicherheiten beim Dehnungs-h und bei Doppelvokalen: Stralen 36,12 neben strahlen, Strahl 31,27 ( K gestralt), 77,28, 84,17, 115,7 u. ö., hohle 34,11, hohl 51,28, 167,28, Höhle 95,23 neben holen 32,9, 40, 16, 58,25 u. ö. (wiederholte 118,6 f. aus wiederhohlte); gebüre 266,30 neben Gebühren 269,22, gebar (verb. aus gebahr) 179,14 neben gebähren 106,18 f.; Partei 61,26 neben Parthei 45,5; quälen, Qual 47,18, 222,18, 307,12 f. neben quäälen, Quaal 16,10, 18,35, 31,27, 265,21 (verb. aus Qual) u. ö.; Glükseeligkeit 14,3 neben Glükseligkeit 68,22, 157,3, Schreibseligkeit 305,30. Die im vorigen Bande herrschende Schreibung Visitten kommt nur noch 38,31 vor, später immer Visiten: 57,24, 58,10.16, 59,3, 203,9 (hier verb. aus Visitten) u. ö. Ihn Bett behält Jean Paul gegen seine Regel auch im Auslaut und vor Konsonanten das Doppel-t bei, um Verwechslungen vorzubeugen, z. B. Bett-Fülle 65,24, Bettgen 224,17, Bettgehen 227,16; nur wo kein Zweifel möglich ist, bleibt einfaches t: Ruhebet 109,6 (K hat hier tt), Wochenbet 251,16; ich habe daher 140,18.21 Bett angenommen. Oft schreibt Jean Paul übrigens auch im Nominativ und Akkusativ Bette oder Bett’, vgl. Kindbett’schieben 94,6.

Im März 1804 entschloß sich Jean Paul nach einer neuerlichen Lektüre von Adelungs „Anweisung zur deutschen Orthographie“ (Exzerpte daraus im 37. Band, November 1803) zur Aufgabe seiner Besonderheiten, nämlich der Vereinfachung von Doppelkonsonanten, tz und ß, des g in der Ver- kleinerungssilbe -gen und des ie in giebt (s. 296,36 Lesart, 306,4), fieng, gieng (s. 311,6), hieng. Nach 284,2f. wäre der Wechsel am 18. März 1804 eingetreten, nach einer Notiz des Vita-Buchs (Wahrheit 2,93) an seinem Geburtstag, 21. oder 22. März; die Briefe zeigen aber, daß er schon etwas früher anfing, zuerst in Nr. 451 vom 13./14. März. Begreiflicherweise kamen in der ersten Zeit noch Rückfälle vor, so z. B. 289,1 weis, 293,25 betrift, 300,30 übertrift, 295,25 sogenanter, 298,6 Sontags, 306,27 Weiszeug. Manchmal schießt er auch übers Ziel hinaus, z. B. Fäßer 295,22, Märtz 286,13 f., Reitz 304,35 (verb. aus Reiz), 305,27, Schweitz 310,24, Erlaubniß 303,18, 305,15, Königinn 303,22, Gemahlinn 305,26; diese Schreibungen hat er bald wieder aufgegeben. Ihn wohl behält er noch eine Zeitlang das h bei, s. 294,23.28, 297,1, 299,11 (durch K gesichert), 300,19.29, 301,10.20.32, 302,21, weshalb ich es auch 293,4.12 und 296,14 angenommen habe; schon 288,11 aber und dann von Nr. 485 ab regelmäßig schreibt er mit Adelung wol, das ich daher auch 309,23 gesetzt habe. Beibehalten hat er (gegen Adelung) die Eindeutschung von Fremdwörtern, namentlich das ie in der Endsilbe -ieren (präsentirt 293,32 ist wohl ein Schreibversehen); vgl. auch Karakter 286,29, 287,11, Revoluzion 301,6 f.


  • [1] Neu sind Nr. 44a und 141a. Die früheren Kopien Nr. 3, 156, 237 konnten jetzt nach den Originalhandschriften wiedergegeben werden, Nr. 455 nach einem alten Druck. Für Nr. 30a und 156 konnten die Adressatinnen ermittelt werden. Im Verzeichnis der Briefe an Jean Paul sind Nr. 200a und 327a neu.

Vorwort Band V

Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961, S. V-VII, S. 7-8, S. 257.

Mit diesem fünften Bande wird die Lücke geschlossen, die bisher in der Reihe der Briefbände offen geblieben war. Der Grund dieser Zurückstellung wurde bereits im Vorwort zum sechsten Band angegeben: das Manuskript war auf dem Wege zur Druckerei verloren gegangen. Der Aufschub der mühsamen Wiederherstellung hat sich insofern gelohnt, als inzwischen der lange Zeit vermißte handschriftliche Nachlaß Jean Pauls in die Deutsche Staatsbibliothek zurückgekehrt ist und mit ihm die Briefkopierbücher, von denen vier für diesen Band in Betracht kommen. Vermißt wird nach wie vor die Autographensammlung (einschließlich der Varnhagenschen) der Deutschen Staatsbibliothek, in der sich viele Originalbriefe von und an Jean Paul befanden, darunter auch manche, die in den Zeitraum dieses Bandes fielen. Von einigen dieser Briefe hatte ich Abschriften bewahrt, andere lagen in älteren mehr oder minder zuverlässigen Drucken vor, die ich zum Teil in meinen Handexemplaren kollationiert hatte, so daß sie ziemlich zuverlässig wiedergegeben werden können. Da seinerzeit nur das Manuskript der Brieftexte verloren ging, nicht aber das bereits vorbereitete der Lesarten und Anmerkungen, so kann ich zuweilen über den Inhalt ganz oder teilweise fehlender Briefe nähere Angaben machen, sogar Jean Paulsche Korrekturen angeben. Die sehr zahlreichen Billette an Emanuel, die in diesen Jahren fast einen Ersatz für Jean Pauls Tagebücher bilden, haben sich glücklicherweise in der Apeltschen Autographensammlung vollständig erhalten. Verloren gegangen sind dagegen die Billette an Otto; doch waren diese in dem fraglichen Zeitraum nicht so zahlreich wie sonst, da Otto in den Kriegsjahren 1806 bis 1808 von Bayreuth abwesend war. So ist zwar das Verzeichnis der fehlenden Briefe in diesem Bande länger ausgefallen als in den übrigen; es darf aber gesagt werden, daß die Verluste im großen und ganzen nicht sehr erheblich sind.

Der Band reicht von Jean Pauls Niederlassung in Bayreuth im August 1804 bis zum Ende des Jahres 1808. Es war eine Zeit intensivster schriftstellerischer Tätigkeit, zu der jetzt auch die wirtschaftliche Lage der auf fünf Köpfe angewachsenen Familie nötigte. Nur ganz kurze Ausflüge in die nahe Umgebung (Erlangen, Nürnberg, Wunsiedel) hat sich Jean Paul gestattet; die geplanten Reisen nach Hof und zu Jacobi nach München wurden immer wieder aufgeschoben. In rascher Folge entstanden das vierte Bändchen der Flegeljahre, das Freiheits-Büchlein, die Levana mit ihrem Ergänzungsblatt, Schmelzle, Katzenberger mit den verbesserten Werkchen, die Friedens-Predigt und große Teile der Dämmerungen und von Fibels Leben, daneben zahlreiche, zum Teil umfangreiche Aufsätze für Taschenbücher und Zeitschriften, besonders für das 1807 beginnende Cottasche Morgenblatt, sowie Rezensionen für die Heidelberger Jahrbücher. Bayreuth blieb zwar unmittelbar vom Krieg verschont, kam aber unter französische Verwaltung, die drückende Steuerlasten auferlegte. Das Darniederliegen des deutschen Buchhandels machte es zuweilen schwierig, Manuskripte unterzubringen, und Jean Paul mußte mit immer neuen Verlegern anknüpfen, bis er an Cotta einen sichern Rückhalt fand. Der schriftliche Verkehr mit Verlegern, besonders mit Perthes, Vieweg, Mohr & Zimmer und Cotta, macht daher den größten Teil seiner Korrespondenz aus, während die ehemals so intensive, mehr oder minder erotisch gefärbte mit Frauen fast ganz aufhört. Von den früheren männlichen Korrespondenten waren Herder und Gleim gestorben, Friedrich von Oertel starb 1807, Karoline Herder 1808. Lebhaft blieb der Briefwechsel mit Jacobi, Schlichte- grolls, Thieriot, Ernst Wagner und mit dem Herzog von Gotha; neu hinzu kam namentlich der Kreis der Heidelberger Jahrbücher (Görres, Marheineke, Creuzer, Schwarz). Mit Emanuel hat Jean Paul fast täglich Billette gewechselt, oft mehrere an einem Tage.

Bei der Wiederherstellung des ersten Druckmanuskripts war ich noch mehr als sonst auf vielfache Unterstützung angewiesen. Für die Überlassung von Handschriften habe ich zu danken der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin, dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, dem Schiller-Nationalmuseum und der Cottaschen Handschriftensammlung (Leihgabe der Stuttgarter Zeitung) in Marbach, dem Germanischen Museum in Nürnberg, der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden, der Bayrischen Staatsbibliothek in München, der Universitätsbibliothek in Leipzig, den Stadtbibliotheken in Schaffhausen und Trier, der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund, dem Haus- und Staatsarchiv in Gotha, dem Großherzoglichen Familenarchiv in Neustrelitz, dem Deutschen Zentralarchiv in Merseburg, dem Brinckmann-Archiv in Trolle-Ljungby, der Ernst-August-Fideikommiß-Bibliothek in Gmunden, dem ViewegArchiv in Braunschweig, ferner Frau Luise Doehler in Greiz, Herrn Apotheker Robert Altherr in St. Gallen und besonders Frau Erna Apelt in Zittau. Dem Fichtelgebirgs-Museum in Wunsiedel verdanke ich die Vorlage für die Tafel nach S. 48, die den Platz wiedergibt, an dem beim Empfange des preußischen Königspaares im Juni 1805 Jean Pauls „Wechselgesang der Oreaden und Najaden“ aus der Tiefe erscholl. Durch Auskünfte haben mich unterstützt Herr Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen, Herr Direktor Dr. Karl-Heinz Hahn und Frau Professor Dr. Liselotte Blumenthal vom Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, Herr Dr. Hans-Werner Seiffert und Herr Fritz Lange von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Herr Dr. Johannes Reiher in Dresden, Herr Horst Heldmann in Nürnberg, Herr Wilhelm Müller in Wunsiedel, Herr Dr. Carl Becker, Konservator des Gleimhauses in Halberstadt, Herr Archivar Hans Lauterbach in Bayreuth, Frau Dr. Liselotte Lohrer in Marbach a. N., Herr Pfarrer Walter Hagen in Ludwigsburg, Herr Oscar Fambach in Düssel- dorf-Kaiserswerth, Herr Michael O. Krieg in Wien und Herr Dr. Herbert Koch in Jena. Für mannigfache Hilfe bin ich Herrn Werner Volke in Marbach a. N. verpflichtet. Ihnen allen und manchen vielleicht nicht Genannten sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt.

Ein neunter Band mit Nachträgen und einem Gesamtnamenregister soll demnächst diese dritte Abteilung der historischkritischen Gesamtausgabe abschließen.

Marbach a. N., im Mai 1961. Eduard Berend

Die Briefbücher

Für den vorliegenden Band kommen das neunte bis zwölfte Briefbuch in Betracht. Bei kursiv gedruckten Nummern gibt das Briefbuch nur die Überschrift oder eine kurze Inhaltsangabe.

9. Vgl. Bd. IV, S. 315. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 2—5, 10, Fehl. 6, 12, 13, 15—17, 19, 20, 18, 21, 23, 24, 22, 26, Fehl. 13, 31, 34, 37, Fehl. 14 u. 15 , 39, 40, 45, 42, 43.

10. Aufschrift: Korrespondenz-Buch/für/1805/1806. 34 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 48, 50, 51, 56, 55, 59, 61, 65, Fehl. 19, 67, 75, 76, 81—86, 89, 92, 93, 96, 99, 100, 102, 101, 103—107, 113—116, Fehl. 22 u. 24, 122, 124, 126, Fehl. 26, 127, 128, 132—136, Fehl. 27, 140, 149—153, 156, Fehl. 28, 157, 158, 162, 163, 166, 168, 171, 173, 172, 174, 177, Fehl. 30, 181, 182, Fehl. 31 u. 32, 183, 185, 187, 188, 192, 189, Fehl. 34 u. 37, 197, 199, Fehl. 39, 201, 202, 206, 205, 207, 209, 210, 211, 212—215, 217, 218, 222, 223, 225—227, 229, 233, 234, 240, 243, 244, 247, Fehl. 47 u. 48, 256, 264, 265, 267, 268, 270, 275, Fehl. 49, 284, 285, 290, 291, Fehl. 50 , 293, 294.

11. Aufschrift: Briefbuch für 1807./1807. 23 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 299, 303—305, 310, 315, 316, Fehl. 51, 320, 319, Fehl. 52, 321, 324, Fehl. 53, 327, 328, 326, 331, 335, 339, 341, 342, 357, 358, Fehl. 54, 362, 365, 367, 369, 372, (oben auf der neuen Seite steht: Billet le plus doux) 376, 377, 379, 383—385, 387, 395, 396, Fehl. 56, 397, 401, 402, 412, 419, 421, 422, 420, 423, 425, 424, 427—431, 436, 433, 434, 437, 442, 443, 446, 447, Fehl. 57—59 , 450, 454, 455.

12. Aufschrift: Briefbuch/für/1808. 1809. 1810. 1811. 83 Bl. 4°. Enthält folgende Nummern dieses Bandes: 459, 460, 464, 466, 472, 483, 485—487, 492, 488, 494, 495, 500, 489, 490, Fehl. 62, 504, 505, 511, 512, 515—520, 524—526, 531, 532, 530, 534, Fehl. 63, 535, 537, 538, 552, 553, 550, 548, 549, 545, 555—557, 561—563, 570, 571, 575, Fehl. 67, 573, 574, 577, 582, 585, 584, 586, 587, 589, 598, 599, 602, 612, 613, 616, Fehl. 81.


    Vorwort Band VI

    Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952, S. V-X.

    Der vor nunmehr fast vierzig Jahren von dem Unterzeichneten in Gemeinschaft mit Julius Petersen aufgestellte Plan für eine historisch-kritische Gesamtausgabe von Jean Pauls Werken sah eine Gliederung in drei Abteilungen vor: Ausgeführte Werke, Nachlaß und Briefe. Da sich damals für die Ausführung dieses Gesamtplanes noch keine Möglichkeit bot, nahm ich zunächst einmal eine gesonderte Ausgabe der Briefe in Angriff. In den Jahren 1922 bis 1926 erschienen im Verlag Georg Müller in München vier Bände, die in chronologischer Folge die Briefe des Dichters bis zu seiner Niederlassung in Bayreuth im August 1804, nebst Lesarten und Anmerkungen sowie Verzeichnissen der fehlenden Briefe und der Briefe an ihn, enthielten. Als dann nach der Feier des hundertsten Todestages (1925), die erneut die unvergängliche Lebendigkeit seines Werks erwiesen hatte, die Preußische Akademie der Wissenschaften in Verbindung mit der Deutschen Akademie in München und der neugegründeten Jean-Paul-Gesellschaft in Bay- reuth die Herausgabe der Sämtlichen Werke Jean Pauls im Verlage von Hermann Böhlaus Nachfolger in Weimar beschloß und im Frühjahr 1927 mir die Leitung übertrug, mußte ich die Fortsetzung der Briefausgabe vorläufig hintanstellen, zumal da auch der Verlag Müller deren Weiterführung unter den bisherigen Bedingungen verweigerte. Bis zum Jahre 1938 war ich durch die Herausgabe von mehr als zwanzig Bänden der Werke und des Nachlasses voll in Anspruch genommen, wenn ich dabei auch die Briefausgabe als notwendige Ergänzung immer im Auge behielt und die systematische Materialsammlung dafür fortsetzte.

    Im Herbst 1938 wurde mir durch die nationalsozialistische Bewegung die Weiterarbeit an der Ausgabe unmöglich gemacht; ich sah mich gezwungen, Deutschland zu verlassen, konnte aber wenigstens das gesamte Material für die noch ausstehenden Briefbände mit in die Schweiz nehmen und hier, wenn auch unter ungünstigen Verhältnissen, zum Druck vorbereiten.

    Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Staates wurde ich von der nunmehrigen Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin wieder mit der Leitung der Gesamtausgabe betraut. Da sich aber herausstellte, daß die Vorarbeiten für die noch fehlenden Bände der Werke fast restlos zugrunde gegangen und auch die sämtlichen Nachlaßpapiere, die sich im Besitz der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek befunden hatten, verschwunden waren, wurde auf meinen Vorschlag beschlossen, zunächst einmal die Briefausgabe fortzusetzen, und zwar nunmehr, wie es ursprünglich geplant gewesen war, als dritte Abteilung der Gesamtausgabe. Es ist in Aussicht genommen, die vier bereits früher erschienenen Briefbände, die zur Zeit im Buchhandel nicht mehr erhältlich sind, neu zu drucken, wobei manche Verbesserungen und Ergänzungen vorgenommen werden können, erst aber die noch ausstehenden vier Bände erscheinen zu lassen.

    Im Mai 1948 konnte ich das druckfertige Manuskript des fünften Bandes, der die Briefe vom August 1804 bis Ende 1808 enthielt, der Akademie übergeben. Aber das Verhängnis wollte es, daß das Auto, in dem das Manuskript in die Leipziger Druckerei befördert werden sollte, mitsamt seinem Inhalt gestohlen wurde und trotz aller Nachforschungen spurlos verschwunden blieb. Da das Manuskript, seinem Namen getreu, ganz mit der Hand geschrieben war, hatte ich keine Kopie behalten und kann es daher nur mit großen Schwierigkeiten allmählich teilweise wiederherstellen, — vollständig nur dann, wenn der Nachlaß Jean Pauls, in dem sich die Mehrzahl der Originalbriefe und die wichtigen Briefkopierbücher befanden, wieder zum Vorschein kommen sollte.

    Um die Fortsetzung nicht noch länger zu verzögern, wurde beschlossen, zunächst den folgenden sechsten Band erscheinen zu lassen, der nun hier vorliegt. Er enthält die Briefe der Jahre 1809 bis 1814. Es war dies für Jean Paul eine an äußeren und inneren Veränderungen verhältnismäßig arme Periode; aber die großen politischen Zeitereignisse warfen ihre Schatten doch auch in sein Bayreuther Stilleben und spiegeln sich vielfach in seinem Briefwechsel. Bayreuth, anfangs noch unter französischer, seit Mitte 1810 in bayrischer Verwaltung, war oft vom Kriege bedroht, so daß Jean Paul an Wegzug in weniger gefährdete Gegenden denken mußte. Obwohl wirtschaftlich durch die ihm vom Fürst-Primas Dalberg ausgesetzte Pension einigermaßen gesichert, bekam er doch das Daniederliegen des deutschen Buchhandels stark zu spüren und mußte seine ohnehin nachlassende Kraft fast ganz auf Beiträge zu Zeitschriften, Kalendern und zum Frankfurter Museum, auf Neuauflagen (Vorschule der Ästhetik, Levana) und Sammlungen seiner zerstreuten Aufsätze (Herbst-Blumine) verwenden. An größeren Dichtungen hat er in diesen Jahren nur das „Leben Fibels“ vollendet und den großen komischen Roman, der später „Der Komet“ betitelt wurde, begonnen. — Die mit dem Heranwachsen der drei Kinder brennender werdenden Erziehungsfragen führten zeitweise zu heftigen ehelichen Zerwürfnissen, von denen er sich durch kleine Reisen nach Bamberg (1810), Erlangen (1811) und Nürnberg (1812) erholte. Auch an Konflikten mit Freunden und Bekannten fehlte es nicht, wie sich denn überhaupt vielfach starke Reizbarkeit bekundet. Eine schwere seelische Erschütterung brachte ihm der tragische Liebestod der unglücklichen Marianne Lux.

    Jean Pauls Briefwechsel war in diesen Jahren nicht mehr so umfangreich wie in der Zeit um die Jahr hundertwende, doch immer noch beträchtlich genug. Seine Briefe werden durchweg kürzer und sachlicher; nur auf Reisen nahm er sich noch die Zeit zu ausführlichen Berichten. Manches überließ er — nach Herders Vorbild (vgl. S. 258, 29) — seiner Frau, z. B. die Korrespondenz mit Charlotte von Kalb; viele Briefe ließ er auch unbeantwortet, sogar einen so liebenswürdigen wie den von Johann Peter Hebel. Unter den Korrespondenten begegnen wir von den älteren Freunden neben den Getreuen Otto und Emanuel noch Jacobi, Knebel, Schlichtegroll, Thieriot, Ahlefeldt, Ludwig von Oertel, Ernst Wagner, Friedrich Schlegel, Vogel, von Freundinnen Emilie von Berlepsch (nunmehriger Harmes), Helmina von Chézy, Renate Otto usw. Dazu kommen viele neue: die Hamburger Beneke und Hudtwalcker, der Schweizer Mumenthaler, der Deutschfranzose Villers, der Maler Meier, der Frankfurter Hofrat Jung, der Freiherr von Meusebach, die Dichter Fouqué, Arnim, Haug, Gelehrte wie Langermann, Welcker, Wolke, Niethammer, Schwarz, Mehmel, Schweigger, Köppen, Staatsmänner wie Schuckmann, Stägemann, Thürheim, Bentzel-Sternau usw. Sehr intensiv ist der Briefwechsel mit Verlegern, hauptsächlich mit Cotta, dann mit Perthes, Vieweg, Göschen, Mohr & Zimmer, Schrag, Kunz u. a. m. Die Sorge um die eigne oder fremde Existenz nötigte Jean Paul, sich vielfach auch an Fürstlichkeiten zu wenden: an den Fürst-Primas Dalberg, den Herzog Emil August von Gotha, den König von Preußen, die Königin von Bayern, die Erbprinzen von Weimar und von Mecklenburg-Strelitz, ja an Kaiser Alexander von Rußland und dessen Schwester. Immer wichtiger wird mit den Jahren auch der Briefwechsel mit — Weinhändlern.

    Von den Briefen aus diesen Jahren der Reife sind — oder waren — uns verhältnismäßig mehr im Original erhalten als aus den Anfängen seiner Laufbahn. Wo die Originale fehlen, treten ältere, leider meist unzuverlässige Drucke (durch Sternchen vor der Überschrift gekennzeichnet) oder die Briefkopierbücher Jean Pauls ein, welch letztere jetzt oft, namentlich wenn er sie durch seine Frau oder seine Kinder besorgen ließ, einen ganz oder annähernd vollständigen Text geben, nicht bloß Exzerpte, wie es in früheren Jahren die Regel war. Sehr vieles erscheint hier zum erstenmal im Druck, besonders viele Hunderte von Billetten an die nun mit ihm am gleichen Orte lebenden Freunde Otto und Emanuel, die diese Dokumente treu bewahrt haben. Manches Unwichtige habe ich hier ausgeschieden, z. B. eine Anzahl Blätter mit kritischen Anmerkungen zu Manuskripten Ottos. Aber gerade diese meist rasch hingeworfenen und doch oder gerade deshalb immer originellen und charakteristischen Zettelchen gewähren die intimsten Einblicke in Jean Pauls inneres und äußeres Leben, seine Stimmungen und Verstimmungen, seine Sorgen und Hoffnungen, seine Anti- und Sympathien, und können in vieler Hinsicht als Ersatz von Tagebüchern (die er für gewöhnlich nicht führte) dienen. Leider hat er solche Billette nur ganz selten datiert. Emanuel hat die an ihn gerichteten fast immer mit dem Präsentat versehen, das in der Regel mit dem Abfassungsdatum übereinstimmt. Otto hat das nicht mehr so regelmäßig getan wie in den neunziger Jahren in Hof. Die Einordnung der zahlreichen undatierten Billette war eine Hauptschwierigkeit für den Herausgeber und konnte oft nur nach mehr oder weniger unbestimmten Vermutungen erfolgen. Jean Pauls Rechtschreibung, die in früherer Zeit oft wechselte und dadurch Anhaltspunkte für die Datierung gab, ist in diesen Jahren ziemlich konstant; ebenso seine Handschrift. Nur gewisse gegen Ende 1812 unter dem Einfluß Wolkes beginnende Sprachformen, wie jetzo, mehre, letzte (statt letztere), selber (statt selbst), vor allem die Auslassung des Fugen-s in zusammengesetzten Wörtern, ergeben zuweilen einen terminus a quo oder ad quem.

    Die Briefe an Jean Paul, die zum Verständnis der seinigen oft unentbehrlich sind, weisen in dieser Zeit bedeutende Lücken auf, namentlich in den Jahren 1812—1814. Besonders zu beklagen ist der Verlust der Briefe von Marianne Lux, für den die Wiedergabe von Ernst Förster nur einen ganz unzulänglichen Ersatz bietet.

    In der Behandlung der Texte und der Einrichtung des kritischen Apparats folge ich in allen wesentlichen Punkten den Grundsätzen, die ich in der Einleitung zum ersten Briefbande ausführlich dargelegt und begründet habe. Als kleine Abweichungen von dem früheren Verfahren sei hier nur erwähnt, daß Briefe, von denen im Briefkopierbuch nur der Inhalt, aber nichts vom Text angegeben ist, nicht mehr im Textteil, sondern im Verzeichnis der fehlenden Briefe (S. 592ff.) angeführt werden, und daß Briefadressen nur dann, wenn sie in irgend einer Hinsicht bemerkenswert sind, im Text abgedruckt sind, sonst aber im Apparat.

    Leider ist es mir nicht möglich, an dieser Stelle allen denen zu danken, die mich in den langen und schweren Jahren der Vorbereitung dieses Bandes mit Materialien oder Auskünften unterstützt haben. Ich hoffe das am Ende der ganzen Briefausgabe nachholen zu können. Nur für die Freundlichkeit, mit der mir die Verlage Cotta und Vieweg Photokopien der in ihren Archiven bewahrten Briefe und Herr Professor Dr. Ernst Küster in Gießen seine reiche Sammlung von Jean-Paul-Autographen zur Verfügung stellten, sowie für die Unermüdlichkeit, mit der Herr Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen und Herr Dr. Johannes Reiher in Dresden Bücher, die mir unzugänglich waren, für mich nachgeschlagen haben, und mit der die Herren Dr. W. Müller und H. Lauterbach von der Stadtbibliothek Bayreuth und Herr Oberstudienrat Dr. Otto Veh vom dortigen Gymnasium mir über lokale Verhältnisse Auskunft gaben, möchte ich doch hier schon den wärmsten Dank aussprechen. Herrn Dr. F. U. Apelt in Zittau, der mir den ungemein reichhaltigen Nachlaß Emanuel Osmunds sowie seine übrigen Autographenschätze jederzeit aufs entgegenkommendste zugänglich machte, trifft mein Dank leider nicht mehr unter den Lebenden; doch verwaltet seine Witwe das Erbe mit gleicher Treue.

    Genf, im Juni 1951 Eduard Berend

      Vorwort Band VII

      Quelle: Jean Pauls sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 7. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1954, S. V-VI.

      Die Jahre 1815 bis 1819, die dieser vorletzte Briefband umspannt, sind hauptsächlich durch die längeren Reisen nach Regensburg, Heidelberg, Frankfurt, Stuttgart und Löbichau gekennzeichnet, durch die Jean Pauls schon etwas eingetrocknetes Leben neuen Aufschwung erhielt und sein Bekannten- und Freundeskreis und damit auch sein Briefwechsel sich stark erweiterte. Da er stets allein reiste, nur von seinem Hunde begleitet, wird der intensive Briefwechsel mit der daheimgebliebenen Gattin zur ergiebigsten Quelle. Unter den neugewonnenen Freunden steht Heinrich Voß an erster Stelle; Jean Pauls Briefe an ihn sind uns nahezu vollständig, wenn auch nicht immer im Original, erhalten, während die sehr zahlreichen und ausführlichen Briefe von Voß, die Jean Paul nach dem frühen Tode des Freundes der Familie zurückgab, meist nur in stark gekürzten, unzuverlässigen Drucken vorliegen. Die Freundschaft mit Sophie Paulus in Heidelberg, eine späte Nachblüte der vorehelichen Liebschaften, dauerte nur ein Jahr und führte zu keiner intensiven Korrespondenz, da Sophie eine schlechte Briefschreiberin war und Jean Paul auf seine eifersüchtige Frau Rücksicht nehmen mußte. Der Briefwechsel mit der sympathischen Frau von Ende wurde meist von Karoline geführt. Das Verhältnis zu Emanuel, der sich in diesen Jahren eine Familie gründet, wird womöglich noch inniger, während das zu Otto sich merklich abkühlt. Der Briefwechsel mit Jacobi schläft schon einige Jahre vor dessen Tode (1819) fast ganz ein. Neben dem Hauptverleger Cotta tritt jetzt Reimer mehr und mehr in den Vordergrund. Die Pensionsangelegenheit, die den Dichter anfangs noch stark beschäftigt, findet schon nach einem Jahre einen glücklichen Abschluß. Gegen Ende des Bandes beginnt der Briefwechsel mit dem in München studierenden Sohn und mit der nach Berlin verreisten Gattin.

      Die Briefe an Cotta und Reimer, an Heinrich Voß, an Karoline und Max Richter, an die Familie Paulus sind in der vorliegenden Ausgabe zum erstenmal vollständig abgedruckt. Ganz ungedruckt waren bisher der größte Teil der Billette an Emanuel und Otto, die Stammbuchblätter und Briefe an Frau von Ende, sowie zahlreiche einzelne Originalbriefe und Kopien, wie aus den Anmerkungen genauer zu ersehen ist.

      Schriftstellerisch finden wir Jean Paul in diesen Jahren mit den Neuauflagen des Siebenkäs und des Hesperus, sowie mit der Unter- suchung über die Doppelwörter beschäftigt, während der große komische Roman nur langsam reift und die Selbstbiographie nach kurzem Anlauf abgebrochen wird. Für Cottas Morgenblatt und Damenkalender liefert Jean Paul nach wie vor regelmäßige, zum Teil umfangreiche Aufsätze, während er die häufig an ihn ergehenden Aufforderungen zur Mitarbeit an andern Zeitschriften durchweg ablehnt. Ältere Aufsätze werden in der Herbst-Blumine und den Fastenpredigten gesammelt und zum Teil vermehrt.

      Auch bei diesem Bande haben mich wieder so viele Privatpersonen und öffentliche Stellen mit Materialien und Auskünften unterstützt, daß ihre Aufzählung hier zu weit führen würde. Sie mögen mir verzeihen, wenn ich mich an dieser Stelle mit einem sehr herzlichen Generaldank begnüge.

      Genf, im Juni 1953 Eduard Berend

        Vorwort Band VIII

        Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 8. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1955, S. V-VI.

        Dieser Band enthält die Briefe aus den sechs letzten Lebensjahren Jean Pauls. Wie seine Lebens- und Schaffenskraft, so ist auch die Zahl und der Umfang seiner Briefe in diesen Jahren in steter Abnahme begriffen, während die Zahl der empfangenen Briefe eher zunimmt. Viele von letzteren werden gar nicht oder erst spät beantwortet, besonders wenn sie, was häufig der Fall ist, von Manuskripten begleitet sind, die beurteilt oder gar zum Druck befördert werden sollen. Fast nur noch auf den drei größeren Reisen, die in diesen Zeitraum fallen, nach München (1820), Dresden (1822) und Nürnberg (1823) — mehrere andere geplante Reisen kommen nicht zur Ausführung — findet Jean Paul Zeit und Stoff zu ausführlichen Briefen. Rege bleibt noch der Briefwechsel mit dem treuen Heinrich Voß, mit dem studierenden Sohn und der mehrmals verreisten Gattin, mit Verlegern (zu Cotta und Reimer tritt hier noch der gefällige Joseph Max) und Weinhändlern, außerdem der Billettwechsel mit den Bayreuther Freunden, der aber durch eine längere Abwesenheit Ottos und eine nachhaltige Verstimmung Emanuels Unterbrechungen erfährt.

        Als tiefe Schatten lagern über dieser Periode der tragische Tod des Sohnes und der frühzeitige des anhänglichen Heinrich Voß, sodann die zunehmende Körper- und Augenschwäche, die den Schreibgewohnten schließlich sogar zum Diktieren zwingt. Trotz aller Hemmungen setzt aber die schriftstellerische Tätigkeit kaum je aus; es erscheinen die Schrift über die Doppelwörter, drei Bände Komet, die Kleine Bücher- schau, drei Neuauflagen (Unsichtbare Loge, Grönländische Prozesse, Katzenberger) und mehrere, zum Teil umfangreiche Zeitschriften- aufsätze, während die neue, tiefereindringende Untersuchung über die Unsterblichkeit der Seele (Selina) und das große humoristische Quod- libet (Papierdrache) unvollendet bleiben.

        Als Anhang ist dem Bande eine Anzahl nach den Empfängern geordneter, fast durchweg bisher ungedruckter Billette, hauptsächlich an Otto und an Jean Pauls Bruder Gottlieb, beigegeben, die zwar bestimmt alle in die Bayreuther Jahre fallen, sich aber nicht genau datieren ließen. Ungefähre Anhaltspunkte für die Datierung sind in den Anmerkungen gegeben. Diese geben auch sonst über alles Auskunft, was der Band Neues bringt. Von den Bildern sind die Porträte des Ehepaars Förster hier zum erstenmal reproduziert. Das Bildnis des Königs Max Joseph I. wurde im Hinblick auf Jean Pauls auch von andern bestätigte Angabe aufgenommen, daß er ihm ähnlich sähe (S. 40). Von den Verlegern Georg Reimer und Joseph Max, deren Bilder ich gern gebracht hätte, ließen sich keine geeigneten finden.

        Auch bei diesem Bande durfte ich mich wieder vielfacher Unterstützung durch öffentliche und private Stellen erfreuen. In Bayreuther Lokalfragen hat mich Herr Archivar Hans Lauterbach bereitwillig beraten, über Dresdner Personen und Örtlichkeiten gaben mit Herr Dr. Schlechte vom Sächsischen Landeshauptarchiv, Fräulein Dr. Boer vom Stadtarchiv, Fräulein Dr. Cremer von der Landesbibliothek, sowie Herr Dr. med. Georg Ernst und vor allem der Jean-PaulFreund Dr. Johannes Reiher daselbst wertvolle Aufschlüsse. Herr Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen hat unermüdlich Werke, die mir nicht zugänglich waren, für mich nachgeschlagen. Bei der Beschaffung der Vorlagen für die Bildbeigaben hat Herr Dr. Hans W. Seiffert vom Institut für deutsche Sprache und Literatur in Berlin, bei der Herstellung des Registers Frau Hanna C. Altmann freundliche Hilfe geleistet. Ihnen allen, sowie den vielen hier nicht eigens Genannten, fühle ich mich zu wärmstem Danke verpflichtet.

        Als Abschluß der Briefabteilung soll noch ein Band mit einem ausführlichen Gesamtregister aller vorkommenden Personen- und Ortsnamen sowie der Schriften Jean Pauls folgen, in dem dann auch etwaige Nachträge gebracht werden können. Doch kann dieser Band erst erscheinen, wenn die vier ersten Briefbände im Rahmen der Gesamtausgabe neugedruckt sind und die schmerzliche Lücke des fünften Bandes nach Möglichkeit ausgefüllt ist.

        Genf, im Dezember 1954 Eduard Berend

          Vorwort Band IX

          Quelle: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 9. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1964, S. V-VII.

          Der vorliegende Band, der die dritte Abteilung der historisch- kritischen Gesamtausgabe von Jean Pauls Werken, die Briefe, abschließt, bringt zunächst eine Anzahl mir erst nachträglich bekannt gewordener Briefe nebst Lesarten (Korrekturen) und Anmerkungen. Sie sind chronologisch geordnet, bis auf die drei letzten, die mir erst während des Satzes zugänglich wurden und daher an den Schluß gestellt werden mußten. Von einigen dieser Briefe standen Jean Paulsche Kopien schon in den früheren Bänden, jedoch so unvollständige und ungenaue, daß sich der vollständige Abdruck der Originalhandschriften empfahl. In andern Fällen, wo nachträglich aufgetauchte Originalbriefe sich nicht so erheblich von den bereits abgedruckten Kopien unterscheiden, sind nur die Abweichungen und Ergänzungen im zweiten Teil dieses Bandes verzeichnet. Dieser bringt Berichtigungen und Ergänzungen zu allen acht Briefbänden, am meisten zu den Bänden 6 bis 8, die früher als die fünf ersten erschienen.

          Den Hauptteil bildet ein Gesamtregister zu den neun Bänden der dritten Abteilung. Während die Register am Schluß der einzelnen Bände nur die Korrespondenten verzeichnen, bringt dies Schlußregister alle in den Briefen und den zugehörigen Lesarten vorkommenden Namen im weitesten Sinne dieses Wortes. Dabei habe ich im allgemeinen die Register der Sophienausgabe von Goethes Werken zum Muster genommen. Es sind also außer den eigentlichen Personen- und Ortsnamen auch die Namen von Völkern, Ländern, Flüssen, Bergen, mythologischen Gestalten, Religionen, Sekten, Parteien, Sternen, die Titel von Zeitschriften und anonymen Werken aufgenommen. Auch Jean Pauls Hunde, seine ständigen Begleiter, durften nicht fehlen. Es versteht sich, daß auch Stellen angeführt werden, wo der betreffende Name nicht direkt genannt, aber deutlich gemeint oder gedacht ist. — Abweichend von der Sophienausgabe werden die Namen von Fürstlichkeiten nicht unter ihren Ländern, sondern, wie z. B. in der Allgemeinen Deutschen Biographie, unter den Vornamen registriert. Gleichnamige Personen sind nach dem Alphabet der Vornamen geordnet, doch sind Familienglieder möglichst beisammen gelassen. Bei mehreren Vornamen ist oft nur der Rufname angegeben. Frauen werden in der Regel unter ihrem ehelichen Namen angeführt, doch wird von dem Mädchennamen, wenn sie auch unter diesem erscheinen, verwiesen. Sehr umfangreiche Artikel, wie namentlich die der Länder und Städte, habe ich ein wenig zu gliedern versucht, da sie ja sonst praktisch kaum zu benutzen sind. Bei Schriftstellern sind die einzelnen Werke, soweit sie in den Briefen erwähnt werden, in alphabetischer Folge mit Angabe des Erscheinungsjahres des Erstdrucks verzeichnet. Längere Titel wurden abgekürzt.

          Vollständig registriert wurden aber nur die Namen im Text der Briefe. Kreuze hinter den Zitaten verweisen auf zugehörige Anmerkungen. Von sonstigen in den Anmerkungen oder den Verzeichnissen der fehlenden Briefe und der Briefe an Jean Paul vorkommenden Namen sind in der Regel nur solche eigens registriert, die im Text nicht vorkommen. Im übrigen sei auf die Vorbemerkung zum Register (S. 54) verwiesen.

          Die Namen werden in der heute gültigen Schreibweise registriert. Wenn die Jean Paulsche Schreibung davon abweicht, wird sie in Klammern beigefügt.

          Die Personalien sind ja im allgemeinen schon in den Anmerkungen der einzelnen Bände angegeben, bei Korrespondenten in der Anmerkung zu dem ersten Brief an die betreffende Person. Doch konnten diese Angaben im Register vielfach ergänzt werden.

          Zu danken habe ich zunächst denen, die mir für den ersten Teil des Bandes Handschriften zur Verfügung gestellt oder nachgewiesen haben, sodann allen denen, die mich bei den Berichtigungen und Ergänzungen und bei den Personalien des Registers mit Auskünften unterstützt haben. Ihre Zahl ist so groß, daß ich sie leider hier nicht einzeln anführen kann, sondern mich mit einem sehr herzlichen Generaldank begnügen muß. Besonders danken möchte ich nur Herrn Horst Heldmann in Nürnberg, Herrn Dr. Johannes Reiher in Dresden und Herrn Professor Dr. Kurt Schreinert in Göttingen, die keine Zeit und Mühe gescheut haben, meine vielen, oft schwierigen Anfragen zu beantworten, vor allem aber Herrn Dr. Werner Volke in Marbach der mir bei der sehr mühsamen Zusammenstellung und der Korrektur des Registers unermüdlich geholfen hat. Zum Schluß sei auch der Leitung und den Angestellten des Akademie-Verlags und der Druckerei für die reibungslose Durchführung des nicht immer einfachen Satzes Anerkennung und Dank ausgesprochen.

          Marbach a. N., im Oktober 1963. Eduard Berend