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Korrespondenz

Von Jean Paul an Adolf Heinrich Friedrich (ab 1808) von Schlichtegroll. Hof, 21. Februar 1797.

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[ Hof, 21. Febr. 1797 ]
300,21

Ihr Brief brachte mir zu den Vorfrühlings-Tagen, die der Himmel
über uns öfnet, gleichsam die Schmetterlinge und die Blumen mit.
Man wird besser durch Bücherlesen als durch Bücherschreiben und ich
habe oft gewünscht, ich könte meine Sachen lesen ohne sie zu machen,300,25
um mein eigner Bischof in partibus infid[elium] zu werden. Warlich
oft bedarf der Exorzist selber des Exorzism. Das Gute hat das
Schreiben, daß es den grellen Kontrast des Ideals mit der Altäglich
keit mildert: die ewige Sehnsucht nach dem Ideal wird durch die Dar
stellung desselben entladen wie die Liebe durch Besiz. Aber beim Leser,300,30
der die Darstellung nur betrachtet, ist der umgekehrte Fal. Möge Ihnen
das Schiksal den Kontrast ersparen oder verbergen durch Mitteltinten!
Mög’ es aus Ihrem Lebens Mai die Maifröste weg lassen! Und auf301,1
dem Siegel Ihrer Zukunft stehe immer das holde Wort des Ihrigen:
Χαιρε!

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Adolf Heinrich Friedrich (ab 1808) von Schlichtegroll. Hof, 21. Februar 1797. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_538


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Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958. Briefnr.: 539. Seite(n): 300-301 (Brieftext) und 497-498 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

K: Schlichtegrol 21 Febr. i: Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung, 1. Sept. 1888, Nr. 70. A: IV. Abt., II, Nr. 238.

Von Jean Pauls Briefen an Schlichtegroll und dessen Frau, mit denen er bald in freundschaftliche Verbindung und Briefwechsel kam, haben sich nur ganz wenige Originale erhalten. (Ernst Förster schreibt am 21. Okt. 1830 an Karoline Richter: „Die gute Schlichtegroll brachte mir auf meine Bitte, was sie an Briefen vom Vater hat; aber guter Gott! das ist wenig. Ich hätte nicht geglaubt, daß ein Mensch so leichtsinnig mit den herrlichsten Seelenschätzen umgehen können.“) Dagegen sind die Briefe des Ehepaars an Jean Paul ziemlich vollständig erhalten, etwa 30 an der Zahl (Berlin JP); doch fehlt der hier beantwortete erste; vgl. 317, 22. Adolf Friedrich Schlichtegroll (1765—1822) war damals Lehrer am Gymnasium in Gotha und schriftstellerisch als Biograph, Archäologe und Numismatiker tätig. Nach A versprach Jean Paul, nach Gotha zu kommen.