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Weimar d. 30 [?] Nov. 98.
123,21
Ein kurzer Brief ist doch auch einer, ich kan nicht allemal über meine
Sehnsucht herschen und mus sie durch meine Worte stillen. Warum
schweigen Sie? — Sie könten mir so viel aus Ihrem Innern, aus
seinen Epochen erzählen — denn meine Bücher sind Briefe und meine123,25
Zeit ein Nichts — Sie könten mir sogar Ihr Tagebuch schicken, oder
doch exzerpieren — aber Sie passen. Wie geht es mit Ihrem Engli-
schen?

Berechnete ich mehr mein Vergnügen als meine Pflicht: warlich so
würd’ ich mehr Briefe als Bücher schreiben. — Gute, theuere, un123,30
vergesliche Amöne! dem Raubgeier deiner stillen Freuden sind gewis
bisher die Federn ausgefallen, das hoft mein Herz. Komme bald zu
mir und sprich lange und vergieb dem Stummen! O wenn am Ge
burtstage unsers Otto Ihre und seine Thränen sinken und ihr an euere 124,1
Herzen: so ist meines erinnernd und wünschend auch bei Euch!

Ihr alter Freund R.


K: Amöne 30. J 1: Morgenblatt, 7. Aug. 1829, Nr. 188 (15. Nov.). *J 2: Otto 4,268 (15. Nov.). 123 , 27 aber bis Englischen?] fehlt J 1 29 warlich] fehlt J 1
Das Datum von J 1 und J 2 stimmt schwerlich; jedenfalls wurde der Brief erst am 30. Nov. beendigt.

Textgrundlage:

*162. An Amöne Herold. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959.

Seite(n): 123-124 (Brieftext); 434 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Amöne Herold. Weimar, 30. November 1798. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=III_162 >


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