Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.



[ Weimar, 9. Dez. 1798 ]
133,13
Wie durch einen breiten tiefen Morgennebel streck’ ich meine Hand
über 15 Jahre und fasse damit deine wieder, aber ich mus schon sagen:133,15
guten Tag! da nur der Jüngling sagen konte: guten Morgen! So hel
ist dein liebes Bild auf meine Vergangenheit gemalt. — Seit deiner
Unsichtbarkeit. Lasse mich so alt werden wie Homers Werke: so fehlen
mir doch ein paar Säkula um alle meine Entwürfe in und vor mir zu
edieren. — Terziensein — Die Heide würde meine Augen aushungern. 133,20
— von von — Ich habe mir einen freien lichten Lebensweg durch einen
sehr dicken Forst gehauen und meinem Glük fehlet nichts als eine
Theilerin — den kritischen Augen-, Ohren- und andern Fellen —
— durch das Grabloch in die Unsterblichkeit hinunterschauen. — Auf
der Erde mus alles gesagt, beleuchtet werden; die mitlere Entfernung133,25
aus der kleinsten und grösten ergiebt sich dan schon von selbst. Der
Offizin und Makrobiotik in meinem Kopf verdank’ ichs. Ich verachte
das Leben blos so daß ich alles darin entbehren und geniessen kan. Das
Beste darin ist unsere jugendliche Meinung davon. Die Entzückung
möge dein beklommenes Herz aufsuchen und darin alt werden. Dein133,30
Leben sei wie das Erwachen eines Menschen, der von einem Traum
innig seelig ist und ihn nicht mehr weis.

K: Schütze in Barkau den 9 Dec. i: Wahrheit 6,72×. B 1: IV. Abt., II, Nr. 240. B 2: IV. Abt., III.1, Nr. 96. A: IV. Abt., III.1, Nr. 131. 133 , 20 Terziensein] mit Blei verb. aus Terzien sein 30–32 der letzte Satz mit Blei gestr.
Vgl. Bd. I, 452, zu Nr. 73. Schütze hatte in B 2, worin er Richter duzt, für den Gruß in den Palingenesien (I. Abt., VII, 164,16) gedankt, die Er innerung an die Leipziger Bekanntschaft neuerdings aufgefrischt, den Wunsch eines Wiedersehens ausgesprochen und von der allgemeinen Ver ehrung für Jean Paul erzählt. 133,20 Heide: vgl. 166 , 22 .

Erwähnungen im Kommentar:

Werke Jean Pauls

Textgrundlage:

168. An Christian Heinrich Schütze in Barkau. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959.

Seite(n): 133 (Brieftext); 436-437 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Christian Heinrich Schütze. Weimar, 9. Dezember 1798. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=III_168 >


Zum XML/TEI-file des Briefes