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[ Weimar, 31. Dez. 1798 ]
142,29
Ich schicke Ihnen, theuerste holdeste Karoline, 2 neue Aufsäze aus 142,30
meinen „Briefen“, blos um Sie mit weniger Unhöflichkeit um die
vorausgegangnen bitten zu können. Jene sind für Kinder bestimt
und stehen, obwohl roher, schon in einem Kindertaschenbuch gedrukt.

— Der lezte Tag des Jahrs ist für mich ein stiller Karfreitag, den143,1
ich, ohne Arbeiten und ohne Besuche, blos mit einem weichen Be
schauen der Vergangenheit und des Lebens und des Innern verträume.
Und da kein Jahr meiner Seele so viel gab als dieses seit 2 Monaten:
so mus ich ja heute mit den innigsten Wünschen des heitersten künftigen143,5
an die zwei unaussprechlich geliebten Wesen denken.

Vergeben Sie einem Menschen, der nichts ähnliches mit der ver
kalkten Generazion um sich hat, die alte Sitte des herzlichsten Wunsches.
Wünschen ist Lieben;

[Ihr] Freund [?] Richter.

H: Berlin JP. 1 S. quer 8°. A: IV. Abt., III.1, Nr. 118.
Vgl. A: „Bis zum Abend mußte ich Ihr liebevolles Morgenbillet un beantwortet lassen, ich gehe etwas schwach und krank aus dem alten ins neue Jahr ... Sie sagen ja selbst, daß Dank und Liebe keine Worte haben .. Ich habe diesen Morgen die 3 herzlichen Briefe übersandt und behalte die frischen, bis sie durch folgende abgelöst werden ...“ Vgl. 137,24 –28† und 111 , 13 †.

Textgrundlage:

182. An Karoline Herder. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959.

Seite(n): 142-143 (Brieftext); 440 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Caroline Herder. Weimar, 31. Dezember 1798. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=III_182 >


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