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[ Weimar, 16. April 1799
181,12
Ich weis nicht, lieber Freund, in wie viel Zeichnungen die Geschichte
der Corday zerfallen sol; ich kan mir nur den Stof zu 3. denken.
I. wie sie vor Marat (dessen Bad-Lage eben nicht die bestimteste zu 181,15
sein braucht) ruhig und ihm ein Komplot anzeigend steht (ob ihre
Hand oder Stellung schon einen Wink ihrer That verrathen darf, mus
der Künstler entscheiden) — II. wie sie vor dem Konvente nach dem
abgelesenen Todes- oder Mordurtheil ihrem Defensor dankt — III. wie
sie auf dem Blutgerüst freundlich neben dem Tode steht und das Volk181,20
begrüsset, das, obwohl boue de Paris, doch ein Bravo ruft. —
N. I. und III. haben den Vorzug, die Phantasie vom sichtbaren
Gemälde sogleich zu einem unsichtbaren zweiten zu treiben. —

Mögen Sie froh reisen und in Leipzig noch etwas besseres finden
als Neuigkeiten, nämlich Freude und Freunde. Grüssen Sie Weisse und 181,25
Platner.

Richter

London und Paris? — Litterar. Anzeiger?

Ich bitte Sie sehr, diesen Brief an Matzdorf so bald er ankomt, zu
schicken; oder an Beigang mit meiner Bitte, ihn sogleich zu übergeben. 181,30

H: Dresden. 1 S.; auf der Rücks. Adr.: H. Oberkonsistorialrath Böttiger. J 1: Telegraph×. J 2: Denkw. 3,45×. 181 , 20 freundlich] aus fröh[lich] 23 unsichtbaren] nachtr.
Datiert nach FB Nr. 21. Der Aufsatz über die Corday erschien ohne Bilder.

Textgrundlage:

244. An Böttiger. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959.

Seite(n): 181 (Brieftext); 454 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Carl August Böttiger. Weimar, 16. April 1799. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=III_244 >


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