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L[eipzig] d. 5. Jenn. 98 [Freitag].
32,29
Meine Amöne! Gerade bei meiner Zurükkehr vom sanften Eden32,30
Belgershain fand ich die lieblichen Laute Ihrer Seele. Dort fand ich,
Gute, einen Brief von Ihnen, der Ihre Schmerzen in mein Herz ein
schnit. Nein, Amöne — ich wil Ihnen einmal schreiben über Ihr zer
störendes Ahnden und Lieben des Todes. —

Oertel hat für Sie das alte Herz: schreiben Sie sein Schweigen 33,1
blos seinen Arbeiten und Freuden zu.

— Sagen Sie Otto, daß ich Sontags bei D. Rosenmüller esse und
also über seine Konzilien alles erfragen kan. —

Ich werde hier recht geliebt. Eben war Weisse wieder bei mir, der 33,5
mich wie ein Vater liebhat; Platner sagt es auch von sich, aber ich
bin ihm ein sein Ich zurükspiegelnder glatter Marmor. Die
Berlepsch gab mir zu Weihnachten — ausser den Gaben von ihrer
Tochter — eine herliche Magdalene von Battoni, (ein Stük der
chalkographischen Geselschaft von einem hohen Werthe), endlich einen33,10
Lorbeerkranz mit der Aufschrift: Für dich, und an ihm ein Vergis
meinnichtkränzgen mit der Aufschrift: Für mich.

Kom an mein Herz, Amöne, und bleibe an ihm immer! Ach wie
hab ich dich geliebt! — Nun wenn die künftigen Jahre kommen,
müssen sie dich an meiner Seele finden! Die Vergangenheit und die33,15
Entfernung lege den Schleier über das, was ich an dir tadelte — und
du öfne vor mir das reine Auge und bringe das Herz vol Heiligkeit an
die wärmste Brust! — Ach Amöne, wenn ich deine Gestalt
einmal wiedersehe, wie wird sie mich erquicken, wie wird sie mich ver
wunden, wie werd ich mich trennen, wie wirst du mich lieben. — Fühlst33,20
du nicht daß du mich liebst? — und ich dich? —

R.


H: Kunst- u. Altertümersammlung der Veste Coburg. 2 S. 8°; überschrieben: An Amöne. K: Amöne 5 Jenn. J: Otto 4,258×. A: IV. Abt., III.1, Nr. 26? 32 , 33 mein Herz] meine Seele K 33 , 7 sein Ich zurük] nachtr. H 8 von] nachtr. H 17 Heiligkeit] Reinigkeit K 20 lieben] aus entbehren H
33 , 3 f. Rosenmüller: s. 25,7 †. Otto hatte am 3. Jan. geschrieben, er brauche nicht die Akten des Tridentinischen Konzils, die er immer ver sehentlich bekomme, sondern die des Klermonter oder Kostnitzer Konzils; vgl. Bd. II, Nr. 128, 291 und 565, 95,18, 179,35f., 311,14f. 9f. Die büßende Magdalena von Batoni in der Dresdner Galerie, gestochen von Bause; vgl. Bd. VI, zu Nr. 429, und Persönl. 213,13 .

Textgrundlage:

39. An Amöne Herold. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 3. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1959.

Seite(n): 32-33 (Brieftext); 398 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Amöne Herold. Leipzig, 5. Januar 1798. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=III_39 >


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