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[ Hof, 3. Juni 1795 ]
90,28
Eine Rezension der Rezension würde weniger Tadel dieses Urtheils
enthalten als das Urtheil selbst. Ich theile meinen Dank dafür90,30
zwischen dem edlen Richter, über den des Aristoteles h. Geist aus-
gegossen sei, und zwischen dem, der ihn dazu ernante — um so mehr,
da oft eine Wahl eines Kunstrichters nichts ist als ein kürzeres Kunst
urtheil selbst. Das gute Schiksal verwand[elte] meine Bitte in meinen
Dank. Ich komme dieser Verwandlung zuvor und bringe die Bitte90,35
früher — um eine Jagdtaufe. Die Gründe, die alle Bitten des früh91,1
zeitigen [Rezensierens] mit einander gemein haben, heben sich gegen
seitig auf: die, die ich allein gegen die usos und Respittage habe, sind
diese. 1. Der Hesperus bedarf, wenn er mehr ein Stern als eine Stern-
schnuppe ist, litterarischer Ephemeriden, um gesehen zu werden, da91,5
das Publikum keine andern Augen hat als unbewafnete. Er ist nicht
für eine Lesewelt gemacht, die — so wie Eidexen, Schlangen,
Schw[eine] Schoosthiere der Damen und Kosaken, Mohren, Affen
Schoosmenschen der Grossen sind — Schoosbücher, die beiden
gleichen, hat. [2.] Es scheint, die Jagdtaufe des Hesperus hebe die91,10
späte Dauphinstaufe der Loge [?] wieder auf. Den Muth zum 3ten
Grunde giebt mir nur die Wahl des Richters [in] No. 116, zu dem daß
das Buch in 3 Theilen in die Welt gekommen und nicht in den
Meskatalog. Ich wiederhole meinen Dank und die Bitte um Ver
zeihung mehr als um Beschleunigung.91,15


K: Schüz in Jena. 3 Jun.
Richter dankt dem Redakteur der Allgemeinen Literaturzeitung für die freundliche Rezension der Unsichtbaren Loge (vgl. 80,21†). 90,34ff. ist wohl so zu verstehen: ich hatte eigentlich um baldige Rezension der Unsichtbaren Loge bitten wollen; da diese Bitte schon erfüllt ist, habe ich nur noch dafür zu danken; beim Hesperus will ich aber mit der Bitte nicht so lange warten. Vgl. Nr. 197.

Textgrundlage:

120. An Hofrat Schütz in Jena. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 90-91 (Brieftext); 419 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Christian Conrad Moritz und Christian Gottfried Schütz. Hof, 3. Juni 1795. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_120 >


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