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[ Hof, 12. Nov. 1795 ]
127,2
Ich hoffe, daß das sandige Arabien, wo Sie nun den Mockakaffee
trinken, auch das glükliche für Sie sei. Wahrscheinlich wird das
kleine Stük vom Flusse der Zeit, das vom November bis zum Mai127,5
verläuft, mich in die Gewässer der Spree und in die Wohnung ziehen etc.
Wenn Sie bisher einen Auxiliar Genius hatten: so haben Sie in den
Berliner Strudeln und Ir-Klüften auf [der] rechten und linken Seite
einen nöthig. In grossen Städten kan man alles leicht werden, gelehrt,
reich und froh — nur nicht gros und gut. Das gute Schiksal bedecke127,10
Sie gegen den moralischen Gassenkot, der so leicht in grossen Städten
an uns sprizt — Die wenigsten Mädgen haben eine Mutter. — Sie
scheinen der Gellertschen Regel, daß ein Brief ein Gespräch mit
Abwesenden sei, darin zu folgen, daß Sie Ihre Ortographie [!] nach
der Aussprache modeln. Schreiben Sie nur jede Woche 14 Wörter127,15
recht. Zum Rechtschreiben gehört langsam schreiben.

K (nach Nr. 186): 12 Nov. Roltsch. i: Nachlaß 4,264×. B: IV. Abt., II, Nr. 55. A: IV. Abt., II, Nr. 63. 127 , 8 rechten und linken] aus jeder
Einlage in Nr. 192. Nach A enthielt der Brief die Aufforderung, noch mehr von der Familie Matzdorff zu schreiben. 127,7 Auxiliargenius: wohl Jean Paul selber, vgl. zu Nr. 10. 12 Mädchen: die Bemerkung be zieht sich vielleicht auf Sophie Völkel (s. FB Nr. 4), in die Rolsch anscheinend verliebt war; er hatte sich in B nach „Demoiselle Fikchen“ erkundigt, vielleicht auch einen Brief an sie eingelegt: „H. Moritz ver sprach mir, einige Zeilen an Ihnen mit einzuschlüssen; nehmen Sie nicht ungietig, das ich wieder welche einschiebe und daher eine gedoppelte Einlage mache.“ Im Brief an J. P. IV, Abt. II., Nr. 69 schreibt er: „Sie schrieben mir neulich, Madem. Völkelin wird schöner; daher bin ich so frei etwas an sie bey zu legen, das ihrer Schönheit vielleicht mehr Werth giebt ...“

Textgrundlage:

191. An Rolsch in Berlin. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 127 (Brieftext); 432-433 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Carl Christian Rolsch (Roltsch). Hof, 12. November 1795. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_191 >


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