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[ Hof, 18. Nov. 1795 ]
131,13
Hier haben Sie eine kleine Insel, die der Meersgrund meiner Seele
ins Freie heraufgetrieben: möge sie, da sie keine Gewürzinsel ist, für 131,15
Sie doch mehr Blumen als Schaalthiere haben. Mit einem Autor
wohnt der Leser auf einem südlichen Eiland der Phantasie so zu
sammen wie mit Freitag Robinson auf seinem. Ich werde mir gern
von Ihnen in die Seele schauen lassen — — das schöne Elysium der
Phantasie wird uns immer verbunden halten und wenn der Traum131,20
nied[er?] ist, sind wir noch beisammen .. Mich umwehen immer so
vielerlei Winde. — Man mus unter der Kritik sein, um gegen sie zu
sein. — Es that mir freundsch[aftlich] mit wehe, daß die schöne
Perspektive einer hellen Zukunft sich Ihnen, wie alle Alleen thun, nicht
so wol entzog als doch näher gezeigt als sie war. — Mir schlug nie in131,25
meinem Leben eine Hofnung fehl, die mir nicht einige Jahre darauf
im Licht einer Besorgnis erschienen wäre. Der enge Erdensohn, der
nicht den Muth hätte, das Wetter eines Sommers als Vikariatsgot zu
machen, erdreistet sich das Wetter eines ganzen Menschenlebens, an
dessen Leitung das Geschik einer Nachwelt hängt, entwerfen zu wollen.131,30
— Er betrauert andre, als gäb’ es keine Zukunft dort, und sich, als gäb’
es keine hier. Alle unsre Leidenschaften sind Ungläubige und Gottes
läugner. Der Himmel, der Ihnen den Weg zu Ihrer Ruhe länger
zeichnet, umgebe das Ende desselben mit schönen Ruhepläzen und mit
Frühlingprospekten und bewahre Ihnen die hohe Festigkeit im Mis131,35
geschik, die in der Freundschaft gegen Sie immer behaupten wird etc.

K: Ellrodt. 18 Nov. 95. i: Nachlaß 4,265. 131 , 22 sein] mit Blei nachtr. 31 Er bis 33 Gottesläugner.] mit Blei gestr.
131 , 24 Perspektive: wohl die Aussicht auf ein Pfarramt.

Textgrundlage:

196. An Dr. Ellrodt in Bayreuth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 131 (Brieftext); 434 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Theodor Christian Ellrodt. Hof, 18. November 1795. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_196 >


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