Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.



Hof d. 9 Febr. 1796.
153,10
Innigst geliebter Freund,

Sie schicken mir in das eiserne Bette der Monarchie den holden
Traum der platonischen Republik; aber in diesem Traume, der wie alle
Träume nur ein freier Abdruk der Wirklichkeit sein mus, steht Gleich
heit der Güter voran; und diese fält bei unserm Troquieren meiner und153,15
Ihrer Bücher hinweg. Wie kommen Sie, bester Freund, der so sehr
mein Gläubiger ist, dazu, mich für meine litterarischen Meteore so zu
beschämen, die Sie dem Autor und dem Freunde schon genugsam ver
gelten, wenn Sie sie anschauen, ich meine — lesen. Ich war in meinem
ganzen Leben selten so glüklich, irgend jemand etwas geben zu können;153,20
und es befriedigt daher jezt meine Seele sanft, daß ich doch wenigstens
meine opuscula geben kan. Darum nehmen Sie nicht diesem Ver
gnügen sein kleines Verdienst.

Unser Band der Freundschaft wirret sich immer für Sie zu
gordischen Knoten; ein solcher ist die Sache des Theodorus; — 153,25
ich bins nicht. — Aber sogar der Zufal sucht noch zu meinem monte
di pietà
und zu meiner Debitmasse bei Ihnen zuzutragen und auf
zuhäufen.

Ihr kleiner Infant und Dauphin möge sich an [das] Versprechen
erinnern, daß er im Frühjahr dem Frühjahr gleichen wolle.153,30

In acht Tagen kan ich Ihrer Nachsicht wieder einen neuen Gegen
stand schicken, ein neues Buch. Alles was ein Herz vol Freundschaft für
Ihre Gattin, für Sie und den Prinzen in Gestalt der Wünsche ent-
halten kan, bewahrt das meinige für Sie alle.

Richter
153,35

K: Schäfer 9 Feb. 96. * J: Denkw. 3,1. B: IV. Abt., II, Nr. 71. A: IV. Abt., II, Nr. 73. 153,29f. aus K ergänzt.
Vgl. Nr. 229. Schäfer hatte „als ein geringes Merkmal einer ungleich größern Freundschaft und Erkenntlichkeit“ das Buch von Karl Morgen- stern „De Platonis republica“, Halle 1794, geschickt. 153,24–28 Vgl. B: „Sie dachten bei Ihrem Auftrag wegen Theodorus, wie die Alten: Mitte sapientem et dic ei pauca. Daran hatten Sie Unrecht. Ich wußte Völdern dorf nicht einmal zu sagen, ob Theodorus ein Manuskript oder eine Druck schrift eingeschickt habe ... Völderndorf erinnert sich, unter diesem oder einem ähnlichen Namen vor einem Jahre eine Druckschrift erhalten zu haben, er glaubte, sie sei zu rezensieren; in der Folge bekannte sich ein Hochehrwürdiger aus Regensburg dazu und verlangte dafür ein Trinkgeld von zwei Laubthalern. Nimmermehr kann dies der Theodor quaestionis sein. Ich bitte Sie um Verhaltungsvorschriften ...“ J ist hier offenbar unvollständig.

Textgrundlage:

*232. An Hofrat Schäfer in Bayreuth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 153 (Brieftext); 440-441 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Gottfried Andreas Schäfer. Hof, 9. Februar 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_232 >


Zum XML/TEI-file des Briefes