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[ Hof, 20. Febr. 1796 ]
157,7
In Ihr optisches Eden für unsern Lafayette — diesen Epami-
nondas, der das Feuer des Muths mit dem stillen Licht der besonnenen
Tugend vereinigt — flog Ihnen gern meine Seele nach und gieng157,10
von Blume zu Blume darin, indes die unsichtbare Musik stat d[es]
Zephyr[s] über die hängende glükliche Insel flos. Das musikalische
Gemälde kan ich nur nach der jämmerlichen Kopie erheben, die meine
Finger davon zu nehmen wissen. Fremde Musik wandt’ ich nur zur
Windlade der eignen an. Ich kan in meiner Seele draussen unter dem157,15
freien Himmel Harmonien und Melodien hören, die mich musikalisch
zersezen; aber in die Finger kan ich jene so deutlich vernommenen Töne
nicht heruntertreiben. Das ist der Unterschied zwischen mir und dem
Talent, ich wil eines darüber befragen — die 2 Red[en] müssen den
Ueberrest Ihnen präsent[ieren] und es entschuldigen, daß das Buch ein157,20
Standquartier auf dem klassischen Boden Ihres Bücherbrettes sucht —
reicher Brief vol Goldadern — Wie sanft wird es uns im Frühling
thun, wenn uns — anstat daß sonst nur Unglük die Menschen an
einander treibt, wie Blizschläge, Stösse das Eisen magnetisch machen —
blos das Glük verknüpft und Blumen und Frühlingweiden und der157,25
sanfte Arm der neuen Natur.

K (nach Nr. 238): Oertel Leipz. 20. Feb. 96. i: Denkw. 1,326 ×. 157 , 8 ihr
Worauf sich der Anfang bezieht, weiß ich nicht. 157 , 19 zwei Reden: Rede des toten Christus und Adams Hochzeitrede im 1. Band des Siebenkäs, den Jean Paul übersendet.

Textgrundlage:

242. An Friedrich von Oertel in Leipzig. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 157 (Brieftext); 442 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Friedrich Benedikt von Oertel. Hof, 20. Februar 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_242 >


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