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Hof d. 8 März 1796.
163,29
Gute Renata! Wenn Sie dieses Buch und dieses Blat morgen in 163,30
die Hände nehmen: so werden Sie schon alles errathen, was meine
Seele der Ihrigen zu sagen hat. Aber stat meiner sag’ Ihnen Ihr
Christoph, wenn er Sie unter der Morgenröthe Ihres aufgehenden
Jahres in die Arme schliesset, alles, was ich verschweige — er sag’164,1
Ihnen: „mache dein Auge heute nicht nas, ausser vor Freude — In
„deinem Leben sei wie in diesem Buche nur ein Wechsel zwischen
Frucht- und Blumenstücken, und die Dornenstücke breche das
„Schiksal gar hinweg. — Dein zweifaches Leben zertheile sich sanft164,5
„und was unter deinem Herzen schläft, das wache lang an deinem
„Herzen! — Mögen die Wolken deines Lebens sich in Morgenroth
„verwandeln! — Mögest du immer so glüklich sein als du glüklich
„machst!“ Und so, Theuere, gehen wir in jedem neuen Jahr neu und
enger verknüpft in der alten Liebe, in der alten Umfassung den steinigen164,10
Weg des Lebens weiter — und wo uns diese kurze Bahn Schmerzen
macht: so können wir uns doch sagen: wir sind glüklich, denn wir
lieben uns. — Liebet euch! Ich lieb’ euch auch.

Richter


H: DLA, Marbach; ehem. Prof. Ernst Küster, Gießen. 2½ S. 4°. J: Täglichsbeck S. 78.
Richter übersendet zu Renatens Geburtstag (9. März) den 1. Band des Siebenkäs. 164,5–7 Vgl. Nr. 329†.

Textgrundlage:

259. An Renate Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 163-164 (Brieftext); 446 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Renate Otto. Hof, 8. März 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_259 >


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