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Hof d. 22 März 1796.
169,2
Gar zu gute Renate,

Ich habe kaum eine Sprache für meinen Dank. Sie schicken mir
einen seeligen Morgen zu und opfern den Ihrigen auf: es thut mir169,5
wehe und wol zugleich, wenn ich mir Sie vorstelle, wie Sie froh und
gern für Ihren magern Freund den ganzen Morgen arbeiten. Beste,
Geduldige, was kan Ihnen der arme Paul dafür geben und thun, da
er nichts hat als seine Freundschaft, die Sie schon lange haben? —
Ich wünschte, heute wäre wieder Ihr Geburtstag, damit ich Ihnen169,10
alle Ihre Wünsche doppelt wieder geben dürfte. Lassen Sie mir Ihre
gute Hand, an der ich durch so viele Jahre schon gieng, auch auf dem
Wege über mein neues. Und du, guter Himmel, gieb ihrem sanften
Herzen immer die Freude, die sie so gern austheilt, und ihr Lebenstag
sei ein Johannistag, lang und vol Blüten und ohne Wolken und169,15
warm und stil, und abends sei die Wolke aus goldenem Abendrothe,
die sie wie uns alle bedekt!

Immer und immer
Ihr Freund

Und wie wil ich Ihnen, bester Christoph, genug danken? Sie be169,20
schämten meine neuliche jämmerliche Gabe der Fruchtstücke mit
wahren Früchten zu sehr. Dieses Ananasgebäk ist für mich ein Liebes
mal im eigentlichen Sin. Da ich schon gestern meinen Geburtstag
feierte: so hab’ ich heute den Wiedergeburts- oder Tauftag, der alle
mal besser ist als jener, und an dem man, wie Sie mit mir thun, in169,25
ein schönes Gefängnis bei (Lebens) Wasser und (Himmels) Brod
gesezt wird. Auch meine Mutter läst Ihnen danken. — Nehmen Sie
mir nie Ihre Freundschaft, aber lassen Sie einmal die Reihe, eine zu
beweisen, auch an mich gelangen. Von ganzer Seele und ganzem
Herzen169,30

Ihr
Freund
Richter


Abends komm’ ich.

J: Täglichsbeck S. 80. Adr.: An Frau Otto und H. Otto. 169 , 8 Paul 12 an] in 17 Sie

Textgrundlage:

*270. An Renate und Christoph Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 169 (Brieftext); 448 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christoph Otto und Renate Otto. Hof, 22. März 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_270 >


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