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[ Hof, 16. April 1796 ]
178,21
Es kostet Sie blos 2 Seiten um einen Leser glüklich zu machen, indes
ein Autor [es] in 400 kaum vermag. H. [Ahlefeld] werd’ ich meinen
Dank für die Gelegenheit sagen, die ich ihm halb zuzuschreiben [?] habe,
daß ich Ihnen den jezigen bringen darf. [Ich werde H. Ahlefeld immer178,25
mehr über Sie glauben als Ihnen selber:] ehe der Enthusiasmus grosse
Schönheiten erdichtet, müssen sie schon dagewesen sein, um ihn zu er
zeugen. Der Reiz einer schönen weiblichen Seele ist, da die Fassung so
sehr als der Edelstein glänzt, almächtig. Sie wirft ihre Stralen durch
eine schöne Hülle, die wie Vasen von Volterra Alabaster den Schimmer 178,30
mildert, um ihn zu verschönern. — Möge das Schiksal im rohen
nordischen Wetter des Lebens den weichen zarten Blüten einer
jeden schönen Seele eine milde Sonne und eine schirmende Decke
geben.

K: v. Kropf Bayreuth 16 Ap. 96. i: Wahrheit 5,29. B: IV. Abt., II, Nr. 84. 178,25f. ergänzt aus Nr. 295.
Ernestine Johanne Friederike Wilhelmine (genannt Minette oder Minona) von Kropff, geb. Adolphi, geb. wahrscheinlich 1769 in Berlin (s. 193,27.31), war die Gattin des Oberstleutnants Heinrich von Kropff in Bayreuth (s. Nr. 518†) und Mutter von zwei Söhnen, von denen der eine bei Waterloo fiel, der andere, Heinrich Friedrich Karl Alexander Wilhelm (s. 195,31), geb. 1. Mai 1790 in Potsdam, Leutnant im bayr. Inf.-Rgt. Nr. 13 (Bayreuth), 1817 in die bayrische Adelsmatrikel aufgenommen wurde und sich 1818 vermählte, aber ohne Nachkommen starb. Jean Pauls Briefe an Minette kamen in den Autographenhandel (s. Organ für Autographen sammler, 1. Jg., 1859, Nr. 7, S. 100) und sind jetzt in der Library of Williams College, Williamstown, Mass.; Fr. Carter hat sie 1886 in eng lischer Übersetzung veröffentlicht. Dieser erste und der Anfang des zweiten (Nr. 297) fehlen. Von ihr sind 5 Briefe an J. P. erhalten (Berlin JP). Über ihre Beziehung zu Ahlefeldt s. zu Nr. 252. Sie hatte mit B Ahle feldts Brief an J. P. IV. Abt., II, Nr. 80 übersandt und sich bei der Gelegenheit als seine ihm schon längst durch Seelenharmonie verbundene Freundin be kannt: „Nur bitte ich sehr, rechnen Sie auf allen [!] was Sie etwa durch unsern Ahlefeldt von dieser Baireuther Klotilde hörten, nicht; — er hat Ihnen gewis mein Bild, Phisisch und Moralisch, durch das alles verschö nernde Kolorit der Liebe gezeichnet, einer Liebe, die nie erwiedert werden kann, ihn, den guten Edlen, unglüklich macht, und meine Tage oft trübt.“ Den vorliegenden Brief Jean Pauls sandte sie am 23. April an Ahlefeldt, der ihn am 29. erhielt. 178,29–31 Vgl. I. Abt., V, 310, 20–22 .

Textgrundlage:

290. An Wilhelmine von Kropff in Bayreuth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 178 (Brieftext); 450-451 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Wilhelmine von Kropff. Hof, 16. April 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_290 >


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