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Bayreuth in der Sonne d. 14 Mai 96 [Sonnabend].
189,26
Das erste was ich in Bayreuth begehrte, war eine Feder, um
Ihnen, gnädige Frau, zu melden, daß mich das Wetter nur ein
einziges mal, — am Donnerstag —, zum Lügner gemacht. Mögen um
die Träume Ihres heutigen Morgenschlafs so viele Blumen und189,30
Blüten und Hofnungen geflogen sein als meine wachen unter Weges
umgaben, wo ich immerfort die schöne Perspektive Ihrer Gegend
und — dieses Blätgens hatte. Von Ihrem Stilschweigen auf lezteres
werd’ ich die eigennüzige Auslegung machen, daß ich endlich, endlich190,1
um 5 Uhr abends meine Pfingstfeiertage anfangen und Sie sehen
darf. — Da heute Sonabend ist, wo in allen Kirchen absolvieret und
vergeben wird: so haben Sie genug Gelegenheit, Ihr Zimmer zu
meinem Tempel und Ihren Stuhl zu meinem Beichtstuhle zu machen190,5
und dem armen Jean Paul die vielen Sünden, die Sie nicht hören
sondern sehen, mit der Nachsicht der Freundschaft zu vergeben. Ich
habe das Glük, mitten im Frühling — und blos eine ¼ Stunde von
Ihnen vol Hofnung — vol Freude — vol Erwartung zu sein

Ihr190,10
innigst verehrender Freund
J. P. F. Richter.


H: Williams College. 4 S. 8°. J: Carter Nr. 3. 190 , 8 blos] nachtr.

Textgrundlage:

311. An Wilhelmine von Kropff in Bayreuth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 189-190 (Brieftext); 454 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Wilhelmine von Kropff. Bayreuth, 14. Mai 96. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_311 >


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