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Bayreuth d. 15 Mai 96 [Pfingstsonntag].
192,17
Mein Lieber,

Gehöret das nicht unter die kleinen Träume unsers grossen Traums,
daß ich gestern Vormittags nach Bayreuth gekommen und heute noch 192,20
nicht bei Ihnen gewesen bin — und leider auch nicht sein werde? —
Ich habe Elrodt belogen, ich habe mich belogen, blos um einer Frau
das Wort zu halten. Mit einem Wort die Frau v. Kropf hat mich nach
Bayreuth hergeschrieben, fuhr mir Donnerstags, wo ich kommen
wolte, bis Bernek entgegen, machte mich gestern 2 Stunden in ihrem 192,25
Wagen und [von] 3 Uhr bis 11 Abends in ihrer Stube fest und legt
mich heute wieder vom 12 Uhr Essen an bis ich weis nicht wie lange,
an ihre Perlenschnur. Morgen geht sie nach Kulmbach — und dan
heb’ ich meine Flügel in die Höhe. Nicht einmal Vormittag kan ich
Sie sehen, da [ich] seit einer Stunde bis zum Anziehen Briefe schmieren192,30
mus. Mein guter Emanuel, entschuldigen Sie diese Anomalie mit
der Nachsicht der Freundschaft und thun Sie es auch bei meinem
Freund Schäfer — Ich weis aber, Sie werden beide etwas [anders]
thun als mich entschuldigen — mich auslachen, wie wol ich bin

Ihr Freund192,35
Richter.


H: SBa. 3½ S. 8°. 192,17 15] aus 16 oder umgekehrt 27 12 Uhr] nachtr.
192 , 22 Ellrodt belogen: vgl. 194 , 17 .

Textgrundlage:

313. An Emanuel. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 192 (Brieftext); 455 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Emanuel. Bayreuth, 15. Mai 96. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_313 >


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