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Wenn du wilt [!], gehen wir übermorgen so frühe als wir können,203,30
d. h. als du meine Fracht eingewindelt hast. Ich danke dir sehr und
herzlich für deine eben so schön gedachte als gesagte Sentenz, der ich
das privilegium de non appellando gern ertheile. Welcher Kritiker
hat mir denn nur das \nicefrac {1}{16}tel genüzt, was ich dir verdanke? — Leider ist
der rügende Punkt über den Titel eben so richtig als — zu spät. —204,1
Es freuet mich am meisten daß ich meine Absicht, die künftigen
Schlingen der unschuldigsten Lüge anzumalen, wenigstens bei morali
schen Gefühlen deiner Art erreichet habe: ich hätte beinahe die Oel
malerei mit einem Fingerdruk hinter der Leinwand zu einer erhabenen204,5
herausgehoben und das gesagt, was besser errathen wird. — Die
Folgen der Schwangerschaft erräth unter 1000en nur mein linker
Nachbar. — Warum fällest du nie ein Urtheil von meinen über deine
Sachen? — Ich weis nicht, verdamst, verklagst oder vertheidigst du
sie. — Zu den Köhlerischen wil sich heute bei mir kein sonderlicher 204,10
Lust [!] einfinden, da das Wiesenfest — worauf sie noch dazu vielleicht
selber sind — und der Abschiedsbesuch bei Herold mir die Hände und
Füsse binden und nehmen.
[ Hof ] d. 7 Jul. [vielmehr Juni] 96 [Dienstag].

H: Berlin JP. 2 S. B: IV. Abt., II, Nr. 97. 203 , 31 eingewindelst 204 , 5 mit einem Fingerdruk] nachtr. der der 8 von] aus über
Die Monatsangabe am Schluß ist offenbar ein Versehen. Vgl. den Schluß von B: „Sage mir ohngefähr morgen früh, wann du abreisest, damit ich mich darnach richten kann.“ 204,1–8 Otto hatte in B gemeint, der Titel des Siebenkäs — „Ehestand, Tod und Hochzeit“ — verrate zuviel und mindere die Überraschung; wenn der Leser durch den Brief des Schulrats Lenettens Schwangerschaft erfahre (I. Abt., VI, 516,6), ahne er gleich den Ausgang (Lenettens Tod, der Siebenkäs’ Vereinigung mit Natalie er- möglicht). Gelobt hatte er „die Schilderung der heimlichen Gemüts stimmung Siebenkäsens, die von den vielfältigen Schwierigkeiten und Verwicklungen, in die ihn die Verstellung gebracht hat, und von den (vielleicht oft unbewußten) dilatorischen Einreden des Gewissens her kommt, und die, wie unabsichtlich unter die Begebenheiten verstreuet, den Leser unwiderstehlich befängt, spornt und spannt“. Der linke Nachbar ist natürlich Otto selbst, der damals neben Richter wohnte. 10 Vgl. B: „Wir gehen Abends zu den Köhlerischen.“

Textgrundlage:

330. An Christian Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 203-204 (Brieftext); 458-459 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Hof, 7. Juli oder Juni 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_330 >


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