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Weimar d. 21 Jun. 1796 [Dienstag].
215,7
Hier send’ ich Hamans Schriften wieder, in denen wie auf den
Alpen alle Zonen und Jahreszeiten nahe bei einander liegen. Einen
Band davon hat, auf Verlangen des H. Vicepräsidenten, die Frau 215,10
von Kalb. — Ich habe zu dieser Morgenvisitte bei Ihnen den kleinsten
Repräsentanten von mir gewählt, den es giebt, nämlich dieses Blat;
darum müssen Sie mir die Visitte vergeben.

H. v. Oertel plagt mich schon seit dem Sontage um das „Kinder-
Vademecum“ und die „Vernichtung“; ich plage Sie jezt darum. 215,15
Wenn er beides gelesen: können Sie es, wenn Sie es der Mühe werth
finden, wieder zu sich berufen.

Ich wünsche, daß die Tage des H. Vicepräsidenten und die seiner
würdigsten Gemahlin so reizend verflattern wie die Abende sind, die
man bei Ihnen verlebt und verlacht und verträumt. Schade daß sich215,20
der Frühling wie der menschliche mit Gewölk und Wind beschliest! —

Jean Paul Fr. Richter

[Adr.] An Frau Vice Präsidentin Herder d. G. Mit 3 Büchelgen.

H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 3 S. 8°; Adresse auf der 4. S. J: Herders Nachlaß Nr. 4. A: IV. Abt., II, Nr. 105. 215 , 19 Abende] nachtr.
215,8 f. Vgl. I. Abt., VIII, 311,8f. (Titan, 53. Zykel). 14f. Kinder Vademecum: wohl der Ellrodtsche Jugendkalender mit Jean Pauls Beiträgen, vgl. zu Nr. 155; nach 262,28f. könnte es sich aber auch um die Bonmots-Anthologie handeln.

Textgrundlage:

341. An Karoline Herder in Weimar. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 215 (Brieftext); 461-462 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Caroline Herder. Weimar, 21. Juni 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_341 >


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