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[ Hof, 17. Aug. 1796 ]
234,2
Seine [Herders] Werke waren kühle Quellen für meinen Durst in der
Sandsteppe von Hof. Wenn es kein Papier mehr gäbe, müste man alle
Priesterröcke dazu verarbeiten, damit er seinen Erlöser darauf schriebe 234,5
— Sagen Sie ihm den wärmsten Dank mit Ihren Lippen so — stum
Sie können. Ihre Seele geht gern bergauf bergab, aber der Stand
auf Einer Spize des Gipfels durchschneidet sie. Die Flamme Ihres
Geistes verwandelt in derselben Minute die Gerüste Ihres Gebäudes
in Asche — Ihre Entschlüsse sind zu stark, um gehalten zu werden. Die234,10
Abendröthe des unter[ge]gangnen Junius steht jezt hinter einem Berg
oder Grab und schimmert mich an — ach sie bleibe, bis die Sonne
wiederkömt. Sie werfen mir das Vergessen des Briefs vor: hab’ ichs
denn vergessen, daß Sie darin die Arie [von Rousseau] versprachen?
Wir sahen uns eine Stunde und diese fülte die 4 Augen mit geistigen 234,15
Thränen. Er trägt das goldne Vlies der Tugend an seiner warmen
Brust.

K: Ostheim 17 Aug. 96. i (nicht nach K): Denkw. 2,27. A: IV. Abt., II, Nr. 136. 234 , 3 kühle Quellen] eine kühle Quelle i 7 Ihre bis 10 werden.] steht bei Förster in Nr. 396 (Denkw. 2,31) mit folgenden Abweichungen: 7f. der Stand auf Einer] die 9 Ihrer künftigen Gebäude nach 10 werden; folgt noch: aber sie sind es nicht, der Zustand und die Verhüllung ist zu stark, und ich kann vieles weder lösen noch errathen. — 15 Wir bis 17 Brust.] fehlt i; dafür steht folgender Absatz: Es ist sonderbar, daß ich Ihnen alle die Vor würfe machen wollte, die Sie mir machen. — Meine Feder war in literarischen Diensten, wie meine Zeit. Sie errathen nicht, wie sehr meine Geschäfte meine Vergnügungen beschränken, aber Sie könnten mir wenigstens jede Stunde des Tags eine Sylbe schenken. — Hätten Sie ein Buch geschrieben, so hätt’ ich doch den Wiederschein Ihrer Feder vor mir und entbehrte Briefe desto leichter. Ich will aber die Erwartung eines Briefes, sowie die Witterung voraussagen: 14 Tage nach dem Empfang des jetzigen haben Sie seinen Successor. Die „Teufelspapiere“ können Ihnen nicht gefallen, wohl aber Knebel’n. Suchen Sie nur das Ernsthafte auf. Die Sorge der Veränderlichkeit überlassen Sie dem, der sie hat, mir. Ich weiß gewiß, Ihre Seele geht gern und leicht bergauf, bergab [vgl. 234, 7 ]. — Wenn ich Ihre Liebe verloren habe, so haben Sie doch meine stumme noch. — Es folgt noch ein Absatz, der zweifellos nicht hierher gehört, sondern in Nr. 515 ( 292 , 24–27 ).
Nach der zu Nr. 396 mitgeteilten Stelle, deren Echtheit aber zweifelhaft ist, enthielt der Brief den Vorschlag eines Zusammentreffens (in Leipzig? vgl. Nr. 590†). 234,14 Arie von Rousseau: s. zu Nr. 356; vgl. A: „Ich habe l’air à trois notes, aber dieß kann ich nun nicht aus meinen Händen geben, damit aus Jean Pauls Herzen eine andere Sehnsucht [zur Krüdener] ausgedrückt werde ...“ 15 Wir = Jean Paul und die Krüdener. 16 Er = Friedrich von Oertel?

Erwähnungen im Kommentar:

Personen
Werke Jean Pauls

Textgrundlage:

381. An Charlotte von Kalb in Weimar. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 234 (Brieftext); 470-471 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Charlotte von Kalb. Hof, 17. August 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_381 >


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