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[ Hof, 1. Sept. 1796 ]
240,7
Mich umfässet und betäubt eine hereingesunkne Lauwine von
Briefen, durch die ich mich durchzugraben habe. Nur auf den Saiten
meines Klaviers zittern jene Abende nach — nur auf das brennende240,10
Abendgewölke werfen die verhülten Berge gebirgige rothe Schatten
und wenn die Sonne hinter der Gluth einsinkt: so sag’ ich: ach es
sanken meine Abende auch ein hinter der Gluth! In deinem wogenden
Herzen ruhe Friede und in deinem grossen Auge die Freude!

K (nach Nr. 393): Kalb 1 Sept. 96. i (nicht nach K): Denkw. 2,29 (1./2. Sept. 1796). B: IV. Abt., II, Nr. 136? i hat noch folgende Sätze, deren Her gehörigkeit sehr zweifelhaft ist: Sie schreiben später und ich früher, als zu rechnen war. Ich sah gestern ebensosehr der Sonne, als einem Brief entgegen, aber beide blieben unsichtbar. Ich habe Briefe von B. [Berlepsch?] und K. [Krüdener?], ich zeige Ihnen dieselben, wenn ich nach Weimar komme, wie ich in Ihr Herz, als mein zweites, alle meine Geheimnisse niederlegen werde. — Schreiben Sie bald und zanken Sie lieber, als daß Sie schweigen. Ich sitze an meinem Schreibtische wie neben einer Wüste, da ich kein liebes Blatt, wie sonst, zur linken Hand zu legen habe. Dann folgt der erste Satz von K in der Fassung: Mich erfaßt aber eine Lawine von Briefen und Büchern, durch die ich mich durchzugraben habe. Dann unter dem Datum des 2. Sept.: Sie sind schwerer zu prophezeihen als der Friede und das Wetter, grade dann, wenn ich’s am besten meine, nehmen Sie’s am schlimmsten auf; da wo ich Ihren Zorn befürchte, erscheint Ihre Vergebung. Ich konnte Ihnen den Vorschlag der Reise thun: 1. wegen des Gewühls der Messe, 2. wegen des geringen Unter schieds. / Ihr Brief gefällt mir, die Anwendung auf mich ausgenommen — sehr. B. [Goethe?] ist eine Eisscholle auf’s nackte Herz. — Ich kann seinen Geist errathen und ertragen, aber er meinen nicht. Meine ganze Seele sträubt sich vor dem merkantilischen, sinnlichen, tödtenden, Material suchenden Weimar. O machen Sie doch, daß Herder mir bald schreibt, wenn man es machen kann. — Sie thun der N. [?] Unrecht; Weimar wirkt weniger auf ihre großen Empfin dungen, als auf ihr materialistisches System. Sie und ich sind in den meisten Punkten nahe oder eins; aber in einigen liegt eine ganze Erde zwischen uns. Alle Freundschaft muß ewig sein. Dann folgt der zweite Satz von K mit kleinen Abweichungen: 240 , 10 jene Abende] zuweilen die Abende mit drei fachen Echos 11 Jenaer Berge 13 auch ein hinter] dahin in. Es folgt ein Absatz, der von Goethes Aufenthalt in Leipzig spricht, also wahrscheinlich, und ein weiterer, der bestimmt in Nr. 515 gehört, während die beiden vor letzten Absätze in Nr. 381 gehören. Vor dem letzten Satz von K hat i noch die Worte: Sehen Sie mich in Ihrem Briefe freundlich an. Geben Sie mir ein Blatt aus ihrer Seelenhistorie.

Erwähnungen im Kommentar:

Personen
Orte

Textgrundlage:

396. An Charlotte von Kalb in Weimar. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 240 (Brieftext); 473-474 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Charlotte von Kalb. Hof, 1. September 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_396 >


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