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Korrespondenz

Von Jean Paul an Charlotte von Kalb. Hof, 1. September 1796.

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[ Hof, 1. Sept. 1796 ]
240,7

Mich umfässet und betäubt eine hereingesunkne Lauwine von
Briefen, durch die ich mich durchzugraben habe. Nur auf den Saiten
meines Klaviers zittern jene Abende nach — nur auf das brennende240,10
Abendgewölke werfen die verhülten Berge gebirgige rothe Schatten
und wenn die Sonne hinter der Gluth einsinkt: so sag’ ich: ach es
sanken meine Abende auch ein hinter der Gluth! In deinem wogenden
Herzen ruhe Friede und in deinem grossen Auge die Freude!

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Charlotte von Kalb. Hof, 1. September 1796. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_396


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Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958. Briefnr.: 397. Seite(n): 240 (Brieftext) und 473-474 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

K (nach Nr. 393): Kalb 1 Sept. 96. i (nicht nach K): Denkw. 2,29 (1./2. Sept. 1796). B: IV. Abt., II, Nr. 136? i hat noch folgende Sätze, deren Hergehörigkeit sehr zweifelhaft ist: Sie schreiben später und ich früher, als zu rechnen war. Ich sah gestern ebensosehr der Sonne, als einem Brief entgegen, aber beide blieben unsichtbar. Ich habe Briefe von B. [Berlepsch?] und K. [Krüdener?], ich zeige Ihnen dieselben, wenn ich nach Weimar komme, wie ich in Ihr Herz, als mein zweites, alle meine Geheimnisse niederlegen werde. — Schreiben Sie bald und zanken Sie lieber, als daß Sie schweigen. Ich sitze an meinem Schreibtische wie neben einer Wüste, da ich kein liebes Blatt, wie sonst, zur linken Hand zu legen habe. Dann folgt der erste Satz von K in der Fassung: Mich erfaßt aber eine Lawine von Briefen und Büchern, durch die ich mich durchzugraben habe. Dann unter dem Datum des 2. Sept.: Sie sind schwerer zu prophezeihen als der Friede und das Wetter, grade dann, wenn ich’s am besten meine, nehmen Sie’s am schlimmsten auf Wenn der Passus hergehört, war inzwischen Charlottens Brief an J. P. IV. Abt., II, Nr. 138 (29. Aug.) eingetroffen, worin sie sich über seine Freundschaft mit der Krüdener gekränkt zeigt; vgl. aber 242,23.; da wo ich Ihren Zorn befürchte, erscheint Ihre Vergebung. Ich konnte Ihnen den Vorschlag der Reise thun: 1. wegen des Gewühls der Messe, 2. wegen des geringen Unterschieds Es scheint sich um ein geplantes Treffen in Leipzig zu handeln. . / Ihr Brief gefällt mir, die Anwendung auf mich ausgenommen — sehr. B. [Goethe?] ist eine Eisscholle auf’s nackte Herz. — Ich kann seinen Geist errathen und ertragen, aber er meinen nicht. Meine ganze Seele sträubt sich vor dem merkantilischen, sinnlichen, tödtenden, Material suchenden Weimar. O machen Sie doch, daß Herder mir bald schreibt, wenn man es machen kann. — Sie thun der N. [?] Unrecht; Weimar wirkt weniger auf ihre großen Empfindungen, als auf ihr materialistisches System. Sie und ich sind in den meisten Punkten nahe oder eins; aber in einigen liegt eine ganze Erde zwischen uns. Alle Freundschaft muß ewig sein. Dann folgt der zweite Satz von K mit kleinen Abweichungen: 240,10 jene Abende] zuweilen die Abende mit dreifachen Echos 11 Jenaer Berge 13 auch ein hinter] dahin in. Es folgt ein Absatz, der von Goethes Aufenthalt in Leipzig spricht, also wahrscheinlich, und ein weiterer, der bestimmt in Nr. 515 gehört, während die beiden vorletzten Absätze in Nr. 381 gehören. Vor dem letzten Satz von K hat i noch die Worte: Sehen Sie mich in Ihrem Briefe freundlich an. Geben Sie mir ein Blatt aus ihrer Seelenhistorie.