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Hof. d. 3 Sept. 96 .
241,8
Halb dem herlichen Bassethorne, das eben in meiner Stube ge
blasen wurde, und halb dem \nicefrac {1}{19} Glas Wein, den ich dabei trank,241,10
mögen Sie, mein Lieber, die Grösse der Züge und die Kleinheit des
Briefs und das Anagram und Hysteronproteron der Gedanken
schuldgeben. —

Ich komme nicht. —

Die Krüdner mag Ihnen die Entschuldi[gun]gen vor ihr sagen; 241,15
die vor Ihnen sind diese.

1) Wollen Sie keine: Sie wollen und müssen kommen, Otto gienge
ja ohnehin nicht nach Leipzig.
2) Ich bin unveränderlich, ausgenommen in Entschlüssen der Freude.
3) Man mus nie einen Freund und eine Freundin zugleich auf241,20
suchen — wenigstens verliert dabei der, der sucht. Der Mensch hat nur
1 Herz und nur 2 Arme, um daran zu drücken. Diese Krüdner, gegen
die mich kein Urtheil der Welt erkältet — ob es gleich sehr leicht ist,
schon in der 1 Minute astronomische Scheiner’sche Beobachtungen
über sie zu machen — brächte in mein Leipziger Drama, was kein 241,25
Kunstrichter erlaubt, ein doppeltes Interesse.
4) Sie, meine Seele in meiner Seele, vergeben mir alles. Darum
braucht es gar keine Entschuldigung.

Denn noch dazu giebt es auch keine, da ich ja alles vor dem Ver
sprechen wissen konte, was sein Erfüllen hindert.241,30
Ich bitte Sie recht recht sehr, dieses für keinen Brief, für keine
Antwort zu halten sondern nur von freien Stücken an den zu schreiben,
der Ihnen dan 2 Antworten schuldig ist und überhaupt viel schuldig
ist, nur das Herz nicht, das haben Sie schon von

Ihrem241,35
Jean Paul.


H: Berlin JP. 4 S. 8°. K: Oertel d. 3 Sept. 241 , 18 ohnehin] nachtr. H
241 , 9 Bassethorn: vgl. IV. Abt. (Br. an J. P.), II, Nr. 137. 19 Vgl. 180,5–13. 24 Der Astronom Christoph Scheiner (1579—1650) hat Beobachtungen über die Sonnenflecken gemacht; vgl. I. Abt., VIII, 93,10f., XVI, 344,30ff. Wie aus Ottos Brief an J. P. IV. Abt., II, Nr. 138 hervorgeht, hatte Oertel in einem nicht er haltenen Brief an J. P. über die Krüdener Ungünstiges mitgeteilt (IV. Abt., II, EB 55) (. Sie selbst hatte in ihrem Brief an J. P. IV. Abt., II, Nr. 135 (27. Aug. 1796) gebeten, sie nie nach dem zu beurteilen, was andere über sie sagen könnten.

Textgrundlage:

398. An Friedrich von Oertel in Leipzig. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 241 (Brieftext); 474 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Friedrich Benedikt von Oertel. Hof, 3. September 96. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_398 >


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