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[ Hof, 7. Sept. 1796 ]
242,30
Zum Oertelschen Brief fertige ich hier einige Noten, die du noch
nicht lesen solst, sondern erst den Brief.

1) Wie die Kalb auch; aber bei uns vertragen sich keine 2 Genies,
wie viel weniger bei den Weibern.
2) Es sind Woldemars und Göthe, die aus Künstlern Kunstwerke 243,1
werden; die den poetischen Genus der Gefühle und Ideale auf die
leichteste Art und auf d[ie] Kosten der Handlungen lieben. Es ist nicht
die Eitelkeit, weswegen sie darstellen, sondern der Genus des Dar
stellens.243,5
3.) Sie kan ja doch dem Abbé trauen: warum sol sie denn bei der
Liebe der Emigranten, bei der Schminke und Aristokratie schlechter
sei[n] als ohne? Freilich mus sie die Stände achten, denen sie in
Paris alles verdankt.
4.) Wie die Kalb. Sie lobt und tadelt gleich stark. Sie glaubt an 243,10
ihren Werth: warum ist denn dieses Glaubens-Bekentnis eine Un
verschämtheit?

Übrigens obgleich (zumal seit meinem Titan) mein Enthusiasmus
für solche lebendige Kunstwerke zu stark ist und seiner zu klein: so hat
Oertel doch gerade so viel bei mir gewonnen als er der Klientin des243,15
Teufels Advokaten entziehen wil. — Eine herliche Komposizion der
Schröter schikt mir die Ostheim.

H: Berlin JP. 1 S. 4°. Präsentat: den 7 Sept. 96. J: Wahrheit 5,174×. 243 , 14 lebendige] nachtr. 15 gerade so viel] aus alles
Der nicht erhaltene Brief Oertels enthielt jedenfalls, wie der vorige (s. zu Nr. 398), Angriffe auf die Krüdener, die Oertel anscheinend in zwischen persönlich kennengelernt hatte.

Textgrundlage:

402. An Christian Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 242-243 (Brieftext); 475 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Hof, 7. September 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_402 >


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