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Bayreuth d. 11. Okt. 1796 [Dienstag].
254,7
Dein Brief, du guter Bruder, den dein Herz und dein Kopf zugleich
geschrieben, weil er zugleich warm und schön war, brachte mir, mit
dem weiblichen Briefe gepaart, eine schöne Stunde heraus nach Bay- 254,10
reuth und sezte mich gleichsam zwischen euch beide aufs Kanapée. So
ist es hübsch, wenn man die Freuden und die Freunde zweier Städte
auf einmal, Hof und Bayreuth in Einer Stube vereint.

Ich wolt’ ich wäre Einen Tag in Hof gewesen, damit ich einige
Tage nachher länger in Bayreuth bleiben könte. Doch hoff’ ich zu Ende 254,15
dieser oder zu Anfang der künftigen Woche wieder das — Einschlafen
unserer Paulline zu sehen. Ach sie solte schon so lang sein, daß sie zum
Bücherverleiher schicken und sagen lassen könte: „Mamsel bittet sich
von H. Oerteln die Werke ihres Herrn Pathen aus.“ —

Ich danke dir noch einmal, mein guter Otto, für deinen schönen Brief254,20
vol Scherz und Liebe. Renate möge dich durch beides dafür be-
lohnen! Lebe froh neben deinen Geliebten und den Staub, der auf
jedem menschlichen Lebenswege auffliegt, wehe ein guter Wind seit
wärts vor dir vorbei! —

Dein
Jean Paul 254,25


H: Berlin acc. ms. 1900. 68 (derzeit BJK). 4 S. 8°. K (nach Nr. 437) ohne Überschrift. J: Täglichs beck S. 82. 254 , 18 Mamsel] davor gestr. die H 23f. seitwärts] davor gestr. bald H

Textgrundlage:

428. An Christoph Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 254 (Brieftext); 478 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Christoph Otto. Bayreuth, 11. Oktober 1796. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_428 >


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