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[ Hof, 13. Mär. 1797 ]
306,8
Ihre Briefe bringen immer ausser dem Honig noch einen Stachel mit,
den auch die Blume, aus deren Nektarien sie jenen bekommen, an sich306,10
hat. Ich liebe die Briefe so sehr, daß ich den Sinesern gleiche, bei denen
Gelb die ausschliess[ende] kaiserliche [?] Farbe ist, so schäz’ ich das Post
gelb; ich lasse einen Brief lang auf dem Schreibtisch liegen, um seinen
Verfasser zu vergessen und mir ½ Terzie lang weiszumachen, er gehöre
an mich [?]. Wozu sollen die Abbreviaturen unsrer gallischen Dialogen 306,15
in unsre Briefe? Ich sehe nicht, warum man eine Sache anfängt, wenn
man sie nicht endigen wil und warum man den Brunnen der Wahrheit
nicht mehr ausschöpfen sondern nur wie Wasserinsekten befahren wil?
Ungleich den Bienen, trag’ ich im Winter auf den Sommer ein und
spare mir kurze Tage zusammen um lange zu geniessen. Ihr[e] 306,20
Freund[in] solte weiter keine Flügel gebraucht haben als geistige und mit
den leuchtenden Weltkörpern auch die Unbeweglichkeit gemein haben.

K (nach Nr. 540): die Schukman 13 März. B: IV. Abt., II, Nr. 181. 306 , 10 Blu men 15 Wozu sollen] nachtr.
Henriette hatte einen Brief der Krüdener (IV. Abt. (Br. an J. P.), II, Nr. 176) übersandt und ihm Vorwürfe wegen seines Schweigens gemacht. 306,11–15 Vgl. I. Abt., VII, 264,14–19 (13 ist ein selbstverfaßter Brief gemeint).

Textgrundlage:

553. An Heuriette von Schuckmann in Bayreuth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 306 (Brieftext); 500 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Luise Henriette von Schuckmann. Hof, 13. März 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_553 >


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