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[ Hof, 3. April 1797 ]
316,2
Das Datum klagt mich [wegen Versäumnis] an, [aber die Zer
streuung der Freude, der Rührung, die Besuche machten, daß ich am
ersten Tage meines neuen Lebens das Wort brach. Nach der ersten316,5
Sünde ist es dem Menschen natürlich, fortzusündigen bis zum 3 April.
Ich beantworte zuerst Ihren lezten genialischen Brief.]

— Die Lähmung und Apoplexie Ihres Herzens in Beziehung auf die
äussere Welt [thut mir weh;] — dieses Erkalten aller Wünsche ist
Krankheit und ich hoffe nur körperliche. Diese Erkrankung nimt durch316,10
Ruhe und Phantasie zu und geht [nur] fort durch Thätigkeit. [Eine
Reise wäre Ihnen Arznei — ach gienge sie doch durch meine Stadt!]

— Das ganze Arbeitszeug meines Körpers kan mein Geist noch
20 Jahre gebrauchen eh’ es zerbricht. Eben löset sich vor meinem
Papier die Abendsonne in erhizten Goldwolken des Abends auf und316,15
koloriert meine Wünsche [für meine Freundin — damit sie froher sei —
daß sie die Erde besser und die Menschen schöner finde — und daß ihr
Herz durch Thätigkeit genese. — Du giebst mir Schmerzen, weil ich
dich nicht ändern d. h. erfreuen kan, noch weniger ermuthigen. —
Hoffet die Zukunft und geniesset die Gegenwart! und ich bin seelig —316,20
werde es!]

K (nach Nr. 573): 3 Apr. Kalb. i (nicht nach K): Denkw. 2,43. 316 , 7 genialen i

Textgrundlage:

(*) 576. An Charlotte von Kalb in Weimar. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 316 (Brieftext); 503 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Charlotte von Kalb. Hof, 3. April 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_576 >


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