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[ Hof, 7. Febr. 1795 ]
48,22
Wir reichen uns allemal die Hände über lange Zwischenräume
hinüber. Heute sol noch dazu in Ihrer Hand etwas anders sein als
meine. Bis mein Brief an- und Ihrer zurükkömt: ist der März da, der48,25
bei uns wenigstens die Morgenröthe und der Vorhof des Frühlings ist.
Und dan schüttel’ ich mich in meinem Bau aus meinem Winter
schlafe und laufe davon — ich meine, nach Weimar, komme aber
wieder eh’ aus den Blüten Kirschen werden. Meine ganze Seele
schmachtet nach den aufgedekten Knospen und Blumen ... mir genau zu48,30
schreiben, wie viel — gedrukt ist von meinem Buch, damit ich zu Hause
bin, wenn mich die Drukfehler besuchen. Diese Bitte ist eine Kleinigkeit
neben einer andern: daß Sie mir — da man, wenn man Fersengeld
geben wil, Handgeld haben mus, eine Wendung, wodurch ich wider
meinen Willen auf die refugiés und Renner tapferer Regimenter 49,1
passe — gütigst geben, was ich brauche: nämlich 50 rtl. Aber ernstlich:
ich werde es für die gröste [Gefälligkeit] erkennen, die die übrigen
vermehrt, wenn Sie eine Bitte, deren Ausschlag mir entweder einen
langen Blumengarten oder eine Sarawüste zuwiegt, zu meinem 49,5
Vortheil ausschlagen lassen. Um aber meinem Wort treu zu bleiben,
bitt’ ich Sie, mir die [andere] Hälfte um so viele Monate später zu
zuschicken als Sie mir die erste früher geben — d. h. an meinem
Namenstage 29 Jun. Ich bin leider zu 2 error[ibus] calcu[li] , die
einander widersprechen [verdamt]: der erste Rechnungsverstos ist, daß49,10
ein Buch, wenn ich beim Anfang denke, es sol 12 Bogen stark werden,
beim 24ten noch nicht aus ist — der zweite ist, daß wenn ich 100 fl. aus
dem Scharmüzel schütte und zu meinen Leuten sage: „davon werd’ ich
„nach einem Vierteljahr noch etwas übrig haben“ daß dan sag’ ich wol
noch etwas übrig ist, aber blos Wochen aus dem Vierteljahr. Dasmal49,15
ists noch ärger, da meine Rechenmaschine, wie Sie auch wissen
können, vor ½ Jahr die Quadratzahl stat der Quadratwurzel heraus
brachte — Da bei dieser Summe wie bei der Tugend nichts nöthig als
der Wille. Geben Sie den Bündel der Post, keinem Fuhrman: ich
erkaufe gern die Zeit mit dem wenigen Ueberschus des Porto über die49,20
Fracht. Der Himmel lasse den Blumensamen, den ich hier aufs Papier
gesäet, aufgehen zu einem kleinen Flor für Ihren etc.

K (nach Nr. 73): 7 Febr. Mazdorf. i: Nachlaß 4,254×.
Wahrscheinlich erheblich später abgegangen. Vgl. Nr. 15†. 48,28 Nach Weimar zu kommen hatte Jean Paul auch dem seit Anfang 1795 in Weimar weilenden Rolsch versprochen, s. IV. Abt. (Br. an J. P.), II, Nr. 28, 36, 39, 41; vgl. 162,35. 33f. Vgl. I. Abt., V, 244,17f. 49 , 9 Namenstag: Peter und Paul. 13 Scharmützel: eig. Scharnützel, Papierrolle (für Geld).

Textgrundlage:

60. An Matzdorff in Berlin. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 48-49 (Brieftext); 405 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Carl August Matzdorff. Hof, 7. Februar 1795. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_60 >


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