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Eiligst Sonnabends
[ Hof, 24. Juni 1797 ]
345,26
Dein Billet hat meiner Seele wohlgethan: es kam mit der mir von
Kosegarten geschenkten treflichen Eusebia zurük, die ich dir nach
Hirschberg (da die andern Bücher nicht dazu taugen) mitgeben wolte.
Ich bereue nichts, am wenigsten den Sontag. Zur Menschenliebe345,30
nicht, aber zur Freundschaft gehört fremde Liebe und fremder Werth.
Unsere Associées, zumal A[möne] beleidigen mich zu oft: ich mag
diesen Kontrast mit meinem ausserhöfischen Verhältnis und mit meiner
Liebe nicht mehr ertragen. In Hoffek war deine Anmerkung über mich 346,1
und G[eorg] schädlich, aufreizend, und auch für mich zu stark. A. hatte
mich vorher mit mehreren Nadeln gestochen und mein Inneres war
also vol Wundenblut. Leider zogen allemal meine nothwendigen
Kreuzzüge gegen A. Verkennungen zwischen uns beiden nach sich.346,5
Meine Liebe zu dir ist nicht einmal irgend einer von 2en Änderungen
fähig; aber deine kan ich nie gewis genug haben, und ich bin so eifer
süchtig als einer in der andern Liebe. Übrigens hast du öfter (moralisch)
Recht und ich mehr Liebe, oft leider auf Kosten des Rechts. Sonderbar
schonest du oft alle, mich nicht. Da ich noch keinen Menschen in der Welt346,10
so geliebt und so liebe wie dich, so must du mir, zumal meiner mit lauter
aufbrausenden Welten gefülten Seele, wohl manches nachsehen. —
Ich komme vielleicht Montags zu dir, vielleicht nicht. Es ist vorbei, und
alle Güte und Liebe bleibt. Aber thue mir nichts mehr! Ach es wird
euch allen zu leicht, mich nicht zu haben! —346,15
N. S. An A. hab’ ich geschrieben, nicht mit der Bitterkeit des
Herzens sondern der Wahrheiten

H: Berlin JP. 1 S. 4°. Präsentat: erhalten am Montag, als ich von Hirschberg zurükkam, den 26. Jun. 97. K (nachtr. im Okt. nach Nr. 639) ohne Überschrift. J 1: Otto 2,62. J 2: Wahrheit 5,222× (26. Juni 1797, mit Nr. 652 vereinigt). 345 , 27 mit bis 28 treflichen] nachtr. H 346 , 4 zogen] aus trafen H 8 einer] nachtr. H 11 mir] nachtr. H 13 nicht] nachtr. H 14 Gute H
345 , 28 Eusebia, eine Zeitschrift zur Beförderung der Religiosität“, Leipzig 1797.

Textgrundlage:

651. An Christian Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 345-346 (Brieftext); 515 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Hof, 24. Juni 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_651 >


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