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[ Hof, 30. Juli 1797 ]
355,23
Die scharfe Eisenkette des Schiksals ris mich hart von Ihnen ab,
aber die weiche Blumenkette der Liebe — deren Kette länger dauert als355,25
ihre Blumen — zieht mich sanft zurük. Schön, Ihre freundschaftlichen
Irthümer zu verdienen, noch schöner, sie zu haben. In Ihrem Brief,
dessen Schreibtisch das Krankenbette ist, wurde ich [durch] den reinen
und lichten Geist darin an die Perlenmuscheln erinnert, bei denen man
immer Krankheit und Perlen zugleich antrift. Aber Ihr Geist ist sogar355,30
gesund, wenn es der Körper ist. Leben Sie froh im lichten Himmel
Ihres Wesens, ich kenne Sie nur genug, um Sie zu lieben, aber nicht,
um Sie zu schildern.

K: Bertrand [!] 30 Jul. i: Denkw. 3,27. B: IV. Abt., II, Nr. 216.
Über die jüdische Schriftstellerin Esther Bernard, geb. Gad, vgl. Schummels Breslauer Almanach (1801) und Schindel, „Die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts“, Bd. I, S. 102. Sie war um 1767 als Tochter von Raphael Gad in Breslau geboren; aus ihrer um 1796 ge schiedenen Ehe mit dem Kaufmann Samuel Bernhardt in Frankfurt hatte sie einen Sohn, Jonas, geb. 1792, und eine Tochter, Jeannette, geb. 1795. Später heiratete sie einen Dr. med. Domeier. Jean Paul hatte sie in Franzens bad kennengelernt. In B bittet sie ihn, wiederzukommen; sonst komme sie nach Hof. „Ich schreibe Ihnen dieses im Bett, das ich seit drei Tagen nur einmal habe verlassen können ...“ 355,29f. Vgl. I. Abt., VII, 199, 1–3 .

Textgrundlage:

671. An Esther Bernard in Franzensbad. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 355 (Brieftext); 519-520 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Esther Bernard. Hof, 30. Juli 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_671 >


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