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Im Franzenbad Freitags. [11.] Aug. 97.
359,17
Beinahe hätt’ ich mich gestern vom Schiksal und vom Grafen
v. Schönburg nach Karlsbad auf Einen Tag führen lassen. Ich
wünschte, Sie tränken 4 Poststazionen näher und wären hier unter359,20
dem Schwalle meiner Bekanten. Ich bekomme hier am Brunnen
immer mehr Gesundheit und Freude, obgleich die Schönheiten der
Karlsbader Berge und Musikanten fehlen. Der alte biedere Dörfler
übergab mir Ihren Brief mit vielem Antheil an Ihnen.

Morgen geh ich nach Hof. Meine Reise nach Karlsbad hängt von 359,25
einem Gewebe vielfacher Kleinigkeiten ab — oder Wichtigkeiten:
H. Stichert mus mich mit nehmen — die Prinzessin von Koburg, die
mich in Hof oder dort sehen wil, mus nicht unterweges sein — die
Fr. v. Berlepsch mus nicht gerade in Hof eintreffen. —

Ich endige mit lauter Wünschen für Ihre Freude. Sie verdienen359,30
für so viele leere abgeerntete Jahre vol scharfer Stoppeln einmal den
monatlichen Spaziergang durch Blumenebenen. Der Himmel geb’
Ihnen Freuden und Menschen, und das ofne Herz, sie zu geniessen, und
das Gedächtnis, sie zu bewahren.

Jean Paul
359,35
Meinen wärmsten Grus an Ihre Fr. Mutter

H: Germ. Museum, Nürnberg. 2 S. 8°; auf der 4. S. Adr.: Demoiselle Koehler Karlsbad. 359 , 19 führen] aus verführen 28 die] der
Zu Helenens Geburtstag (13. Aug.). 359,18f. Vielleicht Otto Karl Friedr. Graf von Schönburg-Waldenburg (1758—1800), zu dessen Gebiet Schwarzenbach gehörte. 27 Stichert: Helenens Schwager, s. Bd. I, zu Nr. 401. Prinzessin von Koburg: wohl Auguste Reichsgräfin von Reuß-Ebersdorf, die zweite Gattin des Erbprinzen, späteren Herzogs Franz von Koburg, eine „brünstigste Leserin“ Jean Pauls (J. P. an Otto, 3. Nov. 1802).

Textgrundlage:

675. An Helene Köhler in Karlsbad. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 359 (Brieftext); 521 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Helene Köhler. Franzensbad, 11. August 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_675 >


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