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Hof d. 22 Aug. 1797.
365,2
Amöne!

Ich dachte heute an Ihre jezige Einsamkeit und an meinen ewigen
Abschied von Hof. Ist er einmal genommen, so dekt der Kontrast 365,5
zwischen meinen verbesserten Verhältnissen und zwischen den jezigen
leider einen Schleier, oder eine Nacht über alles. Aber ich möchte
nicht mit einem zugeschlossenen Herzen von Ihnen gehen, dessen
Erinnerungen nicht den Ihrigen gleichen.

Ahlefeld würde über den Zufal des 22 August erfreuet sein, wenn 365,10
er ihn wüste. Ich dachte gestern schon oft an heute, wenn ich auf Ihrer
Gestalt neben dem Wiederschein der Gegenwart den Schatten der
Vergangenheit aufsuchte, und mit dem heutigen Tage alles verglich,
was Sie je verloren und gewonnen haben — ich dachte auch daran
daß wir uns zum lezten male in dieser Nähe und Verbindung Ge365,15
burtstags-Wünsche schikten — ich dachte daran mit welchen leeren,
kalten Zwischenräumen eine lange vorübergerükte Vergangenheit
hinter uns steht und wie fern und wie nahe zugleich wir uns noch
immer bleiben — und wie die Wünsche des Menschen lügen.

Ich gebe Ihnen meine Hand beinahe mit der Empfindung, womit365,20
ich sie Ihnen zum lezten male geben werde und sage: immer bleibe
Ihrem Herzen Ruhe und Liebe und es merke nie, wenn ein anderes
scheidet.

Ich sehne mich unbeschreiblich nach Ihnen, und wir wollen noch
einmal lange einsam und entscheidend mit einander sprechen. Ich365,25
werde überal sein, wo Sie sind, bei Ihrem H. Vater, bei unserm Otto
oder in Hofek, oder wo Sie sonst sind, oder hinwollen. Ich bin und
bleibe unverändert

Ihr
Jean Paul

K: Amöne 22 Aug. * J: Otto 4,249. 365 , 29 Jean Paul J
Zu ihrem Geburtstag (22. Aug.). Vgl. zu Nr. 679. 365,10 Ahlefeldt hatte seinem letzten Brief an J. P. (IV. Abt., II, Nr. 220) einen an Amöne beigelegt.

Textgrundlage:

*683. An Amöne Herold. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 365 (Brieftext); 522-523 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Amöne Herold. Hof, 22. August 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_683 >


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