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Hof. d. 9. Sept. 97 [Sonnabend].
369,12
Guter Emanuel,

Eben schikte mir Renate Ihren Brief. Nur der Wolkenschlagbaum
hielt mich auf .... (Und eben jezt hielt mich wieder im Schreiben369,15
ein stat Blüten und Blätter, Tücher und Bänder tragender Baum auf,
der auf das neue Herold[ische] Haus gestekt wird und den sie jezt in
meines eintrugen.) Sobald sich wenn nicht der Himmel, doch der
Barometer ändert, so fahr’ ich hinaus und meine Tasche ist mein
Mantelsak. Den 24ten mus ich wieder hier sein, weil ein Fremder mit 369,20
seiner Fremdin aus Halberstadt mich besuchen wil, den ich mit meiner
Reise bis zum 24., aufhielt. Dauert das Aprilwetter zu lange: so
komm’ ich lieber nach dem 24ten um freier bei meinem zu zärtlichen
Freund zu bleiben. Hier haben Sie mein Ehren- und Herzenswort.
Ihre Seele ist ein Beweis meines Sazes, daß die Jahre immer mehr369,25
Erde von dem h. Feuer der Empfindungen wegheben und es befreien.
Aber dieses Feuer, mein Theurer, äschert oft das Herz ein, das es
umschliesset; und Sie werden nach einigen Jahren abwechselnd Frost
und Brandsalbe nöthig haben. — Hier in Hof liebt mich ausser Otto
niemand so wie Emanuel: Sie haben hier Irthümer — ich gehe zu369,30
weich, verschlossen und mit voller Brust herum, nicht in der Stadt
sondern um die Stadt — ich sehe wenige — Es ist Zeit, daß ich scheide;
oder vielmehr ich bin schon geschieden. Denn leider foder’ ich so viel
von ihnen als wenn es — Fremde wären; und da sie keine sind: must’
ich die reichere Gabe bei Fremden suchen.369,35


Leben Sie wohl, mein Lieber! Einen alten Überrok brauch ich bei370,1
Ihnen, weil ich nichts mitbringe als was ich anhabe (um das ab
scheuliche Passen auf die Post und die Abhängigkeit von langen Vor
aussagungen nicht zu haben). Leben Sie wohl! Ihre Liebe ist grösser
als mein Werth!370,5

Richter

Sontags: heute Nachmittags reis’ ich, morgen Nachmittags bin
ich bei Ihnen

H: SBa. 4 S. 8°. K: Eman. 9 Sept. J: Denkw. 1,69. 369 , 28 wechselnd K 30f. zu weich] nachtr. H
369 , 20–22 Vgl. Nr. 698†. 25f. Dazu hat Emanuel später am Rande be merkt: „Ja, das ist mein Glaube auch noch in meinem hohen Alter.“

Textgrundlage:

696. An Emanuel. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 369-370 (Brieftext); 524 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Emanuel. Hof, 9. September 97. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_696 >


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