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[ Bayreuth, 13. Sept. 1797. Mittwoch]
371,34
Der blau auseinander gefaltete Himmel. Alles Schönste was wir371,35
lieben ist unsichtbar und wohnt nur vor unserm innern Auge: Sie
theilen diese Unsichtbarkeit und jene Liebe. Mögen Sie nie einen372,1
härtern Schmerz auf der grossen dunkeln Bühne des Lebens erfahren
als der Schauspieler auf der kleinen. Möge, wenn Ihnen irgend eine
Sonne untergegangen, die Phantasie und die Dichtkunst die tiefen
Stralen derselben auf irgend einem Mond sammeln und sie Ihnen372,5
glänzend in die Finsternis zurükwerfen.

Die schöne Natur verwandelt, eh’ sie vom Winter verdrungen
wird, alle Blüten in Früchte und Beere. Das Schiksal geb’ Ihnen
100 Hofnungen und verwandle sie alle wie Blüten.

K: Die Fischer 18 [!] Sept. i: Wahrheit 5,257×. B: IV. Abt., II, Nr. 229. A: IV. Abt., II, Nr. 230.
Konrektor a. D. Joh. Karl Christian Fischer (1765—1816) aus Hirsch berg in Schlesien (nicht aus Halberstadt, wie Jean Paul 369,21 schreibt, da er ihn mit dem Rektor der Halberstädter Domschule Gottlob Nathanael Fischer verwechselt, vgl. Otto 2,97), der unter dem Pseudonym Gustav Fredau schriftstellerte, war, nachdem er am 24. Aug. 1797 von Jena aus schriftlich bei Jean Paul angefragt hatte, ob und wann er zu treffen sei, mit seiner kranken Frau Wilhelmine, geb. Gräfin Reichenbach, am 12. September in Hof angekommen und hatte auf Veranlassung von Samuel Richter in der Nacht durch einen Boten an den in Bayreuth weilenden Dichter einen Brief geschickt mit der Bitte, womöglich am folgenden Tage zurückzukehren. Jean Paul versprach in seiner Antwort, die am 14. Sept. vormittags in Hof eintraf, das Ehepaar in Jena zu besuchen. Das Datum von K stimmt hier also so wenig wie bei Nr. 697 und 700; die Überschrift ist vielleicht Plural und der zweite Absatz an die Frau ge richtet.

Erwähnungen im Kommentar:

Personen
Orte

Textgrundlage:

698. An Konrektor Fischer und Frau in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 371-372 (Brieftext); 525 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Wilhelmine Fischer und Johann Carl Christian (Pseud. Gustav Fredau) Fischer. Bayreuth, 13. September 1797. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_698 >


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