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Bayreuth Montag [18.] Sept. 97.
375,2
Gute Amöne,

Ihr Brief—gen ist eine Überraschung wie Ihre Musik, die Sie
immer wekt. Aber ich höre alle Ihre Klagen lieber als die über375,5
Ihren Körper; und unter allen meinen Wünschen für Sie steht die
Gesundheit oben.

Vor lauter Angst über die enge Zeit, in die ich ganze Himmel und
Bibliotheken und Volksmengen zusammendrängen möchte, brauch ich
sie kaum: wüst’ ich doch nur Ein stichhaltiges Mittel, in 1 Stunde375,10
zugleich in Hof, Bayreuth und Jena zu sein, aber ich weis schon, es
ist nichts.

Ach es ist schade, daß Sie mir das schöne, nur einem edeln Geiste
angehörige Geheimnis erst in einer Ferne von 6 Meilen gaben, und
nicht in einer von einer — Armlänge. Entzükt über die Schönheit375,15
Ihrer Empfindung und traurig über ihr Dasein — denn ihre Wahrheit
wende der Himmel von Ihrer Gesundheit wie von Ihrem Herzen
ab —, nein! ich würde Sie zu schmerzlich lieben; und alles schmerzt
mich jezt, was mich freuet, und Sie sollen mein Herz nicht in der
Minute zu sehr bewegen, wo es sich auf immer, obwohl nur physisch,375,20
abreisset! Leben Sie wohl, Freundin und vergeben Sie die Kürze des
Briefes der Menge von Briefen, auf die ich zu antworten habe.

Richter


H: Kunst- u. Altertümersammlung der Veste Coburg. 2⅔ S. S. 8°; auf der 4. S. Adr.: Mlle Amoene. K (nachtr. im Okt. nach Nr. 717): Amöne. J: Otto 4,251. 375 , 13 mir] nachtr. H 22 von Briefen, auf] aus Briefe, H
375 , 11 Jena: s. zu Nr. 698.

Textgrundlage:

702. An Amöne Herold. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 375 (Brieftext); 527 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Amöne Otto. Bayreuth, 18. September 97. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_702 >


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