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[ Hof, März 1795? ]
63,19
Sie bezahlen Dinge, die durch einen gemeinschaftlichen Genus63,20
keinen Werth verlieren, zu gütig mit solchen, die nur einen einzigen
erlauben. Ich danke Ihnen eben so sehr als mich die Nachricht betrübte.
Eines weis ich gewis, daß O[tto] nicht kalt war sondern Ihnen nur
vorkam in einer Minute, wo Sie gerade den Grad Ihrer Wärme in
jedem Worte suchten. Thun Sie es nie, schreiben Sie nie auf der63,25
Stelle
hart — ich habe mich allemal gefreuet, wenn ichs unterlies —
und am allerwenigsten ihm, der keinem Menschen eine harte Antwort
giebt. Kan und mus er denn nicht 100 Ursachen des Abschlagens
haben, die Sie selber billigen würden und die sich nicht auf Kälte be
ziehen? — In seine kränkliche Brust gräbt sich eine solche Eisspize zu63,30
tief ein. Kälter nicht, aber wärmer kan er sein, nach meiner Bemerkung,
daß man den Gegenstand seiner Achtung alzeit wärmer liebt, wenn
ihm gerade andere erst gehuldigt haben. — Nehmen Sie gerade zu in
einem 2ten Billet das äusserlich zurük, was Sie schon innerlich zurük
nehmen. Schlafen Sie wol.

R.63,35


H: Kunst- u. Altertümersammlung der Veste Coburg. 1 S. 4°. J: Otto 4,244× (31. Dez. 1796; vermengt mit Nr. 81 u. 497). 63 , 22 betrübte] aus betrübt hat 26 hart] nachtr. 36f. in einem 2ten Billet] nachtr.
Unsichere Datierung nach Nr. 81 u. 82; das Datum von J stimmt für diesen Brief — vielleicht nur ein Fragment — sicher nicht. 63,30f. J setzt dafür: „In Ihre [Amönens!] kränkliche Brust graben sich alle Eis spitzen zu tief ein ...“

Textgrundlage:

80a. An Amöne Herold. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 2. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1958.

Seite(n): 63 (Brieftext); 409 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Amöne Herold. Hof, März 1795. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=II_80a >


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