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Meiningen d. 5. Jenn. 1802.
125,12
Lieber Hans! Auf deinen freundlichen Brief hab’ ich dir nur dein
Lob zu antworten. Indes mehr als ich dich gebeten, solst du in der
Geldsache auch nicht thun. — Die Gräfin S[chlabrendorff] nahm 125,15
deinen Grus mit wohlwollender Freude auf; und erwiedert ihn eben
so. Unser alter Bund der Hülfe besteht noch fest, da sie keine Fehler
zeigt, die man nicht in der 1. Woche erräth. Nie tadelte ich deine
Trennung — die ich ja halb machte — sondern nur die Treppe dazu,
die im Verbinden besteht. Wie steht es jezt in deinem Innern und mit125,20
den Aussichten deines Herzens und deines Ehrenpfads? —

Mein hiesiges einfaches sich um sich selber spinnendes Leben kanst
du bei dem Archivar desselben, meinem Vater haben; unsere Reise
nach Bayreuth und Cassel und unser fortblühendes Glük. — Immer
bleib’ ich nicht hier. Redliche, aber keine genial[ische] Menschen haben125,25
wir. Ich und der Herzog sind uns sehr freundlich und oft nahe, die
meisten Abende bin ich [bei] ihm.

Meine Frau grüsset dich mit Liebe. — Was macht und hat dein
alter Müller? Noch den Prozes. — Ich grüss’ ihn dankend. Verehr’
ihm in meinem Namen 1 rtl. und zieh’ es meiner Rechnung ab. —125,30
Frau v. Vars[t] lernt’ ich romantisch auf dem Wege nach Bay-
reuth
kennen, da sie mit mir von J. P. sprach. Neulich besuchte sie
uns.

Bruder, die Ehe rottet alle Simultan-Liebe mit der Wurzel aus;
man fragt fast gar zu wenig nach neuen Weibern, was wieder zu125,35
deutsch ist. — Das Mspt der guten Klenke macht mir Schwierigkeit.
Sie sol mir nichts schicken. Wie jezt der Parnas bewachsen ist, steht 126,1
doch zuviel Gras um ihre Blumen. Lebe recht wohl, guter Ahlefeld!
Mögest du die rechte Ruhe einmal finden!

R.

Grüsse die Herz, die Stubenrauch, die andern schönen Mädgen, 126,5
und alles was uns sonst liebte und deine Eltern und deinen Bruder!

H: Berlin acc. ms., o (XI) (derzeit BJK). 3 S. 8°; auf der 4. S. Adr.: H. v. Ahlefeldt. K: Ahlefeldt — J: Dietmar Nr. 11. B: IV. Abt., IV, Nr. 192. 125 , 13 nur] nachtr. H 31 das t mit Blei von fremder Hand zugefügt H 32 beidemal Sie H
125 , 14 f. Ahlefeldt hatte versprochen, in der Schuldenabtragung Jean Pauls Erwartungen (s. 112,2f.) noch zu übertreffen; vgl. aber Nr. 260†. 15f. Ahlefeldt hatte sich beklagt, daß ihm Jean Paul nichts von der Gräfin Schlabrendorff schreibe: „Sei nicht ungerecht gegen mich und erfreue mich mit der Nachricht, daß es ihr wohl geht und sie mich nicht haßt.“ 31 Wohl Frau v. Vaerst, s. Bd. II, Nr. 431†. 34 Simultan-Liebe: vgl. 53,33. 126,6 Bruder: s. Bd. III, Nr. 479b.

Textgrundlage:

225. An Ahlefeldt. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960.

Seite(n): 125-126 (Brieftext); 366 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Georg Jacob von Ahlefeldt. Meiningen, 5. Januar 1802. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=IV_225 >


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