Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.



Meiningen d. 30 März 1802.
143,7
Es wäre mir lieb gewesen, Brüderlein, wenn du zu mir gesagt
hättest: Habe Dank; und es wäre schiklich 〈nothwendig〉 gewesen,
wenn du an Emanuel geschrieben hättest: empfangen. Mein Todes- 143,10
Engel, Samuel war hier, ich lies ihn nicht vor mich. Nun mehr hat
er von mir nichts mehr zu erwarten. Er kan nur besser werden durch
gänzliche Hülflosigkeit. Du wirst ein Helfer an seinem moralischen
und bürgerlichen Versinken, daß du ihm nach allen seinen Unthaten
alzeit wieder die Freistätte deines Hauses öfnest. Es ist durchaus deine143,15
Pflicht, ihm das Haus zu verschliessen. Warum wird er bei seinen
Talenten kein Schauspieler? Schon ein mittelmässiger hat jährlich
über 400, 600 fl. einzunehmen. Schreibe ihm. — Nicht einen Heller
geb ich weder ihm mehr noch einem, der für ihn etwas ausgelegt. —
Schreibe mir bald und recht viel Neuigkeiten aus deinem Hause.143,20
Bekomm’ ich keine Kinder: so must du mir und meiner Frau einen
von deinen schönen Genien 〈Engeln〉 leihen zum Erziehen; in 1 Jahre
hast du die Lücke wieder gefült. Grüsse meine vortrefliche Frau
Schwägerin. Lebe wohl, unhöflicher Herr Bruder!

R.
143,25
Auch wars deine Pflicht, mir den Aufenthalt Samuels zu melden.

Faksimile: Fichtelgebirgsmuseum, Wunsiedel. J 1: Schneider S. 240×. J 2: Hofer Anzeiger, 14. Okt. 1919. 143 , 13 an] nachtr. 15 alzeit] nachtr. 18 600] nachtr.
Vgl. Nr. 244. Vermutlich war Samuel wieder dem Spielteufel verfallen. 143,21f. Die 139,10f. angedeutete Hoffnung auf ein Kind war anscheinend wieder ungewiß geworden; erst im Juli in Weimar wurde Karoline ihres Zustands gewiß, s. 161,1f.

Textgrundlage:

258. An Gottlieb Richter. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960.

Seite(n): 143 (Brieftext); 374 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Johann Gottlieb Richter. Meiningen, 30. März 1802. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=IV_258 >


Zum XML/TEI-file des Briefes