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172,32
Cito.
Meiningen d. 6. Sept. 1802 .

Brief-Verstokter! (Denn hindernde Geschäfte sind das was ich oft
bei den Mädgen die Gründe nante, etwas zu unterlassen; die Gründe172,35
sind wahr, aber sie hätten doch troz derselben die Sache gethan, wenn173,1
sie sonst gewolt hätten. Zu nichts finden sich leichter Gründe, und
die besten, als nachher zum Wollen.) Die Brief-Bitte von Christoph,
ihn bei Hardenberg zu allerlei (kumulierte Bitten = kumulierten
Klagen) zu empfehlen, kan ich wegen seines Karakters und seiner173,5
Orthographie und 100 a[ndern] Dingen nicht einmal beantworten,
geschweige erfüllen. — Renata (wenn sie ums Schreiben wuste) gefält
mir, die nie — wie etwan die Liebman — eine unwürdige Bitte an
mich that. — Der Brief heilte mich von meiner Atonie gegen meinen
Rendanten; und ich schrieb daher sogleich an Schukman. Sage, ob 173,10
ich noch einen an Hardenberg nöthig habe, und auch wo dieser jezt
stekt? — Du hast mir eine lange Antwort zu geben. Emanuel bekam
doch das Paquet mit Jacobis Brief? Anlangend das Bier, sag ihm,
ich würde Anfangs November — wenn ers nicht früher wil — meinen
Einspänner von hier aus nach Bayreuth und mit der Bitte um 6, 173,15
7 Eimer schicken. — Dies hier ist nur ein Interlokut Brief an dich
nach dem definitiven Br[ief]. — Der 4te Titan ist nach Berlin. —
Kosmeli,
der mir erst von Lübek schrieb, schrieb das Buch: Reise
ins Paulinerkloster nach Scheerau, worin er mich nicht nach seiner
ganzen Liebe, aber die Kropf (Minona) nach seinem ganzen Hasse 173,20
behandelt. Sage wegen lezterer niemand etwas davon.
d. 8. Sept.

Noch nicht! Gestern solt’ es fortgehen, heute solte etwas von dir
kommen — noch nicht! Wohin denkst du, Alter? So nistet der
Harpokrates sich ein bei dir. Die R[egiments] Quartiermeisterei kan 173,25
dir doch die Feder nicht nehmen, da sie dein Antezessor täglich in 2
hektischen Stunden versah? Bist du wieder böse? Oder wilst du vorher
mein Buch lesen? —

Sage noch Emanuel, daß der Einspänner ihm auch seine 3 Fässer
zurükbringt. — C. ist gesund, eifrig, schönblühend und wäscht morgen. 173,30
Ganz heiter kan ich doch nicht sein, bis sie über die Kluft weg ist,
aus der mein Namensvetter aufsteigt. Im Mai solst du ihn sehen
neben mir. Lebe wohl und schreibe mir Neuigkeiten, auch von Fride-
rike. Dein Chr[istoph] hat mir das ganze Hof in den Kopf wieder
gesezt, aber wie einen Nachsommer.

R.
173,35
Hier ist das herausgeschnittene Blat Vogel[s], das ich neulich ver- 174,1
gessen. Die Briefe sende auf die Post; den andern mit Oblate an
Schukman, wenn du ihn nicht zu unehrerbietig findest.

H: Berlin JP. 4 S. 8°. K (nach Nr. 307): Otto 6 — J 1: Otto 4,99×. J 2: Nerrlich Nr. 96×. A: IV. Abt., IV, Nr. 257. 172 , 34 hindernde] nachtr. H 173 , 3 die Brief-Bitte] aus Der Brief H 10 Sage] aus Entscheide H 26 täglich] nachtr. H
173 , 8 die Liebmann: s. Bd. III, Nr. 523, 375,30ff. 18–21 In Kosmelis „Reise ins Paulinerkloster“ (s. 154,33†) wird Jean Pauls Sentimentalität verspottet, aber seine Manier nachgeahmt und fortwährend aus ihm zitiert; S. 46 und 97 wird unter dem Namen Minona Wilhelmine von Kropff (s. Bd. II, Nr. 290†) angepöbelt, deren Liebhaber Kosmeli (nach Ottos Brief an J. P. IV. Abt., IV, Nr. 46) gewesen war. 174,1 Vogel: s. 190 , 23 .

Textgrundlage:

306. An Christian Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960.

Seite(n): 172-174 (Brieftext); 385 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Meiningen, 6. September 1802 bis 8. September 1802. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=IV_306 >


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