Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.



Koburg d. 22. Okt. 1803.
245,31
Lieber Bruder! Du weist noch kein geschriebnes Wort davon, daß
ich in Coburg bin — daß ich im November wieder taufen lasse — daß
meine Emma das schönste Kind in der Stadt ist — daß Ernestine
zur Hülfe meiner Frau auf 3 Wochen hier bleibt — und daß ich nicht 245,35
begreife, warum du schweigst. Dauert denn dein altes Schneckenhaus
Leben noch fort, sogar mit dem alten Müller? Dauert alles Alte noch? 246,1
Schreib mir ein wenig heller und breiter.

Ernestine hat sich sehr heiter, bestimt und besonnen ausgebildet;
ihre Stimme und ihr Gesicht haben sich fast verschönert.

Meine Orts-Veränderungen waren bisher immer Verbesserungen;246,5
in Rüksicht der Eden-Gegend gäb’ es hier für mich keine Verbesserung
mehr, nur Verschlimmerungen. Am genialischen Minister Kretsch-
man
und noch einigen andern hab’ ich was ich brauche.

Ich wolte, ich sähe dich einmal, wir wolten alte Stunden haben
und neueste dazu. — Fet und Bücher mach’ ich täglich mehr. Bei Cotta 246,10
kommen Flegeljahre 1804 heraus.

Grüsse die Berg und sag’ ihr, daß der Bruder der Herzogin von
Kurland mich leider nicht zu Hause getroffen.

Hier würdest du nicht ohne Nahrung für deinen Geist sein; denn es
giebt kaum etwas Schöneres als unsere 3 Prinzessinnen. — Hörst du 246,15
nichts von Kosmeli? Wie stehts mit Merkel, Sander, Schlegel,
Kotzebue?
Schreib doch viel.

Ernestine lebt und webt in Mahlman; und sie hat ihn entweder
besser gemacht oder besser gefunden als wir glaubten. Eine liebende
Ehe ist das beste Eisenmittel gegen alle schwächende öde Liebe[lei].246,20

Lebe wohl, alter Hans, und gedenke meiner bald bei mir, d. h.
schreibe. — Wie gefiel dir der 4. Titan, der seit langem mein bestes
Buch ist?

H: Berlin acc. ms., o (XV) (derzeit BJK). 3½ S. 8°; am Schluß ein Stück abgeschnitten (wie aus A hervorgeht, eine Quittung für Matzdorff). K: Ahlefeld 22 Okt. J: Dietmar Nr. 15×. A: IV. Abt., IV, Nr. 313. 246 , 6 gäb’ es] aus giebts H 20 Liebelei] so K, H defekt
246 , 12 f. Bruder der Herzogin von Kurland: Graf (Friedrich?) Medem.

Textgrundlage:

415. An Ahlefeldt. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960.

Seite(n): 245-246 (Brieftext); 409 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Johann Georg Jacob von Ahlefeldt. Coburg, 22. Oktober 1803. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=IV_415 >


Zum XML/TEI-file des Briefes