Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Emanuel. Coburg, 13. November 1803 bis 14. November 1803.

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251,30
Koburg 13. Nov. 1803 .

„Emanuel“ heiss’ ich, würde mein Emanuelgen sagen, dessen Stelle
ich hier vertrete, damit Sie sie bei ihm vertreten. Er sieht so tol aus
wie ein humoristischer Aufsaz von mir, nur aber mager; brachte schon
mehr braunes Haar mit auf die Welt als der Vater darin zu wenig252,1
hat; und bedeutende Lippe, Stirn und Nasenwurzel und Schwarzauge,
sieht aber doch wie gedacht närrisch aus. Sie können aus dem allen
leicht sehen, daß meine Frau den 9ten nach 6 Uhr niedergekommen und
daß ich Sie zu Gevatter bitte. So leicht als die Schwangerschaft war252,5
die kurze Niederkunft; und der Accoucheur der neben der Hebamme
stand, hatte mit seiner Hand fast nichts zu thun als sie künftig zuzu
drücken, wenn ich leider die meinige reichlich gegen ihn aufthue.


Die Wöchnerin ist fast noch um einige Grane gesünder als der
Wöchner, (das bin ich) und beträgt sich so vernünftig als dieser.252,10

14ten.

Gestern bat ich mir von der Grosfürstin einen Namen für den Anony-
mus aus: „Emanuel!“ sagte sie. Flattös für Sie und mich und sie! —


Ernestine, die jezt die Mutter der Mutter ist, steht an Ihrer Tauf-
Seite und giebt dem Kinde den Namen ohne eine. — Dem dritten,252,15
aber kurzen tollen und Altags-Namen sinn’ ich noch nach und nehme
dazu keinen Gevatter als mein Genie. Otto wird es vergeben, daß
ich ihm meine Freude lieber durch Sie als auf einem elenden daumen
breiten Blatte sage. Zeit fehlt. Auch Bier, das mir doch Gott für den
Winter zufahre; im Frühling bin ich mit der flüssigen hiesigen Gegen252,20
wart zufrieden. — Kretschman’s Buch ist heraus. Otto sol zu blosser
schöner Unterhaltung Jägers Begebenheiten im romantischen Ge-
wande lesen, 5 B. — Ist ein gewisser Tyrioth oder Dieriot noch in
Bayreuth? Ich hörte vom Manne; er geigt oder so etwas. Die ächt
komische Erzählung von der Erzählung vom Chemisettgen, die Sie252,25
mir neulich zufrankierten, sol auch von ihm sein; tant mieux!


Kretschman rieth mir, stat an den Minister v. Hardenberg (in
Betref der 2ten K[reis]Amtmansstelle in Münchberg) lieber an
Tornesi für meinen Bruder zu schreiben: rathen Sie und Otto
mir
? Mir ists so zuwider und so ohne alle Hofnung; und ich mag den252,30
Bayr[euther] Hunden keinen Knochen verdanken, wenn nicht viel
Mark für meinen Bruder darin stekt.


Gute Nacht, Alter!


N. S. Ich bekenne auch hiemit daß ich Ihnen 156 fl. 53 kr. rh. als
Ihren Antheil am Aufseeser Wechsel von 750 fl. rh. schulde. 252,35


J. P. Fr. Richter

Die jubelnde C. grüsset.

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Emanuel. Coburg, 13. November 1803 bis 14. November 1803. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=IV_424


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 4. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1960. Briefnr.: 431. Seite(n): 251-252 (Brieftext) und 411 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: SBa. 4 S. 8°. Vermerk Emanuels: Am 20ten beantw. K: Eman. 13. J: Denkw. 1,136× (mit Nr. 429 vereinigt). A: IV. Abt., IV, Nr. 310. 252,1 braunes] nachtr. H 2 und Schwarzauge] nachtr. H 3 wie gedacht] nachtr. H 7 künftig] nachtr. H zuzudrücken] zuzumachen K 12f. den Anonymus] aus das Kerlgen H 14 Tauf-] nachtr. H 16 kurzen] nachtr. H 20 hiesigen] nachtr. H 25 von] nachtr. H 28 K.] nachtr. H 29f. dieUnterstreichung vielleicht von fremder Hand H 30 mag] danach versehentl. nachtr. ich H

252,12 Großfürstin: s. zu Nr. 329; nach 260,12–15 war es aber diePrinzessin Sophie. 22f. Jäger (d. i. Joh. Friedr. Schütze, s. Bd. I,zu Nr. 73): „Wahre Begebenheiten im romantischen Gewande“,5 Bände, Hamburg u. Posen 1796—1804; der 5. Band auch u. d. T.„Drei humoristische Novellen.“ 29 Otto Heinrich Tornesi, Hofkammeru. Bergrat, auch Zuchthausverwalter in Bayreuth; vgl. Bd. VI, Nr. 381, 147, 31 .