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Hochehrwürdiger und Hochgelehrter Herr 164,25
Hochzuverehrender Herr Pfarrer und Autor,

Ein vernünftiger Man wird immer suchen, wenn er doch etwas
ganz bekantes sagen mus, es wenigstens nicht deutsch sondern griechisch
zu sagen. Auch klingt es viel besser, wenn ich mit dem Simonides sage:
αναγκη ουδε θεοι μαχονται; als wenn ich mich so ausdrükte: ich 164,30
konte Ihnen unmöglich von einer Antwort des H. v. Örthels Nach-
richt geben, weil ich gar keine bekam. Ich schrieb an ihn 4 Briefe, auf
die er mir nicht antwortete, bis ich mich entschlos, die Antwort mit
meinen Ohren abzuholen. Ich bin nämlich iezt bei ihm. Die A. D. B.
wird er Ihnen gewis abkaufen; aber iezt kan er es noch nicht, weil er164,35

noch mit den Ausgaben, die ihm in Leipzig seine Krankheit verursachte, 165,1
zu kämpfen hat. Eben dasselbe sagt ich Ihnen schon neulich; allein ich
kan nichts dafür, wenn dieses Versprechen, Ihrer Absicht eines
schnellen Verkaufes kein Genüge thut.

Jezt komt die Bitte um Bücher. Zuerst wünscht’ ich vor allem die 165,5
Elektrisirmaschine zu erhalten, womit Sie das theologische Publikum
erwärmen werden, das die Funken, die es giebt, eben so sehr schmerzen
als den, der es betastet. Ich meine Ihr Buch, dem Sie Flügel geben
solten, damit es nach Hof eilte. Die übrigen Bücher sind:

Diogenes Laertius. 165,10
Erster oder zweiter Theil vom La Fontaine.
Jerusalems Betrachtungen über die Wahrheiten etc. 1. Band.
Schroehks Kirchengeschichte. Dritter Theil.
Dictionnaire des hommes illustres. Tome I.

Aber eh’ ich schliesse, gäbe ich etwas darum wenn ich wüste, was 165,15
Ihr heutiger Brief an mich für ein Brief sein wird, ob ein Ablas-
brief, der mir die anscheinenden Sünden gegen die Freundschaft ver
giebt, oder ein Spedizionsbrief, oder ein Scheidebrief, den Sie meiner
Ungeschiklichkeit zu unterhandeln geben, oder irgend ein anderer Brief.
Ich bin mit volkommenster Hofnung und Hochachtung 165,20

Ew. Hochehrwürden gehors. Diener und Fr[eund]
Toepen den [14.?] Mai 1785.
J. P. F. Richter



H: Brit. Museum. 2 S. 4°. K: An H. Vogel in Rehau. 14 Mai. B: IV. Abt., I, Nr. 39. A: IV. Abt., I, Nr. 41. 165 , 2 ich1] aus er H 7 giebt] aus schlägt H 8 als] wie K
In H ist der Monatstag nicht ausgefüllt. A ist vom 18. Mai datiert; entweder hat also Vogel nicht umgehend geantwortet, wie sonst gewöhn lich, oder K gibt ein unrichtiges Datum an. Am 15. Mai war Pfingstsonntag. 165,10 Exzerpte aus Diogenes Laertius im 10. Band von 1785. 11 La Fontaine: vgl. 166,35. 12 F. W. Jerusalem, „Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion“, Braunschweig 1773—79. 14Dictionnaire des portraits historiques, anecdotes, et traits remarquables des hommes illustres“, Paris 1768; Exzerpte daraus im 8. u. 11. Band von 1785 und 1787.

Textgrundlage:

105. An Pfarrer Vogel in Rehau. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 164-165 (Brieftext); 463 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Erhard Friedrich Vogel. Töpen bei Hof, 14. Mai 1785. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_105 >


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