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[ Hof, 11. (?) Juni 1785 ]
166,7
P. P.
Hochzuverehrender Herr Pfarrer,

Ihren neulichen Brief zeugte ein sehr mislaunigter Augenblik: mit 166,10
nichts waren Sie darin zufrieden und mit Ihrem Buche sogar nicht.
Das arme Kind! Für Ihre Zufriedenheit kan es nur die Zufriedenheit
derer entschädigen, die es kennen lernen werden. Aber wenn komt es
zu mir? zu iederman geht es iezt, und nur mich schliesset es aus?
Zulezt raffinir’ ich über Raffinerien. Übrigens lassen Sie sich von einer 166,15
Täuschung nicht berükken, die nur zu oft den Autor gegen sein Buch
einnimt. Er wil nämlich sein Buch bei ieder Durchlesung schön finden,
die er doch vielleicht schon zum 10, 12ten male wiederholet. Allein keine
Schönheiten halten einen so häufigen Genus aus und das beste Buch
verliert für uns durch Wiederkäuung seinen Wolgeschmak. Glauben 166,20
Sie daher nicht, daß Ihr Buch, dessen Reize auf den Vater wenig
Eindruk machen, auch uns andere unempfindlich lassen müsse; wir sind
ia nicht der Vater, sondern die Liebhaber des Mädgens.

Sie hätten leicht errathen können, daß H. v. Örthel die A. D. B.
unter der Bedingung, die Bezahlung aufzuschieben, nicht annehmen 166,25
könne: da sein Wort so viel Ihnen sein kan, als der wirkliche Besiz
der D. Bibl., so mus es Ihnen gleichgültig sein, ob das Buch bei
ihm oder bei Ihnen wohnet, weil in beiden Fällen sowol der Kauf
gewis, als die Bezahlung aufgeschoben ist. Diese Antwort muste
ich wieder selber bei ihm abholen und gestern bekam ich sie. 166,30

Die Bücher, um die ich Sie bitte, sind:

A. Deutsche Bibliothek 59. Band.
Jerusalems Betrachtungen über die natürliche Religion.
Bako’s Versuche.
Die Fabeln des La Fontaine. Zweiter oder Dritter Theil. 166,35

Schröckh’s Kirchengeschichte. Vierter Band. 167,1
Lettres de Pompadour.

Gern vereinigte ich, wie Sie mir erlaubten, den Genus des Halb
sommers mit dem Ihrer Geselschaft; aber nicht iedes Vergnügen ist in
unsere Macht gestellet. Ersezen Sie mir daher Ihre Gegenwart durch 167,5
einen längern Brief und söhnen Sie sich eben sowol mit Ihren Raffi-
nerien aus als mit Ihrem

Freund und gehors. Diener
J. P. F. Richter


H: Brit. Museum. 2 S. 4°; undatiert. K: An H. Vogel in Rehau den.. Julius [!]. J: Nachlaß 3,252× (6. Juli). B: IV. Abt., I, Nr. 41. A: IV. Abt., I, Nr. 42. 166 , 10 mislaunichter K
Datiert nach A; das Datum von J ist anscheinend willkürlich ange nommen. 166,33 Es ist wohl das zu Nr. 105 genannte Werk von Jeru salem gemeint; vgl. 195,11†. 34 Fr. Bacon, „Moralische, politische und ökonomische Versuche“, Breslau 1762. 167,2 „Lettres de Mme la Marquise de Pompadour, depuis 1753 jusqu’à 1762 incl.“, London 1771 (apokryph).

Textgrundlage:

107. An Pfarrer Vogel in Rehau. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 166-167 (Brieftext); 463 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Erhard Friedrich Vogel. Hof, 11. Juni 1785. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_107 >


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