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[ Leipzig, Ende August (?) 1781 ]

Ich bin nicht so glüklich, Sie näher zu kennen, als aus Ihrem
Museum — allein dies ist schon genug, Sie von einer Ihrer besten 14,10
Seiten zu kennen lernen [!]. Ich wage also, Ihnen diesen Aufsaz zu
übersenden, und bin versichert, daß Sie ihn einrükken werden, wenn er
[es] verdient; und ihn auslassen werden, wenn er schlecht ist. Er ist ein
wenig lange geraten: Seine Länge wird ihn nicht unfähig [? machen],
im M[useum] zu stehen: denn für das Süjet, das er abhandelt, ist 14,15
mer zu wenig als zu viel 〈zu kurz, als zu weitläuftig〉 gesagt worden.
Solt’ ich Ihren Beifal erhalten, so würde mich das anspornen, mer für
Ihr Museum auszu[arbeiten] und ich würde, wenn Sie’s erlauben,
einer der fleissigsten Mitarbeiter der Monatsschrift [?] sein. So hab’
ich z. B. eine Menge solcher abgerissenen Gedanken, Digressionen, 14,20
Miszellen [?] für die A[nhänge?] fertig;........... Für das Ver
trauen, das ich zu Ihnen hege, dürft’ ich mir nicht diese kleine Güte
ausbitten? nämlich daß Sie ungefär in 14 Tagen mir die Nachricht
gäben, ob Sie diesen Aufsaz einrükken könten; und zugleich die
Monat[e] bestimten, wo er stehen würde. Mein Logis ist in der Peters14,25
strasse, im Gasthof zu den 3 Rosen, 2 Treppen hoch. Alsdenn würden Sie
eine nicht ganz unbedeutende Nachricht von mir erhalten. Ihre Güte
verspricht mir alles, um [was ich] Sie bat. Ich [bin] mit volkomner
Hochachtung …

Verzeihen Sie die Unleserlichkeit des Manuskripts, und die nicht14,30
gew[önliche] Ortographie.

K (Konzept) im Arbeitsbuch (s. zu Nr. 2). 14 , 11 zu kennen lernen] vgl. 8,19 ; danach gestr. Das gröste Verdienst [?] des M[useums] besteht one Zweifel in der klugen Auswal der besten Aufsäzze. Sie werden also vergeben, wenn ich Ihnen 13 verdient] aus gut ist 17 mich anspornen] aus mir Sporn sein 30 davor ein Verweisungszeichen, dem aber im Text keines entspricht
Es ist kaum zu bezweifeln, daß der Brief an den Herausgeber des bei Weygand in Leipzig (vgl. Nr. 21) erscheinenden „Deutschen Museums“, Chr. Heinr. Boie in Göttingen, gerichtet ist, so sehr die Keckheit des grünen Studenten, sich gleich an eine so angesehene Zeitschrift zu wenden, in Er staunen setzt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um den von Mai bis August 1781 geschriebenen Aufsatz „Etwas über den Menschen“ (II. Abt., I, 171—190), dessen Manuskript schon durch die Unterschrift „Joh. Paullus Fried. Richter“ anzeigt, daß es, im Gegensatz zu den „Übungen im Denken“, für den Druck bestimmt war. Auf das „Lob der Dummheit“ können sich die Andeutungen 13,28–30 und 16,5–12 nicht, wie Otto (Wahr heit 3,354) annimmt, beziehen, da dies erst im November 1781 begonnen wurde. Daß der Brief mit dem Manuskript abgegangen ist und abschlägig beschieden wurde, geht aus einem Billett Jean Pauls an Otto v. 4. Febr. 1797 hervor. Die bittere Stimmung der folgenden Briefe ist wohl zum Teil auf diesen ersten Fehlschlag zurückzuführen. 14,20 Solche abgerissene Gedanken standen schon in den „Übungen im Denken“ am Schluß der einzelnen Hefte; großenteils aus solchen besteht das im August und Septem ber 1781 entstandene „Tagbuch meiner Arbeiten“ (II. Abt., I, 191—244). So früh und stark wucherte der Trieb zum Aphoristischen. 27 eine nicht unbedeutende Nachricht: über das geplante „Lob der Dummheit“? Oder wollte Richter nur Neugier erwecken?

Textgrundlage:

11. An den Herausgeber des Deutschen (?) Museums. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 14 (Brieftext); 421 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Heinrich Christian Boie. Leipzig, August 1781. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_11 >


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