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Eilig 171,7
Lieber Örthel,

Warum bist du an einem so schönen Tage wie gestern nicht ge
kommen? Ich sprach mit dem grössern Otto über die bekante Sache, 171,10
als ich vorher mit ihm spazieren gieng. Herman hat es ausser-
ordentlich schlim; in 14 Tagen hat er nichts warmes gegessen und
die Bücher, die er verkauft, erhalten ihn noch. „Was ich habe thun
können, das hab’ ich gethan“ sagte Otto. Da ich ihm deinen Ent
schlus, für den Herman aufzunehmen, entdekte (ohne Erwähnung 171,15
der Ottoin): so zog er die Möglichkeit, etwas zu bekommen, völlig
in Zweifel. Das nämliche that der kleine; sie erboten sich aber beide,
sogar mit ihren Namen die Sache zu unterschreiben. Dieses sezte
das Unvermögen ihrer Mutter, dir zu helfen, so deutlich voraus,
daß ich ihnen von deiner Absicht auf sie gar nichts offenbarte. 171,20

Den Dienstag geh’ ich gewis auf Schwarzenbach und ich hoffe, du
thust mir den Gefallen und komst auch.

Endlich schikke mir auf den Montag, da ich es so unentbehrlich
brauche, 24 oder 30 — — Kreuzer. Lebe wol.

Hof den 10 Sept. 1785 [Sonnabend].
Richter



H: Berlin JP. 1 S. quer 4°; auf der Rücks. Adr. wie zu Nr. 111. 171 , 11 als] aus da 23 auf den Montag] nachtr.
Der größere Otto ist Albrecht, der kleine Christian (der von kleinem Wuchs war), die Ottoin deren Mutter. Hermanns Lage hatte sich u. a. dadurch verschlimmert, daß ihm der Hofer Rat ein früher bewilligtes Stipendium wieder entzogen hatte (vgl. 282,19); in einem Brief an Oerthel vom 3. Dez. 1785 bedankt er sich für ein Geldgeschenk (Schreinert Nr. 12).

Textgrundlage:

112. An Oerthel in Töpen. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 171 (Brieftext); 464 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Adam Lorenz von Oerthel. Hof, 10. September 1785. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_112 >


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