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[ Hof, 11. Jan. 1786 ]
192,12
Sie werden mir verzeihen, daß Sie das Kästgen erst von mir fodern
musten. Ich wünschte ich könte es begleiten. Denn iezt wären wir erst
vergnügt mit einander, da Sie es sind, wenn Sie auch nichts anders 192,15
wären als gesund. Endlich hat doch ein Freund von Ihnen dem Glükke
die Augen, die ein ganz[er] unweiser Rath mit seinen Fäusten zu
drükte, wieder aufgemacht und es sieht Sie und seine Fehler. Warlich
ich kan Ihnen das Vergnügen nicht beschreiben, das mir Ihre Ver
besserung gab. Vielleicht ahmt mein Schiksal dem Ihrigen nach und 192,20
ich habe nun bald Wind genug zu meinen papiernen Segeln zusammen
gebracht. Ich rathe Ihnen selbst nicht, nach Hof zu kommen; viel-
mehr besuchen Sie dafür Freunde, die iezt in Hof sind. Wir hätten wol
allerlei aneinander zu schreiben und könten durch Briefe die bessere
Zukunft in die Gegenwart verwandeln und einander Visittenblätter 192,25
schikken, die der Besuch selbst wären, und ich möcht’ auch wol — aber
Sie mögen nicht. Dennoch schäz’ und lieb’ ich Sie innig und freue
mich, daß ich Sie nicht verkenne sondern bin etc.

K: An Herman den 11 Jenner. 192 , 18 Warlich] aus Wahrlich [?]
Hermann hatte am 3. Dez. 1785 an Oerthel geschrieben: „Kurz vor der Erhaltung Ihres lezten Briefes war schon mein Wäschkästgen abgesegelt, worinnen ich Richters Satyren, Platners Aphorismen, die kleine Piece über die Thedensche Spiesglastinktur [s. 84,15] und noch ein Buch eingepackt hatte.“ (Schreinert S. 53.) Er hatte jetzt Aussicht auf ein Stipendium von 100 Gulden anstelle des ihm entzogenen (s. zu Nr. 112). Am 15. März 1786 schreibt er an Albrecht Otto: „Aus Richters Briefe sollte ich fast vermuthen, daß er mich diese Ostern in Hof zu sehen hofft.“ (Schreinert S. 63.)

Erwähnungen im Kommentar:

Personen
Werke

Textgrundlage:

139. An Hermann in Leipzig. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 192 (Brieftext); 470-471 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Bernhard Hermann. Hof, 11. Januar 1786. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_139 >


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