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Lieber Oerthel,
193,24
Du kanst es selber nicht verlangen, daß der Rabbi Abraham Recht 193,25
behält: dieser sonst grosse Man fiel einmal auf die ganze Sache und
behauptete ernsthaft genug, daß Got gern die Sukkuben und unter
andern auch die Satyrs ganz ausgeschaffen hätte; aber der Sabbath
kam dazwischen; der nöthigte ihn, sie unvolendet stehen zu lassen.
Meine Ruhetage sezen sich zwar auch der Volendung meiner Satyrs 193,30
entgegen; aber du must es nicht zulassen, sondern nach dem Sabbath
in der That so wenig fragen, daß du munter an dem Geschöpfe fort
arbeitest: denn nicht ieder invalide Rumpf ist darum gleich ein Torso
und nur die Schönheit der Glieder entschuldigt die Unvolständigkeit
derselben. 193,35


Ich schikke dir nämlich hier ein Stük meines Mskpts — die übrigen 194,1
droh’ ich dir erst — nicht zum Zensiren, sondern zum Rezensiren, das
iezt bei dem Anwachse der Zensoren ganz ausser Mode komt. Welchen
Gefallen köntest du mir nicht thun, wenn du selbiges mit deinen Rand
glossen versähest! Ich wolte dich anfangs mit Gewalt dazu nöthigen 194,5
und durch eine starke Schluskette zum Glossatoramte ziehen; aber
da du iede Art von Ketten so sehr hassest, so lass’ ich sie fahren und stell’
es ganz in deine Wilkühr, was du mit dem Mskpte machen wilst. Ich
möchte es gern noch einmal durchstimmen und es wäre daher freilich
gut, wenn du deine Stimpfeife hervorbrächtest und zuweilen einen 194,10
geschikten Pfif darein zu meinem Besten thätest. Was ich dir schikke
hab’ ich zu Anfange des Sommers gemacht; das Ernsthafte und
Bessere ist noch ungeschaffen oder doch bei mir.

Lebe wol, lieber Oerthel, und denke einigermassen auf ein Mittel, die
Veranstaltung geschikt zu vereiteln, die ich iezt getroffen, daß du mir 194,15
etwas schreiben must.

Am Mitwoche den 26 [vielmehr 25.] J[enner] 86.
R.



Du köntest mir Feders Untersuchungen bald schikken; denn in
4 Tagen soltest du sie wieder haben; oder doch Mendelsohns Buch über 194,20
das Dasein Gottes.

H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 2 S. quer 4°. K (nach Nr. 140): An Oerthel den 25 Jenner. J 1: Wahrheit 4,39. J 2: Nachlaß 2,323×. 193 , 32 dem] meinem K 194 , 5 nöthigen] zwingen K 9 möchte es gern noch einmal] wil das ganze Werk K es wäre daher freilich gut] du thätest mir freilich einen Gefallen K 10 hervorsuchtest K 19 Untersuchungen] davor gestr. Moral H
Da man sich leichter im Monats- als im Wochentag irrt, hat hier wohl K das richtige Datum. 194,1 Manuskript: die „Scherze in Quart“, Vor stufe der Auswahl aus des Teufels Papieren. 19 J. G. H. Feder, „Unter suchungen über den menschlichen Willen“, Göttingen u. Lemgo 1779. 20f. Moses Mendelssohn, „Morgenstunden, oder Vorlesungen über das Dasein Gottes“, Berlin 1785.

Textgrundlage:

142. An Oerthel in Töpen. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 193-194 (Brieftext); 471 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Adam Lorenz von Oerthel. Ohne Ort, 25. Januar 1786 bis 26. Januar 1786. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_142 >


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