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Anfang fehlt Sie glauben [?] nicht, was mir für das Waschen
meiner Kleidungsstükke drauf [?] geht; für iedes gute Hembd 1 gr.
sächs., für ein par Strümpfe 2 Dreier. Wenn ich es nur allemal durch
einen Fuhrman hin zu Ihnen bringen könte. Ferner: meine Wäsche 22,35

zerreist auch; wenn sie nur von Ihnen könte geflikt werden. So eine 23,1
weise [!] Halsbinde möchte ich noch haben; ich habe nur 2, und diese
tue ich alle Tage um; da mus ich alle Wochen eine waschen lassen, und
das ist sehr unbequem. — Ich wolte Ihnen das verlangte Hembde
mitschikken: aber 1) ich weis nicht wie ich’s fort bringe und 2) hilft es 23,5
Ihnen nichts; denn man fordert es nicht von Ihnen und Sie darfen [!]
es auch nicht zurükgeben; hat ia der Riedel mehr Sachen wegge-
mauset; z. E. die zinnernen Schüsseln, welche seine Tochter fort-
getragen hat — diese melden Sie ia mit, wenn der Riedel etwan
anfängt. — Ich weis gar nicht warum der Pfarrer in Rehau niemals 23,10
schreibt; ich habe ihm schon dreimal geschrieben — er ist stum. Wenn
Sie ihn einmal sprechen; sagen Sie ihm’s doch. Machen Sie dem
Hern Rektor meine Empfelung; und sagen Sie, er sol öfters schreiben,
und meinen lezten Brief beantworten. Was macht er denn? — Halten
Sie ia meine Brüder recht zum Fleis an; was wolten sie denn an- 23,15
fangen? Lassen Sie den Gotlieb nicht studiren; er kan ein Schreiber
werden. Hüten Sie Sich vor dem Zorn, und sehen Sie bei Ihrem
Hineinzug nach Hof, auf Ihre Gesundheit. Sein Sie ruhig, quälen
Sie Sich nicht immer mit Sorgen, lassen Sie es sein, wenn Sie auch
von dem Schurken und dem Weibsbild gekränkt werden. Ach! es komt 23,20
vielleicht noch ein Tag, wo Ihre Feinde nicht so glüklich sind wie iezt,
und wo Sie mehr Ruhe, mehr Freude, mehr Vergnügen geniessen.
Wenn Sie eine Christin sind, und dies müssen Sie sein, warlich! so
wüste ich nicht, wie solche Sachen, die nichts als dies kurze Menschen
leben betreffen, Ihnen soviel Unruhe machen können. Dulden Sie die23,25
kleinen Leiden, die Sie iezt treffen; erinnern Sie Sich alzeit [?] an den,
der auch die geringste gute Tat nicht unbelont läst, sondern auf iedes
seiner Geschöpfe mit soviel Liebe herabsieht, der für alle einen Himmel
hat, der allen einen versprochen hat, und allen einen geben wird.
Beten Sie: wenn Sie keinen Freund haben, dem Sie es klagen 23,30
können, klagen Sie es dem Freunde aller Menschen; erwarten Sie von
dem die Hülfe, die lang verzieht aber nie aussenbleibt, und denken Sie
immer daran, daß auch alle unsre grösten Trübsalen uns nichts
anders rauben können als das Leben, und daß hernach der Tod uns die
süsse Ruhe giebt, welche uns das Leben nicht gab, daß wir hernach alle 23,35
Leiden so ruhig verschlafen, bis wir dan von diesem Schlummer an
ienem herlichen Tag erwekt werden, wo ein ofner Himmel den Frommen
erwartet, wo der Freund den Freund, der Gatte die Gattin, das Kind 24,1
den Vater wiederfindet, den es so lange verloren hatte, und wo eine
ewige Glükseligkeit unaufhörlich das Herz des Frommen durchströmt
und ihn für alle seine Leiden belohnt. Leben Sie wol; ich bin

Ihr
Leipzig den 3 Novemb. 1781.
geh. Sohn J. P. F. Richter 24,5



H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 1⅔ S. gr. 4°; Anfang fehlt; die ersten Wörter des erhaltenen Blattes sind durch einen Fleck verdeckt. J: Wahr heit 3,307×. 23 , 17 bei] davor gestr. überal 34 hernach] aus darnach 24,3 des Frommen] nachtr. durchströmt] aus durchströhmt
Der fehlende Anfang enthielt eine Bitte um 20 Taler, s. Nr. 18. 23,20 Schurken: Riedel. Weibsbild: vgl. 12,31†.

Erwähnungen im Kommentar:

Personen

Textgrundlage:

15. An Frau Richter in Schwarzenbach. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 22-24 (Brieftext); 425 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Sophie Rosine Richter. Leipzig, 3. November 1781. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_15 >


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