Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.



[ Töpen, 10. (?) Jan. 1787 ]
223,10
Wenn du von deiner Reise nach dem goldnen Vliesse zurük bist:
so mach’ eine nach Töpen und erzähle mir beide. Maitre des plaisirs
et de langue....
Die Stadtneuigkeiten werden mir durch Dorf
neuigkeiten schlecht ersezt. Der wichtigern — ich meine solche, die ieden
vernünftigen Man in Bewegung sezen — giebts nur einige. — Hoch223,15
zeit: den [9.?] kopulirte man, tanzte man, blies man und schläft man:
heute abend reden wir alle mit wahrer Lust davon. Allein der Bräutigam
macht sich nichts daraus sondern sezt sich hin und sagt: wenn Adam, der
noch unschuldiger war als ein Kind, aus dem Paradiese in 32 Jahren,
nach Rivinus in 3 Wochen muste: wie viel [eher] ich, der ich so viele 223,20
Sünden habe... Und so spielen wir alle unsre Haupt- und Staats
akzion bald auf dem Nazional- bald [auf dem] Familientheater und
machen uns falsche Wunden und Bäuche und halten das Vogelnest,
worin wir wachsen, für ein indianisches.... Briefzehend.

K: Den 8 [!] Jenner 87. An Otto. i: Wahrheit 4,87×. A: IV. Abt., I, Nr. 66. 223 , 22 Familientheater] davor gestr. Haus
Georg Christian Otto (vgl. die Stammtafel in Bd. II) wird jetzt nach Oerthels Tode Richters intimer Duzfreund und Hauptkorrespondent. Aus den achtziger Jahren sind aber nur wenige Originalbriefe erhalten. Der von Otto vorbereitete, nach seinem Tode von seiner Witwe Amöne, geb. Herold, in Gemeinschaft mit Ernst Förster herausgegebene „Brief wechsel Jean Pauls mit seinem Freunde Christian Otto“, Berlin 1829—33, 4 Bände, beginnt erst mit dem Jahre 1790. In Jean Pauls Briefen (Berlin JP bis auf einige, die Brix Förster dem Goethe- u. Schiller-Archiv überwiesen hat) hat Otto manches korrigiert oder gestrichen, vieles am Rande ange strichen. Nerrlich hat sie 1902 in Auswahl und mit Kürzungen neu heraus gegeben. Von Ottos Briefen sind wichtige Stücke beseitigt und durch ge kürzte und abgeänderte Abschriften von Amönens Hand ersetzt worden; von 1800 ab fehlen die Handschriften ganz. 223,15ff. Das Töpener Kirchen buch verzeichnet unterm 9. Januar 1787 die Trauung eines Leinewebers mit einer Wirtstochter; das Datum von K scheint also nicht zu stimmen oder nur den Anfang des Briefs anzugeben. A ist am „Mittwoch“ geschrieben, d. i. am 10. Januar, vermutlich am Empfangstage; es heißt darin: „Dem Ungelehrten empfiehlt sich sein gelehrter Freund, der von der Reise glük lich zurükgekommen, das goldene Vließ aber nicht mitgebracht hat … Morgen reise ich nebst dem Maitre des plaisirs [Albrecht Otto?] nach Hirschberg und dann werden wir dich sprechen und du wirst den Brief zehend mündlich erhalten...“

Erwähnungen im Kommentar:

Personen
Orte

Textgrundlage:

190. An Christian Otto in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 223 (Brieftext); 481 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Töpen bei Hof, 10. Januar 1787. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_190 >


Zum XML/TEI-file des Briefes