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Hof den 1 Sept. 1788.
247,27
p. p.
Höchstzuverehrender Herr Generalsuperintendent,

Sie schlugen vor einigen Jahren einem Unbekanten eine sehr zu247,30
dringliche Bitte mit so viel wolwollenden Schonen ab, daß er zu einer
andern den Muth behielt.

Zwei für den deutsch. Merkur bestimte Aufsäze wag’ ich nicht un-
mittelbar dem H. Hofrath Wieland in der Furcht zu schikken, sie
möchten sich unter der Karavane der Papiere verlieren, die ringsum 248,1
auf ihn zuschiessen — nicht weil ich besorge, sie würden nicht abgedrukt
sondern weil ich besorge, sie würden mir in diesem Falle nicht zurük
geschikt. Vielleicht gewinn’ ich auch wenn Sie mich ihm präsentiren
das was eine unangenehme Neuigkeit gewint, wenn man sie dem 248,5
Könige durch einen Günstling oder eine Geliebte überbringen lässet.
Möchten Sie die Aufsäze werth finden, von Ihnen gelesen zu werden!
Möchten Sie durch den ernsthaften mich werth finden, die Ihrigen
gelesen zu haben!

Da ich ökonomisch zu reden nichts habe: so mus ich für diese unter 248,10
hypochondrischem Herzklopfen und verschwindendem Athem geborne
Produkte wol etwas haben wollen.

Langeweile machen ist etwas so schlimmes, daß Muhammed und
sein Soufleur es in ihrer Bibel verboten und sagten, man solle nicht
zu lang beim Propheten sizen bleiben — oder bei irgend einem andern, 248,15
der noch mehr ist, füg’ ich dazu. Daher bin ich in Hofnung einer ver
gebenden und vielleicht frühen Antwort und mit dankbarer und
schweigender Hochachtung

Ew. Magnifizenz
gehorsamster Diener248,20
J. P. F. Richter


H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 2 S. 4°. K: An Herder den [ gestr. 29] 1 Sept. i: Wahrheit 4,106. J: Herders Nachlaß Nr. 2 (7. Sept.) A: IV. Abt., I, Nr. 85. 247 , 31 wolwollenden] aus wolwollendem H 34 Furcht] Besorgnis K 248,2.3 besorge] fürchte K 4 gewinn’ ich] gewinnen sie K 11 geborne] aus gebornen H 15 irgend einem] iedem K 16 noch mehr] besser K ich in] in in H
Vgl. Nr. 116 und 120†. Mit dem ernsthaften Aufsatz „Was der Tod ist“, der im Dezember 1788 im Deutschen Museum, später umgearbeitet u. d. T. „Der Tod eines Engels“ im Quintus Fixlein erschien (I. Abt., V, 41—45), und dem satirischen „Meine Beantwortung der Berliner Preisaufgabe: ob man den Pöbel aufklären dürfe“ (II. Abt., III, 41—50).

Textgrundlage:

232. An Herder in Weimar. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 247-248 (Brieftext); 491 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Gottfried von Herder. Hof, 1. September 1788. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_232 >


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