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Liebe Mama!

Heute Abends bekam ich Ihren Brief, und eben heute Abend
beantworte ich ihn schon wieder, um Sie von der Gewisheit meiner 42,30
Gesundheit zu versichern. Die Krankheit, welche schon zur Messe in
Leipzig algemein war und iezt schon abgenommen hat, hat mich zwar
vor einigen Wochen auch angefallen; aber nur ein klein wenig. Ich
hatte nur Einen Tag ein wenig Kälte, und eine kleine [!] Schnupfen.
Der Örthel lag länger krank. — Sie dürfen Sich also wegen meiner 42,35

nicht sorgen; ob ich wol mich um Sie sorge, und Ihnen zugleich anrate, 43,1
daß Sie sich in Acht nemen und Weinessig alle Morgen entweder
trinken oder räuchern. Denn nach dieser Krankheit folgt gemeiniglich
das Faulfieber, und dies tödet. — Meine Hare hab’ ich mir abschneiden
lassen. Sie stehen mir nach dem Ausspruche meiner Freunde besser wie 43,5
meine Frisur: denn sie sind lokkicht oder ein wenig kraus. — Neulich
glaubten wir in Hof ein Schnupftuch zu wenig zu haben; aber wir irten
uns. Ich habe nur 5 Schnupftücher nach Hof gebracht; das Sechste
fand ich in Leipzig. — Was das Geld betrift, das Ihnen der Örthel
herauszalen sol, so rate ich Ihnen, daß Sie sich nichts vom Örthel ab43,10
ziehen und die 116 fl. herauszalen liessen. Wegen der Gelder, die Sie
dem Örthel schuldig sind, können Sie eine Obligazion ausstellen und
dem Örthel Ihr Gartenhaus dafür zum Unterpfand verschreiben. Ich
glaube, der Örthel tut es. Denn sonst bekäme[n] Sie, nach abgerech
neten Schulden, wenig von den 116 fl. heraus, und was wolten Sie 43,15
dan mit den par Gulden anfangen. — Lassen Sie den Riedel in
Frieden ruhen — er ist im Grab, hassen Sie ihn nun nicht mehr. Der
Tod endigt alles, auch die Feindschaft. Hat er Ihnen Unrecht getan —
nun so hat er gefehlt, wie andre Menschen. — Ich glaube der Riedel
ist weder am Merkur, noch an der Ärgernis, sondern am iezzigen 43,20
schlechten Wetter gestorben, welches in Leipzig alle Schwindsüchtige
mitnimt. In Dresden sind in Einer Woche 100 Personen begraben
worden. Jezt hört es aber auf. Den Ovid wil ich mit der nächsten Post
schikken. — Ich wünsche Ihnen Besserung und bin

Ihr 43,25
g. S.

Leipzig den 27 Mai 1782.
J. P. F. Richter


H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 1 S. 2°; Adresse auf der Rücks.: A Madame Madame Richter à Hof. Vgl. Wahrheit 3,197 u. 313.
43 , 16 Riedel (s. zu Nr. 10) war am 16. Mai 1782 gestorben. 20 Merkur: Mittel gegen die Lustseuche.

Textgrundlage:

25. An Frau Richter in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 42-43 (Brieftext); 431 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Sophie Rosine Richter. Leipzig, 27. Mai 1782. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_25 >


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